Entwicklunghelfer Mobilfunk: Ein neues Handy für 15 Euro
Die Mobilfunkbranche erlebt in Afrika einen Boom, der nicht nur zweistelliges Umsatzwachstum, sondern auch satte Profite bringt. Allerdings müssen die Anbieter sich dafür auf die Regeln der Mikroökonomie einlassen. Wie Safaricom in Kenia.
Ausgerechnet die Mobilfunkindustrie, in Europa für happige Tarife berüchtigt, hat sich in Afrika zum Vorreiter einer fortschrittlichen Ökonomie entwickelt. Dort betreibt die Branche nämlich extrem erfolgreich Mikro-Geschäfte im Sinne des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus, der die Einbindung der Ärmsten in Wirtschaftskreisläufe als effektivste Entwicklungshilfe propagiert.
Handy-Bank: Ein Kunde bezahlt in Kenias Hauptstadt Nairobi per Mobiltelefon
Bei der Integration der Ärmsten in ökonomische Kreisläufe spielen Handys eine besondere Rolle. Zunächst bieten sie Bauern, Fischern oder Kleinhändlern die nötigen Informationen für eine faire Teilhabe am Marktgeschehen. Darüber hinaus stellt für Millionen Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern ihr Handy-Guthaben aber auch ihr erstes Bankkonto dar.
Keine Grundgebühr, kein Mindesumsatz
Mit europäischen Geschäfts- und Tarifmodellen gewinnt man in Afrika allerdings keine Mobilfunk-Kunden. Statt subventionierter High-Tech-Handys zum Zweijahresvertrag bieten Unternehmen wie Safaricom ihren Kunden möglichst kleine Produkthappen an. Safaricom-Verträge kommen daher ohne Telefon, Grundgebühr und Mindestumsatz, Gesprächsguthaben können schon für knapp 60 Cent erworben werden.
Safaricom-Chef Michael Joseph erklärte dazu gegenüber der "Business Week", dass bislang mit jeder Senkung der Mindestkaufmenge für Gesprächsminuten ein Umsatzsprung einhergegangen sei. Daher will Joseph zukünftig die Guthaben sogar in noch kleineren Einheiten anbieten.
Die Mindestabnahmemenge immer weiter zu senken, widerspricht allen klassischen Absatzstrategien, Safaricom-CEO Joseph musste dies nach eigenen Aussagen auch gegen den Widerstand seiner eigenen Finanzabteilung durchsetzen.
Inzwischen dürfte seine Strategie aber auch den Buchhaltern gefallen, schließlich erfreut sich das Unternehmen nicht nur eines zweistelligen Wachstums der Kundenzahl, sondern auch einer satten Profitrate von 25 Prozent.
Kenias Handy-Netz läuft mit Benzin
Im letzten Geschäftsjahr waren das rund 141 Millionen Euro, die mit 7,4 Millionen Nutzern erwirtschaftet wurden. Entsprechend optimistisch sieht Joseph dem für November geplanten Börsengang entgegen, bei dem ein Viertel der Anteile angeboten werden sollen. Angepeilter Erlös sind dabei eine halbe Milliarde Euro.
Aber nicht nur die Tarifgestaltung folgt in Afrika anderen Regeln als hierzulande, auch der tägliche Betrieb des Mobilnetzes unterscheidet sich fundamental. So muss Safaricom vor allem dafür sorgen, dass alle Basisstationen regelmäßig mit Treibstoff für die Generatoren versorgt werden, weil auf das kenianische Stromnetz kein Verlass ist. Ein Großteil der laufenden Kosten entfällt daher auf die eigene Tankfahrzeugflotte und die Sicherungen der Basisstationen vor Benzinräubern.
Dafür entfallen in Kenia weitgehend die Kosten für aufwendiges Marketing und die Subventionierung der neuesten Handy-Modelle: Afrikanische Kunden erwerben ihre Telefone nämlich in Regel selbst, meistens auf dem grauen Markt für gebrauchte Handys. Hier können Telefone schon für weniger als 10 Euro erworben werden, während das günstigste neue Nokia-Modell für rund 30 Euro zu haben ist. In Zukunft will Safaricom in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Hersteller ZTE aber auch neue Handys für rund 15 Euro anbieten.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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