Expertenschätzung iPhone soll 50 Prozent Gewinn abwerfen

Der geplante Verkaufspreis des Apple-Handys iPhone soll etwa doppelt so hoch sein wie dessen Herstellungskosten, behaupten Experten der US-Firma iSuppli. Für Apple seien solche hohen Gewinnmargen durchaus typisch.


Der Rubel rollt bei Apple: Gestern erst meldete das Unternehmen einen gigantischen Gewinnsprung im vierten Quartal 2006: Eine Milliarde Dollar verdiente Apple zwischen Oktober und Dezember, was einem Plus von 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Hauptmotor des Geschäfts war der um 50 Prozent gestiegene Absatz von iPods.

Es könnte in den nächsten Jahren genauso weiter gehen, wenn das in der vergangenen Woche vorgestellte iPhone ein Verkaufshit wird und die Zahlen stimmen, die Experten der US-Firma iSuppli jetzt vorgestellt haben. iSuppli ist dafür bekannt, Elektronikgeräte aller Art auseinanderzuschrauben, die verwendeten Bauteile zu identifizieren und anschließend die Herstellungskosten abzuschätzen.

Einem iPhone konnten die Experten freilich noch nicht mit Werkzeug zu Leibe rücken - mangels Hardware. Das Gerät wird vermutlich frühestens Mitte des Jahres verfügbar sein. Stattdessen nutzte iSuppli die Angaben von Apple zum iPod-Telefon aber auch von anderen Firmen und die eigenen Erfahrungen, um die Herstellungskosten abzuschätzen.

Demnach soll die 4-Gigabyte-Variante, die laut Apple mit einem Zwei-Jahresvertrag beim US-Mobilfunkanbieter Cingular für 499 Dollar angeboten wird, in der Herstellung lediglich 246 Dollar kosten. Die Bruttomarge läge somit bei rund 50 Prozent. Bei der 8-Gigabyte-Ausgabe (Preis bei Cingular inklusive Vertrag 599 Dollar) muss Apple laut iSuppli in der Produktion nur 281 Dollar aufwenden.

In einer Tabelle listen die Hardware-Experten detailliert auf, wie viel die einzelnen im iPhone verbauten Komponenten kosten sollen. Der Prozessor schlägt mit 18,50 Dollar zu Buche, das WLAN-Modul mit 15,35 Dollar. Die 2-Megapixelkamera soll 11 Dollar kosten, das Display 33,50 Dollar.

Man habe großes Vertrauen in diese Kalkulation, schreibt iSuppli in seinen Erläuterungen, doch die Angaben seien nur vorläufig und müssten anhand der tatsächlich genutzten Komponenten überprüft werden, sobald das iPhone verfügbar ist.

Gewinnmargen von 45 Prozent sind laut iSuppli bei Apple nicht ungewöhnlich. Diese würden beispielsweise beim iMac und beim iPod nano ebenfalls erreicht. Wegen des zu erwartenden harten Preiskampfes bei Musikhandys verfüge Apple somit aber auf jeden Fall über Spielräume, um die Preise des iPhones zu senken. "Mit einer Bruttomarge von 50 Prozent hat sich Apple auf künftige aggressive Preissenkungen eingestellt", sagte Jagdish Rebello, Analyst bei iSuppli.

Nach Schätzungen der Marktforscher dürften 2007 weltweit rund 620 Millionen Musikhandys verkauft werden, 2006 waren es 442 Millionen. Im Jahr 2010 sollen mehr als eine Milliarde Mobiltelefone mit MP3-Player verkauft werden.

Im September hatte iSuppli die Herstellungskosten des iPod nano kalkuliert und war auf 72 Dollar gekommen. In den USA wird der Player für 199 Dollar verkauft. Sonys Playstation 3, die in der 20 Gigabyte-Variante für 499 Dollar verkauft wird, kostet laut iSuppli in der Produktion 806 Dollar. Mit jedem verkauften Gerät macht Sony somit mehr als 300 Dollar Verlust. Das ist allerdings bei Spielkonsolen nicht ungewöhnlich, schließlich sind die Hersteller am Umsatz der Spiele beteiligt.

hda



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