Feldversuch Polizeinotruf per SMS

Nicht nur für Schnelltipper: In Großbritannien wird man Ordnungshüter bald per Textnachricht alarmieren können. Der Service soll vor allem Gehörlosen helfen. Wenn er sich in der bewährt, könnte er zur regulären Alternative zum Anruf werden - automatische Positionsbestimmung inklusive.


In Großbritannien soll die allgemeine Notrufnummer für Rettungsdienste bald auch per SMS zu erreichen sein. Zunächst soll damit Gehörlosen und Sprachbehinderten die Alarmierung von Polizei, Feuerwehr und Rettungswagen erleichtert werden. Einmal eingeführt, könnte der SMS-Notruf zur gängigen Alternative zum Telefonat werden.

SMS-Kurznachricht: Bald als Text-Notruf inklusive Ortung nutzbar?
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SMS-Kurznachricht: Bald als Text-Notruf inklusive Ortung nutzbar?

Befürworter der Alarm-SMS argumentieren vor allem mit Situationen, in denen man sich mit einem Anruf bei der Polizei in Gefahr bringen könnte. Etwa wenn man einen Einbrecher im Haus hört, und diesen nicht warnen will. Ob sich die Idee durchsetzt, soll ein Feldversuch zeigen, der gerade prinzipiell beschlossen wurde - allerdings ohne konkreten Zeitplan. Skeptiker befürchten, dass die Rettungsdienste durch kryptische SMS verwirrt oder in die Irre geleitet werden könnten: Botschaften im SMS-Kurzstil wie "som1 brkn n2 hous" müssen schließlich erst einmal korrekt interpretiert werden (In diesem Fall: "Hilfe, jemand bricht in mein Haus ein").

SMS an 999

Schon bislang können Gehörlose in Großbritannien per Textnachricht die Rettungsdienste benachrichtigten. Allerdings nur über spezielle Telefone, die eingegebene Texte "nachsprechen". Für Notrufe dieser Art gibt es zudem eine gesonderte Telefonnummer. Um diese Sonderwege in die allgemeine Notrufstruktur einzugliedern, hat die britische Regierung eigens eine Arbeitsgruppe namens "999 Liaison Committee" gegründet. In dieser sind Mobilnetzbetreiber, Polizei, Rettungsdienste und die Regulierungsbehörde vertreten. Die "999" im Namen der Gruppe stammt aus der traditionellen britischen Notrufnummer, die 1937 eingeführt wurde. Seit 1992 kann man zwar auch in Großbritannien die in den meisten europäischen Ländern gängige "112" für Notrufe wählen, aber die meisten Briten bevorzugen immer noch ihre gewohnte "999".

Angaben der "Daily Mail" zufolge hat das "999 Liaison Committee" jetzt beschlossen, den SMS-Notruf ein halbes Jahr in der Praxis zu testen: "Nach dieser Probephase werden wir entscheiden, ob der Service beibehalten wird und ob er der Allgemeinheit oder nur Gehörlosen zur Verfügung stehen soll", heißt es in einer Stellungnahme. Der Test soll insbesondere zeigen, ob die Ortung der Handys, von denen SMS-Notrufe gesendet werden, einwandfrei funktioniert - die Netzbetreiber sollen bei Textnachrichten an die 999 nämlich automatisch eine Positionsbestimmung durchführen.

Anonyme Anzeigen per SMS

Die Idee, die Bürger per SMS mit der Polizei kommunizieren zu lassen, ist nicht neu. Die Resultate der bisherigen Versuche sind durchwachsen: So wurde 2005 in Bochum ein Feldversuch zur "SMS-Fahndung" eingestellt. Hier wurden bestimmte Berufgruppen wie Taxi- und Busfahrer per Kurznachricht auf aktuelle Fahndungen aufmerksam gemacht. Deren Hinweise führten in drei Jahren jedoch kein einziges Mal zur Aufklärung einer Straftat oder der Ergreifung eines gesuchten Kriminellen.

Dagegen konnten die britischen Ordnungshüter in Suffolk bereits positive Erfahrungen mit einem ähnlichen Programm namens " Police Direct" machen: Dabei werden aktuelle Warnungen, anders als im Bochumer Feldversuch, an alle Bürger geschickt, die sich online registrieren. Im Februar 2006 wurde durch den Versand von rund 6.000 SMS tatsächlich ein Dieb gefasst, der sich auf Kirchen spezialisiert hatte - Der "Kollekten-Räuber" wurde auf den Hinweis eines SMS-Empfängers hin verhaftet.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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