Gegen Standby-Verschwendung: Öko-Sterne für Handy-Ladegeräte

Ungenutzt an der Steckdose hängende Netzteile sind für zwei Drittel des Stromverbrauchs durch Handys verantwortlich. Die großen Hersteller werden Netzteile daher zukünftig mit Sternen kennzeichnen, die den Standby-Verbrauch bewerten.

Die fünf führenden Mobiltelefonhersteller wollen den Standby-Verbrauch von Netzteilen zukünftig einheitlich kennzeichnen. Dazu haben sich Nokia, LG, Motorola, Samsung und Sony Ericsson auf ein Fünf-Sterne-System geeinigt, das in Abstimmung mit EU- und US-Behörden konzipiert wurde. Demnach signalisieren fünf Sterne auf dem Ladegerät, dass es sich um ein besonders effizientes Modell mit maximal 0,03 Watt Verbrauch im Standby-Betrieb handelt.

Neue Netzteil-Kennzeichnung: Stecker raus wäre besser

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Auf der anderen Seite der Skala steht die Wertung "Null Sterne", mit denen besonders energiehungrige Netzteile gekennzeichnet werden sollen, die im Standby mehr als 0,5 Watt beanspruchen. Mit der Aktion wollen die Mobiltelefon-Produzenten zunächst ein Bewusstsein für die Stromverschwendung durch Netzteile im Standby schaffen. Denn diese verbrauchen auch dann Strom, wenn sie nur in der Steckdose stecken, aber gerade kein Telefon aufgeladen wird. Und eigentlich ist dies auch sehr einfach nachvollziehbar, weil die Netzteile sich erwärmen, sobald sie angeschlossen werden.

Hochrechnungen

Dass viele Nutzer Netzteile permanent in eine Steckdose stecken, ist wohl in erster Linie eine Frage der Bequemlichkeit - ansonsten müsste man das Ladegerät vor jedem Gebrauch erst einmal suchen und finden. Außerdem verheddern sich die Kabel ziemlich schnell, wenn die Netzteile nicht an einer Steckdose "fixiert" werden. Das sind selbstverständlich Kleinigkeiten und das gleiche scheint für den Verbrauch der Geräte im Standby zu gelten. Aber laut Nokia sind ungenutzt an der Steckdose hängende Netzteile für satte zwei Drittel des Stromverbrauchs verantwortlich, den Handys insgesamt produzieren.

Und wie so oft in Umweltfragen geht es hier um den Effekt der Masse: Wenn alle Handy-Nutzer auf ein Vier- oder Fünf-Sterne-Geräte umsteigen würden, könnte dadurch die Leistung von "zwei Kraftwerken mittlerer Größe" gespart werden, rechnet Nokia mit dem Verweis auf weltweit mehr als drei Milliarden Mobiltelefonanschlüsse vor. Vor diesem Hintergrund scheint das neue Sterne-System der Hersteller durchaus sinnvoll, zudem es auch weiteren Produzenten wie HTC, Apple oder Research in Motion offensteht.

Öko paradox

So lobenswert die Einführung des Sterne-Systems für Handy-Netzteile auch sein mag, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass es sich gleichzeitig um einen Rückschritt handelt. Denn eigentlich müsste das Ziel der Energiesparbemühungen ja sein, ungenutzte Ladegeräte generell vom Stromnetz zu trennen - der resultierende Null-Verbrauch hätte dann glatt sechs Sterne verdient. So gesehen ist die Bewertung des Standby-Verbrauchs eigentlich kontraproduktiv, weil Netzteile mit einer guten Wertung sogar bewusst und mit gutem Gewissen ungenutzt in der Steckdose gelassen werden dürften.

Der schwarze Peter geht in diesem Fall allerdings nicht nur an die Industrie, sondern zum größten Teil an die Verbraucher.

Das Sterne-System ist demnach nur ein pragmatischer Kompromiss, der den Verbrauch senken soll, bis eine wirklich saubere Lösung der Standby-Verschwendung zur Verfügung steht. Die ideale Kombination aus Bequemlichkeit und Energieeffizienz wäre wohl ein Netzteil mit Nullverbrauch im Standby. In den Labors der Handy-Hersteller wird auch genau daran gearbeitet. Ein Prototyp eines solchen "Zero-Waste-Chargers" aus der Nokia-Forschung bringt die Absurdität des Themas schön auf den Punkt: Das Gerät hat einen Ein- und Ausschalter, natürlich in Grün.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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