Handy-Akkus: Sind Lithium-Ionen-Akkus gefährlich?

Von Dominik Sollmann

Können explodierende Handys wirklich Menschen töten? Ein Fall aus Südkorea entpuppte sich als Arbeitsunglück. Trotzdem raten Experten zu Vorsicht: Billigakkus und unachtsamer Umgang mit den Stromspeichern können gefährliche Folgen haben.

Die Wahrheit kam erst raus, nachdem die Nachricht längst um die Welt war: Nicht ein explodierendes Mobiltelefon hatte zum Tod eines 33-jährigen Südkoreaners geführt, sondern ein tragischer Arbeitsunfall. Ein 58-jähriger Kollege des Getöteten gestand der Polizei in der Nacht zum Freitag, dass er seinen Kollegen überfahren hatte. "Ich habe das Fahrzeug zurückgesetzt und plötzlich konnte ich Seo nicht mehr sehen. Ich bin ausgestiegen und zu ihm gerannt. Er lag auf dem Boden, blutete und seine Kleidung brannte."

Teilweise geschmolzenes Handy: Es war keine Selbstentzündung
REUTERS

Teilweise geschmolzenes Handy: Es war keine Selbstentzündung

Ursprünglich hatte der Mann eine ganz andere Aussage zu Protokoll gegeben: "Ich hatte Angst, also erzählte ich, dass der Akku explodiert ist und Seo getötet hat." Tatsächlich erlitt das Opfer Verbrennungen auf der Brust und Blutungen in der Lunge. Einige Rippen und die Wirbelsäule waren gebrochen. Polizei und Ärzte glaubten zunächst an die Geschichte vom explodierten Handy-Akku. Handy-Hersteller LG Electronics hingegen versicherte, ein solcher Vorfall sei nahezu unmöglich, die Akkus würden gründlich getestet, seien sicher. Offenkundig hatte das Unternehmen damit Recht.

Was ist nun also wirklich passiert? Wahrscheinlich ist folgendes Szenario: Als das Baufahrzeug das Opfer zerquetschte, brachen durch den hohen Druck nicht nur dessen Knochen, sondern auch der sogenannte Separator im Handy-Akku. Diese Sicherheitsbarriere soll eigentlich die beiden unterschiedlich geladenen Elektroden im Akku voneinander trennen.

Nicht der Akku war schuld

Durch den Bruch wurde ein Kurzschluss ausgelöst, der eine stark exotherme, also Hitze erzeugende, Kettenreaktion in Gang setzte. Der Akku fing daraufhin Feuer und verursachte die Brandwunden des Opfers. Das Feuer war also nicht die Ursache, sondern eine Folge des Unfalls. Die inneren Verletzungen hatten nichts mit dem Stromspeicher zu tun. Eine Explosion, wie ursprünglich gemeldet, hat nie stattgefunden. Stattdessen ist der Akku durch die große Hitze schlicht geschmolzen.

Doch als dieser Sachverhalt klar wurde, hatte die Meldung von einer vermeintlich tödlichen Akku-Explosion bereits weltweit für Verunsicherung gesorgt. Erneut wurde die Frage nach der Sicherheit von Lithium-Ionen-Akkus aufgeworfen. Daran ist die Industrie zu einem guten Teil selbst Schuld. Das vergangene Jahr war gespickt mit Meldungen über Akku-Unfälle und Rückrufaktionen brandgefährlicher Stromspeicher.

Allerdings ist bisher nur ein Todesfall bekannt, der auf die Explosion eines Akkus zurückzuführen zu sein scheint: Als einem chinesischen Elektroschweißer in seiner Jackentasche der Akku seines Mobiltelefons explodierte, soll durch die Druckwelle eine seiner Rippen gebrochen sein, sich ins Herz gebohrt und so zum Tod geführt haben.

Die Wucht eines Silvesterknallers

Sind Lithium-Ionen-Akkus also eine Gefahr? Harry Döring, der im Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg Akkus unter Extrembedingungen testet, gibt Entwarnung: "Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Handy-Akku Feuer fängt, ist sehr gering. Und wenn er es doch einmal tun sollte, entspricht die Wucht nicht viel mehr als einem kleinen Silvesterknaller."

Dass Handy-Akkus relativ sicher sind, liegt daran, dass sie mit einer Sollbruchstelle versehen sind. Sollte die Temperatur und damit der Druck im Inneren zu hoch werden, reißt der Akku auf, bevor er explodiert. Im ungünstigsten Fall treten Gas oder Flüssigkeiten aus und fangen Feuer. Eine Explosion ist bei derart konstruierten Batterien praktisch unmöglich - nur bei extrem hohen Außentemperaturen können die Reaktionen im Akku derart schnell ablaufen, dass sie zu einer Explosion führen.

Die nötige Hitze liegt allerdings bei rund 1000 Grad Celsius, einer Temperatur, die mit einem Schweißgerät durchaus erreichbar ist. So ließe sich möglicherweise jener kaum dokumentierte Todesfall des chinesischen Schweißers erklären. Allerdings bleibt unklar, wie die enorme Hitze des Schweißbrenners auf das Handy einwirken konnte.

Vorsichtsmaßregeln beachten

Gänzlich sorglos sollte man mit Lithium-Ionen-Akkus dennoch nicht umgehen. Das liegt darin begründet, dass die Hersteller versuchen, immer mehr Energie auf immer kleinerem Raum zu speichern. Um zu verhindern, dass diese Energie unter Extrembedingungen zu katastrophalen Kettenreaktionen führt, werden von Markenherstellern verschiedene Schutzmechanismen eingebaut. Damit diese Mechanismen tatsächlich funktionieren können, sind allerdings ein paar einfache Regeln zu beachten:

  • Finger weg von Billig-Akkus und -Ladegeräten. Beide Komponenten müssen fein aufeinander abgestimmt und mit verschiedenen Schutzmechanismen versehen sein.
  • Setzen Sie Lithium-Ionen-Akkus niemals hohen Temperaturen aus, wie sie etwa in der Nähe von Herdplatten oder Bügeleisen auftreten können. Hitze kann unkontrollierbare Kettenreaktionen im Akku auslösen und letztlich sogar zu einem Brand führen.
  • Lassen Sie Ihr Handy bzw. Ihre Akkus niemals nass werden. Obwohl sie trocknen und es scheint, als würden sie normal funktionieren, können Bauteile korrodieren und zum Sicherheitsrisiko werden.
  • Lassen Sie den Akku (außerhalb des Telefons) nicht in Berührung mit metallischen Gegenständen, etwa Münzen oder Schlüsseln, kommen.
  • Setzen Sie Akku und Handy keinem Druck aus und lassen Sie sie nicht fallen. Akkus mit sichtbaren Beschädigungen (Dellen, Kratzer, Korrosionsspuren) sollte man nicht mehr verwenden! Vermuten Sie Schäden, kontaktieren Sie vorsichtshalber den Hersteller.

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