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Handy-Fernsehen: Telefon-TV ist eine Totgeburt

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Und wieder hat es nicht geklappt. Schon zur Fußball-WM 2006 sollte in Deutschland per Handy ferngesehen werden - das wurde nichts. Zur EM sollte es dann diesmal wirklich klappen - wieder nichts: Handy-TV gibt es nur in vier Städten. Entsprechende Empfangsgeräte hat ohnehin kaum jemand.

Das Handy-TV-Konsortium Mobile 3.0 stellt einen Erfolg fest. Man habe es "allen Unkenrufen zum Trotz" geschafft, den DVB-H-Sendebetrieb zu starten. "Allerdings", so die Pressemitteilung weiter, "handelt es sich noch um einen Probelauf". Angesichts der Tatsache, dass schon zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 flächendeckendes Handy-Fernsehen für Deutschland anvisiert war, ist das ein ziemlich erbärmliches Ergebnis. Und die Zukunft sieht auch nicht rosiger aus.

Immerhin: In Hamburg, München, Frankfurt und Hannover soll man seit gestern Handy-Fernsehen empfangen können, über den Sendestandard DVB-H (Digital Video Broadcast - Handheld, siehe Kasten unten). Dass es nicht mehr Orte sind, ist nicht die Schuld des Konsortiums. Nach dem Hickhack um den richtigen Mobil-TV-Standard (siehe Kasten), gab es noch mal einen um die Sendelizenzen - das hat mit dem komplizierten föderalen Rundfunksystem in Deutschland zu tun.

Zu empfangen wären in den genannten vier Städten - der Konjunktiv ist hier entscheidend - ARD, ZDF, das Regionalprogramm Deutschland 24 und die Radiostationen bigMusic, MyFun Radio und 90elf - unverschlüsselt.

Zusätzlich, und da geht einem als Konsumenten schon der Hut hoch, gibt es verschlüsselte Programme: von RTL, Vox, Sat.1, ProSieben, n-tv und N24. Um die zu sehen, müsste man bezahlen. Warum aber jemand bezahlen sollte, um sich "Wer wird Millionär" oder die Vox-Nachrichten auf einem streichholzschachtelgroßen Handy-Bildschirm anzusehen, wissen vermutlich nur die Mitglieder des Konsortiums.

Aber diese Erwägungen sind ohnehin rein theoretisch. Praktisch ist es nämlich so: Es gibt in Deutschland nahezu niemanden, der ein Handy hätte, mit dem man die neuen Programme überhaupt sehen könnte. Mobile 3.0 spricht von "zwei unterschiedlichen Endgeräten von Nokia und Samsung", die nun ausprobiert würden. Warum sich irgendjemand ein solches zulegen sollte, um dann kostenpflichtig normale Fernsehprogramme sehen zu können, ist unklar. DVB-H empfangen könnte etwa Nokias N 96 und das Samsung SGH-P960.

Die Firma LG hat eines im Angebot, das etwas Anderes draufhat: Das LG HB620-T kann Fernsehen empfangen - im normalen terrestrischen Sendestandard DVB-T (siehe Kasten am Textende). Den zu empfangen, kostet nichts.

Handys werden hierzulande in erster Linie über die Netzbetreiber in Verbindung mit Verträgen an den Kunden gebracht - und die geben DVB-H-Handyfernsehen schon jetzt kaum noch eine Chance. Friedrich Joussen, Chef von Vodafone Deutschland, sagte der "Financial Times" schon vor einiger Zeit in einem Interview, er halte das mobile Bezahlfernsehen nicht für einen zukunftsfähigen Ansatz: "Ich werde auch kein Bezahl-TV auf dem Handy unterstützen, solange die Gefahr besteht, dass Kunden dann weniger Geld für andere Dienste ausgeben", erklärte Joussen.

Da wird es für die Konsortiumsmitglieder - zu Mobile 3.0 gehören außer dem Unternehmen MFD (Mobiles Fernsehen Deutschland) die Verlage Burda und Holtzbrinck - wohl schwierig werden, die Netzbetreiber dazu zu überreden, DVB-H-Handys unters Volk zu bringen. Aber vielleicht wollen die Deutschen Fußballspiele sowieso viel lieber in einem Format sehen, in dem man den Ball auch tatsächlich erkennen kann.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
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1. Lupe gesucht
don_tango 02.06.2008
Mich schrecken zwei Dinge ab: Erstens die Kosten und zweitens das ich eine Lupe brauche um die Fußballspieler zu erkennen ;-)
2. falsche überschrift
relaxo_ 02.06.2008
telefon-tv ist keine totgeburt, dvb-h ist es. mit dvb-t, wie im artikel erwähnt, ist ja kostenlos zu realisieren. ist aber doch trotzdem "telefon-tv"!
3. Warum zahlen?
HPausG 02.06.2008
Genau so schwierig ist es ja jetzt schon IP-TV Angebot ans Laufen zu bringen. Aber wofür auch? Warum sollte ich für TV überhaupt etwas bezahlen müssen? Ich bezahle bereits mehr als genug in Form von Zeit die mir durch Werbung gestohlen wird.
4. Handy-TV und Elektrosmog
fucus-wakame 02.06.2008
Hallo, Handy-TV stellt eine zusätzliche Strahlenbelastung dar. Desweiteren benötigen wir keine mediale Dauerberieselung.
5. Hauptsache GEZ ist fällig
carranza 02.06.2008
Zitat von sysopUnd wieder hat es nicht geklappt. Schon zur Fußball-WM 2006 sollte in Deuschland per Handy ferngesehen werden - das wurde nichts. Zur EM sollte es dann diesmal wirklich klappen - wieder nichts: Handy-TV gibt es nur in vier Städten. Entsprechende Empfangsgeräte hat ohnehin kaum jemand. http://www.spiegel.de/netzwelt/mobil/0,1518,557258,00.html
Ist schon urig zu sehen, wie sich 5 Leute um einen 15" Laptop Bildschirm zum Fußball gucken schaaren. Handy-TV kann man mir höchstens dann verkaufen, sollte es keine Handys ohne diesen Schnickschnack mehr geben. Ohne Lupenbrille sicher völlig unbrauchbar.
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