Handy-Ladegeräte Hersteller einigen sich auf Stecker-Standard

Schluss mit dem Kabel-Chaos: Ab 2010 wollen die großen Handy-Hersteller ihre Geräte mit einheitlichen Ladekabeln ausstatten - nicht ganz freiwillig. Mit der Selbstverpflichtung kommen die Unternehmen einer denkbaren Richtlinie der EU-Kommission zuvor.


Brüssel - Wer kennt nicht die verzweifelten Bittgänge von Kollegen auf der Suche nach etwas frischem Strom für ihr Handy? "Nokia-Netzteil gesucht" oder "Hat vielleicht jemand ein Sony-Ericsson-Ladekabel dabei?", lauten typische Titelzeilen von Rundmails, die verzweifelte Handynutzer mit entladenem Akku an Mitarbeiter schicken. Solche Verzweiflungstaten könnten bald ein Ende haben, denn einige der großen Handy-Hersteller haben sich auf einen einheitlichen Standard für Ladegeräte geeinigt.

Die erste Generation der neuen Mobiltelefone, die nicht mehr nur mit einem bestimmten Netzteil aufgeladen werden können, solle von 2010 an erhältlich sein, teilte die EU-Kommission am Montag in Brüssel mit.

Damit brauchen Handy-Nutzer nicht jedes Mal ein neues Ladekabel, wenn sie von einem Handy-Hersteller zu einem anderen wechseln. Die Ladegeräte sollen auf der Grundlage eines sogenannten Micro-USB-Steckers vereinheitlicht werden. Die Vereinbarung wurde unter anderem von den Unternehmen Apple, LG, Motorola, Nokia, Samsung, Sony Ericsson und Texas Instruments unterzeichnet. Die Einführung eines internationalen Standards auf derselben Basis ist erst für 2012 geplant.

Dass die meisten Ladegeräte und Mobiltelefone nicht zusammen funktionieren, sei ein großer Nachteil für die Benutzer und führe zu überflüssigem Müll, sagte EU-Industriekommissar Günter Verheugen. "Ich freue mich sehr, dass die Industrie eine Einigung erzielt hat, die den Verbrauchern das Leben sehr viel leichter machen wird", so Verheugen weiter. Er sei sehr froh, dass die Industrie eine eigene Lösung gefunden habe und keine gesetzliche Regelung der EU mehr nötig sei. Die EU-Kommission hatte den Handy-Herstellern mit einer Regulierung gedroht, sollte kein einheitlicher Netzteil-Standard geschaffen werden.

Durch alte Netzteile entstünden derzeit mehrere Tausend Tonnen Abfall pro Jahr. Die Branche schätzt, dass nun die Zahl der produzierten Ladegeräte halbiert werden könnte. Außerdem sollen die neuen Netzteile weniger Strom verbrauchen.

mak/dpa



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