Handy-Nutzer: Kennst du eins, kennst du alle

Eine feine Sache, wenn sich Wirtschaftsführer gerührt in den Armen liegen und gegenseitig hochleben lassen - aber muss das den Kunden interessieren? Im Falle von Googles Android durchaus, denn auch Handy-Nutzer dürften von dem System profitieren.

Es gibt Bestseller unter den Büchern, die Millionen Male über die Theke gehen und die trotzdem kaum jemand wirklich liest. Man quält sich hindurch, leidet unter jeder mies geschriebenen Seite. Schlimm wird es, wenn man keine andere Wahl hat, als sich mit 150 Seiten wirrem Schund zu befassen - weil man sonst nicht weiß, wie das Handy funktioniert.

Ganz Ohr: Android könnte uns zu noch fleißigeren Telefon-Nutzern machen - ohne dass die Sache unbedingt teurer wird
AP

Ganz Ohr: Android könnte uns zu noch fleißigeren Telefon-Nutzern machen - ohne dass die Sache unbedingt teurer wird

Denn viel zu viele Geräte werden mit Handbüchern ausgeliefert, die schwerer wiegen als das eigentliche Produkt, was definitiv eine Frechheit ist. Was wäre das für eine schöne Warenwelt, in der man die Bedienung eines komplexen Gerätes genau einmal lernt - und diese Erfahrung auch auf allen möglichen anderen Handys anwenden könnte.

1. Benutzerführung

Denn das ist die erste Verheißung des Androiden: Browser-basiert verspricht Googles Betriebssystem, das Handy-Display zu einer Art Web-Schnittstelle zu machen - wie wir damit umzugehen haben, wissen wir vom PC. Im Klartext: Handy-Hersteller und Netzbetreiber bieten ihre ganz individuell zugeschnittenen Dienste und Features an, die aber unabhängig vom Gerät stets über eine zumindest gleich geartete Schnittstelle aufgerufen werden. So, wie auch PC-Programme unterschiedliche Anmutungen haben, aber eine ihnen gemeinsame Logik und Struktur. Motto: Kennst du eins, kennst du alle.

2. Konvergenz

...ist ein Wortungetüm, das immer dann bemüht wird, wenn zwei bis dahin getrennte Dinge funktionell verschmelzen. In diesem Falle, versprechen die Macher des Androiden, seien das die Welten von Internet und Handy. Dazwischen, behauptet Google-Chef Eric Schmidt, gebe es bald "keinen Unterschied" mehr. Sprich: Im Extremfall nimmt man seinen Desktop mit aufs Handy. Und alle Funktionalitäten, die man im Web nutzt, stünden auch mobil zur Verfügung.

Schmidt ging bei der Android-Ankündigung nicht ins Detail, beschrieb den Funktionsumfang aber mit einem knappen Wörtchen: "alles". Ausdrücklich genannt wurden in der internationalen Schaltkonferenz Web-Anwendungen, Fernsehen, E-Mail, Social Networks, lokalisierte Dienste, Geo-Anwendungen und "Wi-fi".

3. Preise

Tendenziell dürften Verbindungs- und Anschaffungskosten von Geräten sinken. Android zielt auf die Integration von Web und Handy, Wi-fi-Anwendungen inklusive. Für uns Handy-Kunden ist die Möglichkeit von IP-Telefonie interessant, aber auch die Eröffnung neuer Entertainment-Möglichkeiten.

Nicht nur beim Telefonieren könnten wir so sparen. Die gemeinsame technische Plattform verspricht günstigere Produktionsmöglichkeiten für die Entwickler. Das reicht von der Konstruktion von Handys bis zur Programmierung von Anwendungen. Die Konstrukteure kämen darüber hinaus in den Genuss von Preisvorteilen gegenüber kostenpflichtigen Betriebssystemen - und wenn nicht zumindest ein Teil dieser Kostenvorteile auch an den Kunden weitergegeben würden, wäre das eine Enttäuschung.

Gleich mehrere der Firmenlenker in der Schaltkonferenz zum Start von Android verwiesen aber von sich aus auf diesen Punkt, was hoffen lässt.

4. Nebenwirkungen

Als einzige in der langen Android-Wetschöpfungskette vom Gerätehersteller über die Software-Entwickler, die Telefonfirmen bis hin zu den Inhalte-Produzenten und Händlern sind es aber die Kunden, für die Android nicht nur Chance, sondern auch Risiko bedeutet.

Denn das System zielt darauf, uns alle zu fleißigen mobilen Internetnutzern zu erziehen, uns zum "always on" zu verführen. Spätestens in dem Augenblick, in dem sich die Initiative für die Telekoms dieser Welt auszuzahlen beginnt, sind wir es, die die Rechnung dafür bezahlen.

Branchenbeobachter rechnen allerdings nicht mit einer Verteuerung: Denn Android hat das Potential, auch die Refinanzierungswege in der Mobilbranche zu verändern. Im besten aller Fälle bezahlt die Werbeindustrie unsere Mehrnutzung des Handys - und alle haben etwas davon.

pat

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Forum - Google - der neue Handy-Gigant?
insgesamt 62 Beiträge
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1.
T. Wagner 05.11.2007
Naja, versuchen kann man's ja. Aber wie erfolgreich kann Google sein, wenn es die Energieversorger dieser Welt es auch nach - wievielen Jahrzehnten eigentlich? - nicht geschafft haben, sich auf eine Form von Steckdose zu einigen. Oder auf genormte Telefonstecker weltweit. Oder, oder, oder... Ich begrüße JEDEN Versuch, inkompatiblen Blödsinn zu normen, in eine Form zu pressen und dies weltweit verfügbar zu machen. Ich wünsche Google viel Glück und Erfolg. Der gemeine Netzwerkstecker und das MP3-Format haben es schon geschafft! Ich drücke die Daumen!
2. Werden sie wohl leider schaffen
Robert Hut 05.11.2007
Das wird noch schrecklicher als WindowsMobile sein, ein mit Google-Werbung verseuchtes Handy. Hoffentlich bleiben noch ein paar seriöse Anbieter übrig..bin auch gerne bereit, ein paar Euro mehr dafür zu bezahlen, damit meine Privatsphäre da anfängt, wo ich es will. Für mich ist Werbung die schlimmste Geissel der Menschheit. Schlimmer als Krieg, denn den kann man beenden...oder besser, erst gar nicht anfangen. Es wird ein Kommunikationsalptraum. Mist.
3. WerbeTelefon
Magggus 05.11.2007
Naja, also gPhone klingt ganz gut, aber wollen wir wirklich Werbung auf dem Handy? Ich bitte das zu bedenken wenn man sagt:"Ja Google ist der Heilsbringer im iPhone verseuchten (smart)Phone-Markt.
4.
drq 05.11.2007
naja was heißt werbung auf dem Handy. Die bauen ein OpenSource! Betriebssystem. Die Werbung wird ja nicht ins Handy gepflanzt, sondern sie wollen erreichen, dass Surfen auf dem handy sich genauso anfühlt wie am Rechner. Also wird man natürlich dort Werbung sehen, wo man sie kennt. Eben halt im Browser Aber es ist ja nicht so, als dass man das Handy startet und dann Werbung kommt, bevor man es benutzen könnte. Also erstmal abwarten.
5.
weiser Mönch 05.11.2007
Also von zupflaster kann man glaube ich nicht sprechen. Google Werbung ist schon sehr dezent! Und mal im ernst was wünscht man sich mehr als eine Open-Source Plattform fürs Handy? Gerade unter dem Standpunkt das Handys immer mehr zum Computer werden und ich von Microsofts Monopolstellung nicht gerade angetan bin, bin ich froh das sich das auf dem Handy hoffentlich nicht wiederholen wird.
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