Handymast funkt grün: Mit Biodiesel telefonieren

Handy-Netze breiten sich auch in Gegenden ohne Anschluss ans Stromnetz immer weiter aus. Pflanzenkraftstoffe aus lokalem Anbau könnten dabei Diesel zur Energieversorgung der Basisstationen ablösen, aber auch neue Verteilungskonflikte provozieren.

Der Mobilfunkboom hält in den Entwicklungs- und Schwellenländern ungebrochen an. Hier erzielt die Branche immer noch zweistellige Wachstumsraten, die in den gesättigten Märkten der Industrieländer gar nicht mehr möglich sind. Der weitere Ausbau der Netze hängt allerdings stark davon ab, wie die Energieversorgung der Mobilfunkbasisstationen gestaltet wird.

Bauern bei der Ernte von Palmöl-Früchten inKuala Lumpur: Selbstversorgung abgelegener Mobilfunkstationen mit Bio-Treibstoffen.
REUTERS

Bauern bei der Ernte von Palmöl-Früchten inKuala Lumpur: Selbstversorgung abgelegener Mobilfunkstationen mit Bio-Treibstoffen.

In wenig erschlossenen Gebieten werden Sendemasten derzeit in der Regel mit Dieselgeneratoren betrieben. Aber deren Versorgung mit Treibstoff wird immer aufwendiger und kostspieliger: Die 20 Prozent der Weltbevölkerung, die noch nicht im Einzugsgebiet von Handy-Netzen wohnen, repräsentieren naturgemäß die wirklich entlegenen und unzugänglichen Gebiete.

Alternativen sind also dringend gefragt. So baut Motorola gerade eine Pilotanlage in Namibia, die mit einem Mix aus Wind- und Sonnenenergie den Anschluss ans Stromnetz ersetzen soll. Ericsson ist unterdessen an einem Projekt beteiligt, bei dem aus Energiepflanzen vor Ort Kraftstoff gewonnen werden soll.

Technik wartet auf Implementierung

Neben Ericssons Netzwerksparte sind der indische Netzbetreiber Idea und der Entwicklungsfonds der Industrielobby GSM Association (GSMA) am Konzept für die Biosprit-Sendeanlage beteiligt. Zusammen will man noch in diesem Jahr zehn Pilotprojekte starten.

Laut der GSMA hat sich die Technik zur Biodiesel-Gewinnung in den letzten Jahren als zuverlässig erwiesen. Zudem seien die Kosten deutlich gesunken. Jetzt geht es darum, die Technik im Betrieb zu testen. Außerdem muss die Kooperation mit den Rohstofflieferanten von beiden Seiten eingeübt werden: Bauern muss der Anbau von Energiepflanzen erst einmal schmackhaft gemacht werden. Anschließend muss die Versorgung auf konstantem Niveau klappen, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten.

Neue Lösung, neue Konflikte

Angesichts der Diskussion, die hierzulande um Sinn oder Unsinn von Biokraftstoffen heftig tobt, müssen die Mobilfunk-Unternehmen die lokale Bevölkerung für ihr Projekt gewinnen. Die soll ja einerseits die Rohstoffe liefern, andererseits eifrig die Mobilfunknetze nutzen - hier muss die Handy-Branche richtiggehend Entwicklungsarbeit leisten.

Einige, besonders absurde Phänomene des europäischen Energiemarktes dürften aber beispielsweise in Indien zum Glück gar nicht erst auftreten: Hier steht weder zu befürchten, dass Biomasse aus dem globalen Märkten zum Einsatz kommt, noch dass die Energiebilanz des Biodiesels durch intensive Düngung oder einen aufwendigen Maschinenpark in einen lächerlichen Bereich fällt.

Ein anderer Punkt ist dafür besonders heikel, nämlich die potentielle Konkurrenz der Energiepflanzen zum Nahrungsmittelanbau. Hier müssen die Mobilfunk-Unternehmen vor allem die Preise für den angelieferten Rohstoff sensibel festlegen. Mittelfristig dürfte sich das Problem aber von selbst lösen. Denn Bauern, die per Handy erstmals zu echten Marktteilnehmern werden, können ihre Einkommen erfahrungsgemäß schnell verdoppeln oder verdreifachen.

Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler

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