Soeben ist eine Studie von TNS-Infratest über das Nutzungsverhalten von MP3-Hörern erschienen, die ein vernichtendes Urteil über die tatsächliche Nutzung der Player in Handys enthält: Anscheinend benutzen nur 56 Prozent der Besitzer von MP3-Player-Handys diese auch wirklich.
An den Speicherkapazitäten der neuen Handys wird dies nicht liegen, dort ist man mittlerweile bei bis zu 8 GB angekommen, in MP3-Player-Marketingsprache hieße das: bis zu 2.000 Songs! Selbst die durchschnittliche Kapazität von einem Gigabyte dürfte den MP3-Anfänger nicht verschrecken, da sie durchaus mit dem üblichen USB-Stick-Player konkurrieren kann. Auch explizit ausgewiesene Play-, Vorwärts- und Zurücktasten finden sich mittlerweile auf den meisten Handys.
Dazu versucht das Marketing der einschlägigen Firmen, die Käufer neuer Telefone unablässig davon zu überzeugen, dass Musikhören eigentlich ihre Lieblingsbeschäftigung ist. Kaum noch ein Werbeplakat, dass nicht vor Kopfhörertragenden Jugendlichen strotzt, und klar machen soll: Der Nur-MP3-Player war gestern. Dennoch scheint irgendetwas die MP3-affine Masse - mittlerweile ist jeder vierte Deutsche Besitzer eines wie auch immer gearteten Players - immer noch davon abzuhalten, ihr Telefon als Walkman zu benutzen.
Vorinstallierte Inhalte
Nokia prescht dieser Tage sogar vor und füttert sein neues Flaggschiff, das Camcorder-Videoplayer-MP3-Player-Multimedia-Computer-Handy N93 (bevorzugtes Spielzeug von ambitionierten Regisseuren auf der Suche nach einem neuen Tool) ab Werk mit einem kompletten Spielfilm. Dass es ausgerechnet "Mission Impossible III" ist, dürfte den Multifunktions-Ludditen ein gewisses Schmunzeln abringen. Dennoch: Die nächste Phase der Hardware-Herrschaft über den Inhalt hat soeben erst begonnen.
Würde man eine Vorausschau wagen, dann dürfte eins klar sein. Mobiltelefone mit vorgeladenem Inhalt dürften in den nächsten Jahren nicht nur häufiger, sondern vielleicht sogar ein ganz eigener Trend sein. Bislang werden die MP3-Player in Telefonen ja eher schüchtern mit einer handvoll Songs angefüttert, die meist keinen Geschmack richtig treffen. Aber die Marketingabteilung der großen Handyhersteller dürften um das gelegentlich irrationale Fanverhalten ihre markentreuen Kunden wissen.
Handys als Medium
Da das Gros der User bekanntlich die Veränderung jeglicher Voreinstellung erst mal als Schicksal hinnimmt - eine Tatsache, die jedem sofort klar wird, der ein Ohr für die Häufigkeit der unveränderten Klingeltöne auf Handys hat - dürften eben diese Voreinstellungen zum neuen Verkaufsargument werden.
Und da die Herstellungs-Kosten von Handys sich obendrein im technologieüblichen freien Fall befinden, könnten sich beispielsweise Prepaid-Handys bald zu einer Distributionsplattform von Pop-Megaseller-Alben entwickeln. Dann heißt es nicht mehr: "Ich kaufe mir das neue Nokia", sondern: "Ich hole mir das neue Tokio-Hotel-Telefon".
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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