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Hightech-Erfindung: Handy mit Aufroll-Bildschirm

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Ein Display, das aussieht wie Papier - und unterwegs einfach im Gehäuse verschwindet. Was wie Science Fiction anmutet, wird in diesem Jahr Realität. Das Readius eBook-Handy wird zum Pionier der erwarteten E-Paper-Gadgets.

Geschafft: Das erste Mobiltelefon mit einem flexiblen Bildschirm, fast so dünn wie Papier, soll noch in diesem Sommer auf den Markt kommen. Unterwegs verschwindet das Display im Inneren des Geräts, indem es sich einfach aufrollt. Vollständig entfaltet verfügt der Bildschirm über eine Diagonale von 12,7 Zentimetern, viel größer als bei herkömmlichen Handys. Trotzdem soll das futuristische Gerät nicht größer oder schwerer als andere Mobiltelefone sein. Herstellerangaben zufolge wiegt es nur 115 Gramm und passt mit Abmessungen von 115 x 57 x 21 Millimetern zumindest in Jackentaschen, ohne dabei zu dick aufzutragen.

Die dem Hightech-Display zugrunde liegende Technologie wurde bereits 2002 in einem Philips-Forschungslabor entwickelt. Unter dem Titel Polymer Vision wurde eigens eine Forschergruppe mit der Weiterentwicklung der vielversprechenden Technik betreut. 2006 stieg eine Investmentfirma in die Entwicklung ein, machte Polymer Vision zu einer eigenständigen Firma mit Sitz in den Niederlanden.

Der Trick hinter der Technologie: Statt auf Glassubstrate wie bei TFT-Bildschirmen, werden organische Partikel auf eine Kunststofffolie aufgebracht. Derart hergestellt sind die Bildschirme viel dünner als andere Flachbildschirme und können sogar aufgerollt werden, ohne Schaden zu nehmen.

Als erstes Endgerät, das sich diese Technologie tatsächlich zunutze macht, stellt Polymer Vision das Readius vor, eine Kreuzung aus Mobiltelefon und eBook-Lesegerät. Auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress, die vom 11. bis zum 14. Februar in Barcelona stattfindet, werden erste Serienmodelle gezeigt.

Sensationelle Akku-Laufzeit

Als große Vorteile der neuen Technologie hebt Polymer Vision hervor, dass die dünnen Displays einen extrem niedrigen Stromverbrauch aufweisen. Der soll 10 bis 30-Mal niedriger sein als bei TFT-Displays und dürfte ausschlaggebend für die laut Polymer Vision hervorragende Akku-Laufzeit sein. Eine Akkuladung soll bis zu 30 Stunden durchgehendes Lesevergnügen ermöglichen - wenn es stimmt ein sensationeller Wert.

Eine Eigenschaft, die bei TFT-Bildschirmen nur mit starker und Strom fressender Hintergrundbeleuchtung erzwungen werden kann, bekommt das aufrollbare Display konstruktionsbedingt und ohne jeglichen Energieaufwand mitgegeben: Es ist auch bei prallem Sonnenlicht bestens lesbar. Anders als Laptops kann das Polymer-Bildschirmchen allerdings keine Farben darstellen.

Stattdessen ist es auf 16 Graustufen beschränkt. Fotos lassen sich damit nur unbefriedigend darstellen, Texte dafür umso besser. Wer so ein Display schon einmal gesehen hat, weiß, dass es fast wirkt wie Papier. Die Buchstaben stehen gestochen scharf und ohne jegliches Flimmern auf der Anzeigefolie - ideal für eBooks. Der Grund für die ungewohnte Schärfe: Während herkömmliche Displays ihre Bilder in einer vorgegebenen Frequenz immer wieder neu aufbauen, stehen sie bei den E-Paper-Lösungen als "Zustand" auf dem Display, bis sie durch neue elektrische Impulse geändert werden.

Auflösung unbekannt

Darüber, wie hoch die Auflösung des dünnen Bildschirms sein wird, schweigt sich das Unternehmen derzeit allerdings noch aus. Frühe Prototypen des Geräts, die das Unternehmen seit 2005 auf verschiedenen Messen vorgeführt hat, konnten lediglich magere 320 x 240 Bildpunkte darstellen.

Auch als Handy macht das Readius eine gute Figur. Als Tri-Band-GSM-Mobiltelefon kann man es fast überall auf der Welt einsetzen. Damit nicht genug, verfügt es über eine fette Datenpumpe, die Internetseiten, E-Mails und Downloads per HSDPA in den Speicher des Geräts überträgt. Als Datenspeicher dienen Micro-SDHC-Karten, die derzeit in Kapazitäten bis acht Gigabyte verfügbar sind. Zur Verarbeitung der Daten ist ein 400-Megahertz-Mobilprozessor eingebaut.

Und wo kommen die Inhalte her?

Musik, elektronische Bücher und andere Daten werden per USB oder Bluetooth-Kurzstreckenfunk vom Computer auf das Readius übertragen. Denn neben den Fähigkeiten als eBook-Lesegerät sind auch multimediale Funktionen eingebaut. So etwa ein MP3-Player, der natürlich auch Podcasts und Hörbücher wiedergeben kann.

Via Internet kann das Gerät über den vorinstallierten RSS-Reader mit Nachrichten versorgt werden, das E-Mail-Programm kann mehrere Mail-Konten per POP3 oder IMAP abfragen. Um alle Funktionen zu steuern sollen acht Knöpfe genügen. Wohl auch, um die Bindung der Kunden an die Marke zu erhöhen, soll ein Readius-Internet-Portal eingerichtet werden. Dort soll man das Gerät nicht nur online, sondern auch verschiedene Push-Dienste konfigurieren können.

Zu welchem Preis man das zukunftsweisende Mobiltelefon für Leseratten im Sommer in den Läden wird kaufen können, darüber macht der Hersteller bislang keine Angaben. Eine spannende Konkurrenz für die bisherigen, meist recht klobigen eBook-Lesegeräte ist es aber allemal.

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Forum - Ist die Zukunft faltbar?
insgesamt 13 Beiträge
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1.
Dunedin, 23.01.2008
Zitat von sysopIm Sommer kommt das erste Handy mit einem faltbaren Display. Ist das bloß eine technische Spielerei, oder sehen so die Gadgets der Zukunft aus?
Es ist wird zumindestens im Stromverbrauch künftig Richtungsweisend sein. Der Haken: es kann noch keine Farbe darstellen. Ansonsten wird der Trend wohl ein Multifikationsgerät bleiben und ein faltbares Display trägt schonmal für eine mobile Größe ausgiebig Rechnung.
2.
fakesteve 23.01.2008
na absolut, meinen spiegel lese ich bestimmt in zwei, drei jahren auf digipapier!
3.
the_flying_horse, 23.01.2008
Da warte ich schon seit Jahren drauf. Es wird definitiv DIE Zukunft bei Handies sein - vielleicht auch bei kleinen Mobilrechnern, aber die werden wahrscheinlich irgendwann mit den Handies verschmelzen. Und wenn die Technik dann noch in Farbe zur Verfügung steht, gibt es bald nur noch Geräte damit. Die Vorteile sind einfach nicht zu übersehen: mit einem sehr kleinen und tragbaren Gehäuse kann ich heute schon z.B. Notebooks bauen. Manko ist immer der Bildschirm und die Tastatur (Faltbare Tastaturen gibt es schon). Der Bildschimr sollte schon eine gewisse Größe haben, um damit gut arbeiten zu können. In Zukunft kann ein Notebook ein sehr kleines und leichtes Gerät sein, wo man bei Bedarf vorne eine Tastatur ausrollt und hinten den Bildschirm. Das hat doch was.
4.
gftu, 23.01.2008
Als Nutzer eines Sony Ebook Readers bin ich durchaus an schwarz/weiß Displays gewöhnt. Leider fehlt momentan entsprechender Inhalt (Zeitschriften, Bücher usw.) für diese Geräte. Was bringt einem für Geräte mit so kleinem Screen (DIN-A5 oder DIN-A6) ein auf ca. DIN-A4 Format digitalisierter Spiegel als E-Paper? Ohne Content machen solche Geräte absolut keinen Sinn. Kann man nur hoffen das zum Marktstart des doch sehr geilen Gagedts dann wenigstens entsprechend adaptierte Navi-Software vorliegt oder die ein oder andere kooperation mit Zeitungen oder Zeitschriften eingegangen wird.
5. Nicht das erste Gerät
ksinbln, 23.01.2008
Da ist der Spiegel einer Falschinformation aufgesessen: "Als erstes Endgerät, das sich diese Technologie tatsächlich zunutze macht, stellt Polymer Vision das Readius vor,.. " Das stimmt so nicht. Beispielsweise hat Motorola mit seinem schlichten F3-Handy schon seit mindestens 1 Jahr ein Gerät mit elektronischem Papier im Programm. Wobei diese Anzeige natürlich im Vergleich zu der des vorgestellten Gerätes nur als Spartanisch bezeichnet werden kann - die Technologie ist aber die selbe. was die Zukunft speziell des vorgestellten Gerätes angeht: Dies ist derart klotzig und der Flächenzuwachs des aufgeklappten (da wird wohl mehr geklappt als gerollt..) Gerätes im Vergleich zur Gerätefläche ist ja so viel größer auch nicht. Außerdem ist das Auseinanderklappen doch relativ umständlich, nur um mal schnell eine neue E-Mail zu sehen.. Mein Fazit: Speziell dieses Gerät wird wohl keine große Zukunft habe. Die Technik des elektronischen Papieres generell aber sicherlich - mit schlanken, leichten Geräten, die irgendwann nur aus dem Display und einem kleinen Chip untendrunter oder hintendrauf bestehen.
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