Infektionsherd Tastatur Handy mit Bakterien-Killerstrahl

In Tastaturen alltäglich genutzter Geräte sammelt sich bekanntlich unappetitlicher Schmutz. PC-Tastaturen gelten als unhygienischer als Toilettensitze, bei Handys sieht das wohl kaum anders aus. Für ängstliche Zeitgenossen kommt jetzt die Laser-Sterilisation in der Handy-Blackbox.


Menschen, die sich ausdauernd mit den bakteriellen Potentialen von Tastaturen beschäftigen, entwickeln wahrscheinlich zwangsläufig früher oder später auch einen Handy-Hygiene-Fimmel. Aktuell dürfte Südkorea in Sachen Bakterien-Paranoia weltweit führend sein, neben speziell beschichteten Telefonen gibt es hier sogar Handy-Reinigungsstationen, an denen man sein High-Tech-Gadget mit Druckluft, antibakterieller Bestrahlung und Handy-Parfum behandeln kann.

Salmonellen-Bakterium: Infektionsherd Handy?
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Salmonellen-Bakterium: Infektionsherd Handy?

Unlängst zeigte Nokia-Entwickler Jan Chipchase auf seinem Blog "Future Perfect" entsprechende Fotos, die hierzulande eher für Heiterkeit sorgen dürften. Sollte die Weltbevölkerung allerdings eines Tages von einem Virus dahingerafft werden, das sich ausschließlich über Mobiltelefone verbreitet, werden wohl die Südkoreaner zuletzt lachen.

Integrierte Killerfunktion

Sowohl Motorola als auch Samsung haben auf die südkoreanische Handy-Desinfektionskultur bereits mit antibakteriell beschichteten Modellen reagiert, aber die Angst vor dem ansteckenden Mobilfunkschmutz verlangt offensichtlich nach radikaleren Lösungen. Das legt jedenfalls ein Patent nahe, von dem der "New Scientist" berichtet: Motorola hat sich demnach ein Verfahren schützen lassen, mit dem Handys sich selbst sterilisieren können.

Dazu erzeugt eine Leuchtdiode ultraviolettes Licht mit einer Wellenlänge von 250 Nanometer, das Bakterien den Garaus machen soll. Das US-Patent für "Methode und System zur Reduktion von Mikroben in mobilen, elektronischen Geräten" beschreibt zudem ein optisches System, um die tödliche Strahlung in alle kritischen Ritzen zu leiten.

Neue Unsicherheit

Damit die ängstlichen Handy-Besitzer nicht vom eigenen Mobiltelefon mit UV-Strahlung angegriffen werden, funktioniert die Desinfektion nur, wenn das Gerät zugeklappt ist. Die Selbstreinigung soll etwa drei Minuten in Anspruch nehmen. Dass sich der Vorgang per Definition im Verborgenen abspielt, könnte sich allerdings noch als Manko erweisen, schließlich handelt es sich beim Handy-Schmutz eher um ein psychologisches als ein medizinisches Problem - jedenfalls aus europäischer Sicht.

Neben Südkorea ist das Phänomen der Bakterien-Paranoia auch in den USA anzutreffen. Der wohl einzige Bericht, der dezidiert Handys als Überträger tödlicher Mikroben benennt, kommt allerdings aus Trinidad und Tobago: Die Lokalzeitung "Express" berichtete im Sommer von drei Todesfällen in einem Krankenhaus der Antillen-Republik, die auf MRSA-Bakterien aus Telefonritzen zurückgeführt werden.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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