Internes Dokument T-Mobile hat nur 70.000 iPhones verkauft

T-Mobile-Chef Humm ist zufrieden: Pro iPhone-Anwender verdient sein Unternehmen dreimal mehr als mit Normaltelefonierern. Trotzdem markiert Deutschland im internationalen Vergleich das Schlusslicht - nirgends verkauft sich das Apple-Handy schlechter.


Seit dem Verkaufsstart vor elf Wochen habe man 70.000 iPhones absetzen können. So sei es in einer internen Mitteilung des T-Mobile-Chefs Philipp Humm an seine Mitarbeiter zu lesen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Das Dokument soll auf einer internen Webseite des Unternehmens veröffentlich worden sein. Damit sei das Apple-Handy das mit Abstand meist verkaufte Multimedia-Endgerät im T-Mobile-Angebot. Darüber, welchen Rang es allerdings in den Mobiltelefon-Verkaufcharts der Telekom-Tochter bekleidet, machte Humm keine Angaben.

Offenbar gelingt es tatsächlich, die Sogwirkung des iPhone auszunutzen, um Neukunden zu gewinnen. Laut Humm sind die Hälfte der iPhone-Käufer Neukunden. Vor allem aber zeigt sich Humm begeistert darüber wie das Design-Handy das Nutzungsverhalten der Anwender verändert. "Die durchschnittliche Internetnutzung eines iPhone-Kunden übertrifft bei weitem unsere Erwartungen", heißt es in einem der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX vorliegenden Interview.

iPhone-Anwender würden die Online-Fähigkeiten ihres Geräts 30-mal intensiver nutzen als normale Vertragskunden. Damit, so Humm, sei das mobile Internet bei den Kunden angekommen. Zudem offenbare sich das Apple-Mobiltelefon als Türöffner für die mobile Nutzung des Web 2.0. "Der Trend, selber Inhalte zu produzieren und diese ins Internet zu stellen, wird 2008 weiter anhalten", sagt Humm.

"Mehr als nur mobil telefonieren"

Wirtschaftlich scheint sich T-Mobiles Engagement für das iPhone auszuzahlen. Laut Humm liegt der Durchschnittsumsatz pro iPhone-Kunde dreimal höher als bei anderen Kunden. Einen solchen Anstieg kann das Unternehmen gut gebrauchen. Laut dpa sank T-Mobiles Durchschnittsumsatz pro Kunden in den ersten drei Quartalen 2007 um sechs Prozent auf 33 Euro, was in erster Linie dem verschärften Preiskampf zuzurechnen sei. iPhone-Kunden zahlen hingegen mindestens zwischen 50 und 90 Euro pro Monat.

Der Erfolg des iPhone würde zudem andere Hersteller animieren, ähnlich web-affine mobile Endgeräte zu entwickeln. Schließlich, so Humm, habe die rege öffentliche Diskussion über das iPhone und seine Fähigkeiten dafür gesorgt, dass immer mehr Kunden mehr wollen "als nur mobil telefonieren".

Deutschland ist der schwächste iPhone-Markt

Erst vor wenigen Tagen hatte Apple im Rahmen der Bekanntgabe seiner Geschäftszahlen gemeldet, seit dem US-Verkaufsstart im Juni 2007 seien insgesamt rund vier Millionen iPhones verkauft worden. Der bei weitem größte Teil davon ging über US-amerikanische Ladentheken. Der deutsche Markt scheint sich dabei am schwächsten zu entwickeln. In Großbritannien, wo das Gerät zeitgleich an den Start ging, sollen einem Bericht der " Financial Times" zufolge bereits rund 190.000 Exemplare einen Käufer gefunden haben.

In Frankreich, wo der Verkauf erst Ende November begann, sollen während der ersten vier Wochen bereits 70.000 Stück verkauft worden sein. Die größere Popularität bei den französischen Nachbarn ist Branchekreisen zufolge allerdings darauf zurückzuführen, dass das Gerät in Frankreich aufgrund gesetzlicher Bestimmungen auch ohne Vertragsbindung angeboten werden muss.

Riesige Dunkelziffer

Für Verwirrung sorgt zudem, dass AT&T, Apples exklusiver Vertriebspartner für die USA, angibt, bisher nur rund zwei Millionen iPhone-Kunden vertraglich gebunden zu haben. So ergibt sich eine Dunkelziffer nicht-vertragsgebundener iPhones, die im deutlich sechs- bis siebenstelligen Bereich liegt. Darüber, ob diese Geräte allesamt von ihren Käufern über sogenannte Jailbreak-Software entsperrt wurden oder womöglich noch in den Lagern der Händler liegen, wird derzeit wild spekuliert.

Im Rahmen der Bilanzpressekonferenz gab Apple-Manager Tim Cook die Zahl entsperrter iPhones als signifikant an, ohne dabei Zahlen zu nennen. Nach seiner Ansicht seien diese vertragslosen Geräte jedoch ein "good problem to have". Die " Digitimes" berichtet dagegen, Apple habe die Bestellungen bei seinen iPhone-Zulieferern in Taiwan drastisch zurückgefahren. Statt der bisher geplanten zwei Millionen Geräte soll Apple für das laufende Quartal nur eine Million bis 1,2 Millionen Exemplare bestellt haben. Apple selbst hat sich zu diesen Angaben bislang nicht geäußert.

mak/dpa



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