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iPhone-Alarm: Freiheit mit engen Grenzen

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Das iPhone gibt es auch ohne Netzsperre - zumindest theoretisch. Tatsächlich klagen kaufwillige Kunden über unwissende T-Mobile-Mitarbeiter und Freischaltprobleme. Jetzt stellt sich heraus: Sogar angeblich entsperrte Geräte funktionieren nicht in allen Netzen.

Die Klagen häufen sich: Das Personal in den Telekom-Shops sei schlecht informiert, das Freischalten entsperrter iPhones verzögere sich tagelang. Nachdem T-Mobile durch eine einstweilige Verfügung seitens Vodafone gezwungen wurde, das iPhone auch ohne Vertragsbindung anzubieten, häufen sich Probleme.

Apple iPhone: Probleme beim Entsperren der 999 Euro teuren vertragsfreien Version
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Apple iPhone: Probleme beim Entsperren der 999 Euro teuren vertragsfreien Version

Auf offenbar vollkommen unvorbereitetes Personal traf beispielsweise SPIEGEL-ONLINE-Leser Ralph Ziegelmeier. Er ging am Donnerstag letzter Woche mit dem festen Ansinnen in seinen lokalen Telekom-Shop, 999 Euro zu investieren und sich die entsperrte iPhone-Version zu kaufen. Dort wurde er von den Mitarbeitern jedoch brüsk abgewiesen. Es werde das iPhone ohne Vertragsbindung wohl erst "in einigen Wochen, wahrscheinlich im Januar geben", teilte man ihm mit.

Das ist natürlich vollkommen falsch. Laut einstweiliger Verfügung war das Unternehmen verpflichtet, sofort zu handeln. Entsperrte iPhones mussten daher seit Mittwoch dem 21. November verfügbar sein. Zwar mit einem saftigen Aufpreis in Höhe von 600 Euro belegt, aber erhältlich.

Dass es dabei offenbar Probleme gab und immer noch gibt, diesen Sachverhalt kennt auch T-Mobile-Pressesprecher Alexander von Schmettow. "Da sind uns quasi über Nacht Prozesse aufgezwungen worden, die man normalerweise monatelang vorbereiten und testen würde. Dass es dabei zu Problemen kommen kann, ist leider unvermeidlich", erklärt er gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Einen besonders drastischen Fall schildert SPIEGEL-ONLINE-Leser Marco Serafini. Da er in Italien lebt, einem Land, in dem das iPhone bislang nicht offiziell erhältlich ist, wollte er sich ein entsperrtes Gerät in Deutschland besorgen. Doch auch ihm schlug in zwei Münchener Telekom-Shops geballtes Unwissen entgegen. Die Auskünfte schwankten zwischen "das kann man nicht entsperren" bis "dann funktioniert nur noch als Telefon".

Doch Serafini gab nicht auf, versuchte es noch in einer dritten Filiale. Dort lief es zuerst sehr gut. Es sei alles ganz einfach, wurde ihm gesagt, er solle einfach das Telefon an der Kasse bezahlen und dann von einem als "Trainer" bezeichneten Mitarbeiter entsperren lassen.

Der als Fachmann bezeichnete Mitarbeiter erwies sich dann jedoch als ebenso ahnungslos wie seine Kollegen anderenorts. "Der Sachverständige selbst wartete mehrere Stunden am Telefon in sogenannten T-Hotlines auf einen Fachmann zum Entsperren", schildert Serafini seine Odyssee. Schließlich wurde ihm mitgeteilt, man werde ihm den Freischaltcode per Mail schicken - was natürlich nicht passierte, denn das tatsächliche Procedere ist ein anderes.

Die Freischalt-Prozedur

Beim Kauf des entsperrten iPhones soll der jeweilige T-Mobile-Verkäufer die E-Mail-Adresse sowie die weltweit einmalige IMEI-Nummer des Handys aufnehmen und diese an Apple senden. Wichtig: Wer bereits einen Account für Apples iTunes Store hat, muss die dort registrierte Adresse angeben. Umgekehrt muss man die beim iPhone-Kauf angegebene Adresse verwenden, um sich im iTunes Store zu registrieren, wenn man dort bislang keinen Account hatte.

Aktiviert man nun das iPhone über den iTunes Store, sendet Apple die Freischaltung auf das Handy - zumindest wenn alles reibungslos klappt.

Dem ist aber offensichtlich im Moment noch nicht so. Vor allem in den ersten Tagen, nachdem T-Mobile begann, entsperrte iPhones anzubieten, kam es zu erheblichen Verzögerungen. Laut von Schmettow ist im schlimmsten Fall mit Wartezeiten von bis zu 48 Stunden bis zur Freischaltung zu rechnen. Daran dürfte zum einen der Zeitunterschied zwischen Apples Hauptquartier in Kalifornien und dem T-Mobile-Sitz in Bonn schuld sein. Zum anderen lässt dies aber auch vermuten, dass die Nachfrage nach den entsperrten 999-Euro-iPhones höher ist als vermutet.

Das weiß wohl auch von Schmettow und bittet um Geduld: "Wir bitten die Kunden hierfür um Verständnis, wir arbeiten intensiv daran, das Procedere zu optimieren."

Kein iPhone im Ausland

Serafini hingegen nützt diese Auskunft wenig. Denn mit seinen italienischen Telefonkarten, so die Auskunft, die man ihm bei der Telekom-Hotline erteilte, werde das iPhone ohnehin nicht funktionieren. Im italienischen Netz könne man das entsperrte iPhone nicht nutzen, wurde ihm mitgeteilt.

Das klingt zunächst verwegen. Schließlich funktioniert jedes Billighandy klaglos in sämtlichen GSM-Handynetzen weltweit. Nicht jedoch das iPhone, wie Apple-Spezialist Volker Riebartsch gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärt. Wer, um Roaming-Gebühren zu sparen, in einem nicht offiziell vom iPhone unterstützten Land eine Prepaid-Karte erwirbt und ins iPhone steckt, erlebt eine böse Pleite. Riebartsch: "Weder Telefon- noch SMS-Funktion lassen sich nutzen, die iPhone-Programme stürzen einfach ab."

Nur Hacker-Tools können helfen

Als Grund für dieses Versagen hat er eine von Apple schlecht implementierte Unterstützung sogenannter "nationaler Caller-IDs" ausgemacht. Die nutzt das Gerät, um festzulegen, ob im jeweiligen Netz überhaupt telefoniert werden darf. Dass diese Funktionen nur halbherzig integriert wurden, liege möglicherweise daran, dass Apple sich von Telefon-Spezialisten habe beraten lassen, die zwar den US-Markt kennen, aber wenig über die weltweiten GSM-Standards wissen. Seine Vermutung: "Offenbar konnte sich niemand vorstellen, dass jemand eine Prepaid-Simkarte in einem anderen Land erwirbt und im iPhone nutzt."

Die einzige Möglichkeit, diesen Malus zu umgehen, sieht der Experte darin, das Handy per Hacker-Software zu bearbeiten. Genau das wollen Käufer des 999-Euro teuren iPhone aber eigentlich vermeiden. Abhilfe kann hier nur Apple selbst schaffen, indem es per Software-Update die nötigen Informationen auf die entsperrten iPhones nachlädt, damit diese auch mit "fremden" Prepaid-Simkarten funktionieren.

Daran haben allerdings weder Apple selbst noch seine Vertragspartner wie T-Mobile größeres Interesse. Schließlich basiert deren Geschäftsmodell darauf, das iPhone nur bei jeweils einem Vertragspartner pro Land anzubieten, das Telefon an ein Netz zu binden. Dort sind die Geräte getestet, dort werden die notwendigen Funktionen von den Providern vorgehalten. Darauf weist auch T-Mobile-Sprecher von Schmettow hin: "Im Netz von T-Mobile läuft das iPhone reibungslos." Schließlich habe man das Gerät über Monate getestet.

Kostenlose Freischaltung auch für 399-Euro-iPhones

Apples iPhone-Vermarktungspartner versucht unterdessen, den Schaden zu begrenzen, Kunden von den Vorteilen eines T-Mobile-iPhones zu überzeugen. Die Webseiten zum Apple-Handy haben die Mobilfunker in den letzten Tagen stark überarbeitet. Im Fokus steht dort nun, herauszustellen, welche Vorteile es bringt, sich mit dem iPhone an T-Mobile zu binden. Dabei wird unter anderem versucht zu belegen, dass die iPhone-Tarife eigentlich wahre Schnäppchen sind.

Wer der Versuchung aufgrund dieser Argumente erliegt und sich tatsächlich samt iPhone und Vertrag in den Schoß des Telekommunikationsriesen begibt, sollte freilich einen Tipp beherzigen: Aufgrund der einstweiligen Verfügung ist T-Mobile derzeit gezwungen, alle nach dem 19. November gekauften iPhones zu entsperren, falls der Kunden das wünscht - und zwar kostenlos.

Diese Gelegenheit sollte man sich nicht entgehen lassen. Denn, wie auch immer das Ringen zwischen T-Mobile und Vodafone ausgeht: Offiziell entsperrte iPhones dürften stets bessere Preise auf dem Gebrauchtmarkt erzielen. Und wenn Apple die notwendigen Updates nachliefert, kann man damit künftig hoffentlich sogar auf Auslandsreisen mit lokalen Prepaid-Karten kostengünstig telefonieren.

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Forum - iPhone für alle?
insgesamt 172 Beiträge
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1.
relznak 20.11.2007
Warum es unbedingt nur einen Anbieter geben muss, war mir sowieso nie ganz klar. Ich denke wenn man einfach ein neues Gerät kaufen kann, ohne dass man Rücksicht auf einen eventuell noch einige Monate dauernden Vertrag zu nehmen, ist das nicht nur ein Vorteil für die Kunden, sondern auch für Apple.
2.
Cakedrummer 20.11.2007
Ich brauche ganz dringend ein iPhone, damit ich endlich auch unterwegs zu Spiegel Online surfen kann und keinen der vielen Artikel und Diskussionsbeiträge über das iPhone verpasse. Da muss man sich auch nicht mehr wundern, dass in der iPhone-TV-Werbung ganz zufällig Spiegel Online zu sehen ist.
3.
Wellenstein, 20.11.2007
Ich bin mir sicher, T-Mobile wird ab morgen das iDioten-Phone für 1500 Euro ohne Vertrags- und Netzbindung anbieten... ...und die Nachfrage nach dem Handy wird dann kaum noch zu befriedigen sein... ;-)
4.
ehx 20.11.2007
Zitat von sysopT-Mobile-Konkurrenten greifen den Exklusivertrieb des Apple-Handys an - was soll der Konzern ändern?
Apple sollte das iPhone wie alle seine Produkte normal anbieten, natürlich würde dafür ein höherer Preis verlangt werden. Der Kunde hätte nun die Wahl, ob er das iPhone bei Apple beziehen und sich den Mobilfunkbetreiber selbst aussuchen würde oder auf ein Angebot eines Anbieters einzugehen und sich das iPhone finanzieren zu lassen. Das wäre für mich ein vernünftiges Angebot. Das Apple bei dem iPhone ordentlich kassieren will ist doch glasklar! Aber warum werden die Karten nicht offen auf den Tisch gelegt?
5. Faszinierend
Shaft13 20.11.2007
Was mich ja am meisten beeindruckt ist die Tatsache,das die Sucht oder das Verlangen nach dem iphone so dermassen groß ist,das die Telekom die User mal so richtig abzocken kann und die Masse dennoch das Ding kauft und sich bewusst abzocken lässt. Denn Monatlich mindestens 49 Euro 2 jahre lang zu zahlen + der immens hohe Kaufpreis führen zu dem wohl miesesten Preis/Leistungsverhältnis, das man seit Jahren kaufen konnte im Mobilbereich. Das soll nicht heissten, das ich das Iphone schlecht finde. Im Gegenteil, was ich bisher gesehen habe,fand ich absolut überzeugend. Aber die Preise dafür sich absolut lachhaft. Und ich bin keiner,der sich das ganze nicht leisten könnte. Aber ich werfe mein geld mit Sichehreit nich zum Fenster raus für jede neue Hardware.
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