iPhone-Freischaltung Nur fünf Minuten bis zur Freiheit

Ein findiger Hacker hat es geschafft: Er hat eine Methode entwickelt, wie man fabrikneue Apple-Handys per Software für alle Netze freischalten kann. Doch die Lösung ist kompliziert. Kommerzielle Anbieter versprechen dagegen schnelle Hilfe - und verdienen damit schnelles Geld.

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In seinem Blog schreibt George Hotz, er habe einen schlechten Tag gehabt, wollte seine Wut in etwas Produktives investieren. Also habe er sich daran gemacht, eine Sicherheitslücke in aktuellen iPhones zu suchen - und hat sie gefunden. Nach einer rund 24-stündigen Hacker-Session war es soweit: Er hatte Apples Software soweit entschlüsselt, dass er sie manipulieren, das iPhone zur Nutzung ohne Vertragsbindung freischalten konnte.

Das war bisher nicht möglich. Zwar gab es Tricks wie man ältere iPhones entsperren und Apples neuestes iPhone-Update über Umwege aufspielen konnte, doch die funktionierten nicht mit neueren Apple-Handys. In jüngeren Modellen kam eine neue Sicherheitssoftware zum Einsatz. Die überprüft nun nicht mehr nur beim Einschalten des Handys, sondern vor jedem Telefonat, ob die eingelegte Sim-Karte von einem Apple-Partner freigeschaltet ist.

Damit wurden sogar Hardware-Lösungen ausgehebelt. Bis zur Software-Version 1.1.2 konnte man seinem iPhone mithilfe einer hauchdünnen Zusatzplatine, die man auf die Sim-Karte klebt, vorgaukeln, man habe beispielsweise eine korrekt freigeschaltete Karte des Apple-Vertragspartners T-Mobile eingelegt, obwohl man eigentlich eine ganz andere Sim verwendet. Allerdings werden für die als Turbo-Sim, Next-Sim oder X-Sim bezeichneten Platinen oft Fantasiepreise von teilweise über 100 Euro verlangt.

Doch mit der iPhone-Software 1.1.3 funktionieren auch diese Entsperrplatinen nicht mehr. Wer ein per Soft- oder Hardware entsperrtes iPhone auf die neue Software aktualisierte,  war plötzlich wieder ausgesperrt, konnte nicht mehr telefonieren, einen Rückweg gab es nicht - bisher.

Die Belohnung liegt schon bereit

Die Nachricht vom nun geglückten iPhone-Hack machte sofort die Runde in der iPhone-Gemeinde. Das Blog von George Hotz brach umgehend zusammen. Mittlerweile jedoch haben andere Web-Seiten, wie etwa Unlock.no, die Anleitung des eifrigen Hackers kopiert, so dass sie jetzt überall im Web problemlos verfügbar ist. Hotz darf sich freuen, sollte sich sein Hack als dauerhaft und zuverlässig erweisen, winkt ihm eine Belohnung in Höhe von 1182 Dollar.

Die hatten iPhone-Enthusiasten gesammelt, um Leute wie Hotz zu motivieren, eine solche Freischaltmethode zu entwickeln. Allerdings muss Hotz noch eine Hürde nehmen, bevor er sich das Preisgeld überweisen lassen kann: Die Regeln des Wettbewerbs sehen vor, dass der Autor eine einfach bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung liefern muss. Auf die Kunst, komplizierte Dinge einfach und anschaulich zu erklären, versteht sich der Hacker aber offenkundig nicht. Seine bisher veröffentlichte Anleitung ist nur für Leute zu gebrauchen, die etwas damit anfangen können, dass Schritt vier des Entsperrvorgangs folgendes vorsieht: "chmod +x runme.sh". Alles klar?

Freischaltung via eBay

Entsprechend quellen Foren zum Thema über vor Anfragen verwirrter iPhone-Besitzer, die sich fragen, was die kryptischen Kürzel bedeuten und wie sie denn jetzt ihr teuren Mobiltelefon endlich ohne AT&T- oder T-Mobile-Vertrag zum funktionieren bringen können.

Dieser Klientel bieten sich mittlerweile Dienstleister wie ein Hamburger eBay-Anbieter an. Der hat beispielsweise im Dezember insgesamt zwölf Artikel über eBay ge- und verkauft. Darunter ein Ikea-Sofa, einen Satz Alufelgen und ein iPhone, "unlocked", also freigeschaltet für alle Netze. Immerhin 554 Euro zahlte ihm der Käufer dafür. Wenn er es selbst aus den USA mitgebracht und die fällige Einfuhrumsatzssteuer entrichtet hat, hat er damit rund 190 Euro Gewinn gemacht.

Das will er künftig offenbar einfacher haben. Statt sich selbst mühsam um den Import der gefragten Handys zu kümmern, bietet er jetzt einen Entsperrservice an. Mit einem Startpreis von einem Euro lockt er frischgebackene US-iPhone-Besitzer auf sein Angebot. Das aber ist tatsächlich nur ein Lock-Angebot.

Preisauskunft erst auf Anfrage

Erst, wenn man sich in den ausführlichen Erklärungen des Anbieters etwas weiter nach unten gearbeitet hat, erfährt man, dass man zur Klärung der Details doch bitte mit dem Anbieter in Kontakt treten soll. Eine solche Nachfrage ergab: 75 Euro verlangt der eBayer für seinen Entsperrdienst - verdient daran also fast ebensoviel wie an einem selbst importierten iPhone - dabei bietet er nichts, was man nicht auch kostenlos haben könnte.

Logisch, dass hier auch andere kommerzielle Anbieter Frühlingsluft wittern. So etwa die britische Web-Seite iPhone Unlocking. Die preist eine Software an, die alle iPhones, vom allerersten bis zum gerade eben aus dem Laden geholten, freischalten können soll. Sogar eine 100-prozentige Zufriedenheitsgarantie wird angepriesen und mit einer Geld-Zurück-Garantie verbunden.

Garantieverlust garantiert

Wirklich herausragend dabei: Die Software soll es schaffen, jedes iPhone innerhalb von nur fünf Minuten freizuschalten. Eine erstaunliche Behauptung, braucht man mit den üblichen Hacker-Methoden doch meist mehrere Stunden, bis ein iPhone vollständig entsperrt und bereit zum Telefonieren ist. Ob die Firma dieses vollmundige Versprechen allerdings tatsächlich einlösen kann, ist bislang ungeklärt.

Eine entsprechende Anfrage vom Montagmorgen hatte das Unternehmen auch am Montagnachmittag noch nicht beantwortet - obwohl es auf der Web-Seite heißt, Anfragen würden spätestens binnen vier Stunden beantwortet. Und wenn schon das nicht klappt, ob dann die versprochene iPhone-Freischaltung binnen fünf Minuten funktioniert?

So oder so, sollte man sich genau überlegen, ob man Apples Edel-Handy tatsächlich derart manipulieren will. Durch solche Eingriffe in die System-Software setzt man seine Garantie aufs Spiel. Sollte also bei den Basteleien etwas schiefgehen, steht man am Ende schlimmstenfalls mit einem teuren Taschenspiegel da.



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