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iPhone in Deutschland: T-Mobile, Jobs und das Tarifgeheimnis

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Steve Jobs ist immer für eine Überraschung gut. Auf Fragen nach der einzigen Unbekannten im Spektakel um den iPhone-Launch in Deutschland, die Tarifkosten, antworteten der Apple-Chef und sein Vertriebspartner T-Mobile nebulös. Dafür erklärte er, warum Apple vorerst auf UMTS verzichtet.

Die eigentliche Nachricht des Tages verkündete nicht etwa der Apple-Chef, sondern der T-Mobile-Vorstandsvorsitzende Hamid Akhavan. Das iPhone wird in Deutschland exklusiv bei T-Mobile für 399 Euro verkauft. Außerdem sei er stolz, dass Steve Jobs, von Fans auch "his Steveness" genannt, zur Ankündigung der Partnerschaft nach Berlin angereist sei.

Jobs selbst hatte dann eigentlich nichts mehr zu verkünden, was man vorher nicht ohnehin wusste. Er sei "begeistert, dass wir das iPhone mit T-Mobile als Partner auf den deutschen Markt bringen", sagte der Apple-Chef und erging sich fortan in den bereits zur Vorstellung des iPod touch gehörten Lobpreisungen für das eigene Produkt. Den Punkt, weswegen eine Hundertschaft Journalisten an die Spree gereist war, ließ er jedoch aus, nämlich die Frage nach T-Mobiles iPhone-Tarifen.

Die klärte Akhavan erst auf Nachfrage. Man werde die iPhone-Tarife erst kurz vor dem Verkaufsstart des Geräts, am 9. November, bekanntgeben. Telekom-Chef René Obermann saß derweil als schweigender Gast im eigenen Hause und zog es vor, sich nicht zu äußern.

Eine faire Flatrate

So bleibt weiterhin viel Raum für Spekulationen. Ein strategisch sinnvoller Preis für den günstigsten iPhone-Tarif wären sicherlich 49,95, besser noch 39,95 Euro. Dafür sollte es eine Daten-Flatrate und ein paar hundert Gesprächsminuten geben.

Den Begriff Flatrate wird T-Mobile dabei wahrscheinlich nach Lesart der Mobilfunkanbieter verwenden, so wie es schon jetzt bei T-Mobiles Flatrates der Fall ist. Das bedeutet, dass ein monatliches Datenvolumen von fünf Gigabyte als Maximum angesehen wird. Sollte man das Kontingent in zwei aufeinander folgenden Monaten überschreiten, werden für jedes zusätzliche Megabyte Gebühren berechnet. T-Mobile nennt das "Fair Flat Policy".

Weitere iPhone-Tarife dürften sich in erster Linie beim enthaltenen Freiminuten-Kontingent unterscheiden und dafür entsprechend teurer sein. Die amerikanischen AT&T-Tarife könnten dafür Modell stehen. Was auf jeden Fall im Preis enthalten sein wird, ist die Nutzung der 8600 T-Mobile-W-Lan-Hotspots in Deutschland, zumindest das ließ sich Akhavan entlocken.

W-Lan wird wichtig

Diese Hotspots wird man als iPhone-Nutzer auch brauchen und suchen. Denn wie in den USA und Großbritannien wird das iPhone auch hierzulande ohne UMTS oder gar HSDPA-Funktion ausgeliefert.

W-Lan sei die viel bessere Lösung, begründete Jobs den Verzicht aufs schnelle Mobilnetz. Die Chips für 3G-Netzwerke wie UMTS, so Jobs, verbrauchten so viel Strom, dass sie die Sprechzeit des iPhone drastisch von jetzt acht auf zwei bis drei Stunden reduzieren würden. Apple habe sich aber vorgenommen, stets mehr als fünf Stunden Sprechzeit zu gewährleisten.

Jobs ist sicher, damit die richtige Wahl getroffen zu haben. Schließlich seien W-Lans viel schneller als die besten 3G-Netze. Deshalb habe man sich ganz bewusst gegen 3G entschieden. Trotzdem versprach Jobs, ein künftiges iPhone werde auch 3G-fähig sein. Damit rechne er aber erst im Laufe des kommenden Jahres.

Bereits in Kürze soll dagegen der mobile Musikverkauf für den iTunes Wifi Store beginnen. Auf den in Berlin gezeigten iPhones war das Angebot bereits zu verwenden. Verantwortlich dafür dürfte die auf den Handys installierte iPhone-Softwareversion 1.1.1 sein, die sich in einigen Details von der aktuellen Version 1.02 unterscheidet. Sie enthält außer einer eingedeutschten Oberfläche ein zusätzliches Symbol für den iTunes Wifi Store, den Jobs vor wenigen Wochen zusammen mit dem iPod touch vorgestellt hatte. Die Preise für den mobilen Musikverkauf gleichen jenen im etablierten iTunes Store. Ansonsten waren bei einer ersten Inaugenscheinnahme keine Unterschiede zum US-Modell festzustellen.

Das iPhone gibt es nicht bei Apple

Eine deutlicher Unterschied zu den USA, der zudem zeigt, wie zäh das Ringen um den iPhone-Deal gewesen sein muss, sind jedoch die genauen Vertriebsmodalitäten: zum Beispiel, wie viel T-Mobile für jede mit dem iPhone vertelefonierte Gesprächsminute an Apple abgeben muss. Gemunkelt wird hier von zehn Prozent. Man werde solche Details nicht bekanntgeben, so die knappe Antwort von T-Mobile.

Ein anderes Detail, mit dem wohl niemand gerechnet hatte: Das iPhone wird man ausschließlich in Telekom-Shops und im T-Mobile Online-Shop kaufen können. Nicht einmal Apple selbst wird das hauseigene Handy über seinen deutschen Online-Shop verkaufen. Was aus den Vorbestellungen in offenbar vierstelliger Zahl wird, die beispielsweise die Apple-Handelskette Gravis bereits eingesammelt hat, blieb am Mittwoch ungeklärt.

Klar ist jedoch, dass man das iPhone auch hierzulande, wie in den USA, über den iTunes Store aktivieren muss. Dabei wird man auch den Datentarif auswählen. Eine Mitgliedschaft im iTunes Store ist dafür allerdings nicht notwendig, wie ein Apple-Sprecher SPIEGEL ONLINE bestätigte. Wer an Apples Online-Musikangebot kein Interesse hat, kann sich mit einer Kreditkartennummer ausweisen.

Angst vor der Konkurrenz?

Sicher ist, dass T-Mobile im Gegenzug keinerlei Einfluss auf die Gestaltung des iPhone hat. Ein Branding, wie man es sonst bei Exklusivvereinbarungen gewöhnt ist, wird es nicht geben. Kein einziger magentafarbener Farbklecks wird das glänzend schwarze Outfit verunstalten. Noch nicht einmal ein T-Mobile-Symbol wird auf der Benutzeroberfläche erscheinen. Einziger Hinweis auf den Provider wird ein kleiner Texthinweis in der linken oberen Ecke des Displays sein.

Ob Apple mit seinem Edel-Handy auf dem deutschen Markt Erfolg haben wird, hängt sicherlich von den noch unbekannten T-Mobile-Tarifen ab - und von der Konkurrenz. Etwa zeitgleich zum iPhone wird Anfang November Nokias neues Multimedia-Flaggschiff N81 in die Läden kommen. Doch davor habe er keine Angst, so Jobs nonchalant. Er begrüße den Wettbewerb, sei sich aber eines Erfolg für das iPhone sicher.

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Forum - Das neue iPhone – ein absolutes Muss?
insgesamt 1327 Beiträge
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1.
Silvia, 10.01.2007
---Zitat von sysop--- Apple stellte das neue iPhone vor. Eine Innovation wie der iPod, die man einfach haben muss, oder komplett überflüssig? Würden Sie sich ein iPhone anschaffen? ---Zitatende--- Ein Muss? Gewiss nicht! Vielleicht für Business-Kasper (http://www.youtube.com/watch?v=zzUR27Cg-Ck) ... ;-)
2. Anschaffen wohl nicht...aber
ThoRusch, 10.01.2007
...es ist gut für den verkrusteten Handy-Markt, dass die ideenlosen Dinosaurier Gegenwind von einem Innovator bekommen. Wenn es in anderen Branchen auch so wäre würden wir vielleicht nicht mehr eine durch eine Explosion ausgelöste Linearbewegung in eine Kreisbewegung umsetzen um ein Auto anzutreiben.
3.
KlausD, 10.01.2007
---Zitat von sysop--- Apple stellte das neue iPhone vor. Eine Innovation wie der iPod, die man einfach haben muss, oder komplett überflüssig? Würden Sie sich ein iPhone anschaffen? ---Zitatende--- Hallo, nein...das größte problem von touchscreens ist doch das der bildschirm ständig verschmiert ist...deswegenhaben hat sich touchscreen doch in keinem privaten bereich wirklich durchegsetzt...also wenn ich an die touchscreens denke die es gibt wird mir schlecht eben wegen der fettigen finger abdrücke. Auch der preis ist unverschämt hoch...ich denke das wird nix. Danke
4.
fabchief, 10.01.2007
Konkurenz belebt den Markt, daher ist es auf jeden Fall zu begrüssen, daß Apple auch mitmacht. Für mich persönlich ist es nichts: Zu teuer, zu gross. Und es sieht auch zu empfindlich aus, ein Handy muss auch mal runterfallen können. Ausserdem ist es wohl nicht einhändig bedienbar. Ich will einfach nur telefonieren und da tut es mein alter Nokiaknochen noch lange Zeit.
5. Gelungen
kosk, 10.01.2007
Was bisher von dem Handy zu sehen war ist 100%ig gelungen. Meine Erwartungen wurden übertroffen. Dass man damit "5 Jahre voraus" sei, halte ich jedoch für übertrieben. Dafür vollzieht sich die technische Entwicklung zu rasant. Leider ist das Gerät erst Ende 2007 in Deutschland erhältlich, bis dahin haben die Asiaten bestimmt schon vergleichbare Geräte in der Pipeline. Es könnte für viele ein "Muss" sein, da sich leider nicht wenige Menschen über Ihr Handy definieren - so absurd das auch klingt.
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