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iPhone-Verkaufsstart: 200 Kunden in der ersten Nacht

iPhone-Party in Köln: Vier Monate nach dem US-Start wird Apples Handy seit Mitternacht auch in Deutschland verkauft. Beobachter bezweifeln allerdings, dass die Kunden hierzulande ebenso euphorisch reagieren wie in den USA.

Frankfurt am Main - Noch nie ist um ein Telefon ein solcher Wirbel veranstaltet worden wie um das iPhone von Apple. Seit Freitag Mitternacht ist es nun auch in Deutschland zu kaufen: In Köln öffnete ein Laden des exklusiven Vertriebspartners T-Mobile eigens um 0 Uhr, um die ersten Geräte an die Fans zu bringen. Gut 200 kamen, um sich ihr iPhone zu sichern.

Kurz vor dem Verkaufsstart: T-Mobile-Laden in Köln
DPA

Kurz vor dem Verkaufsstart: T-Mobile-Laden in Köln

Was die Erwartungen für die Verkaufszahlen in Deutschland angeht, schlagen Branchenexperten allerdings eher nüchterne Töne an. Für T-Mobile sei die Vermarktung am Heimatmarkt sicher ein Imagegewinn und ein Bonus im Weihnachtsgeschäft. Dass die Kunden in Deutschland ähnlich euphorisch reagieren wie in den USA, wo sich das Gerät schon mehr als eine Million Mal verkauft hat, sehen die Fachleute aber skeptisch.

"Der Rummel wird da sein", sagt Unicredit-Analyst Thomas Friedrich. "Ich glaube, dass das der Telekom im vierten Quartal einen deutlichen Schub im hochpreisigen Kundensegment geben wird." Ob dieser die kommenden Quartale anhalte, sei schwer zu sagen. "Der deutsche Markt ist prädestiniert dafür, dass das iPhone hier weniger erfolgreich sein wird als in den USA", glaubt Friedrich. "Die Deutschen sind sehr speziell und technikverliebt."

Warten auf UMTS

Das iPhone sei aber nicht UMTS-fähig, habe eine relativ geringe Akkuleistung und sei kein Businesshandy. Vielen könnte es auch zu teuer sein. "Das iPhone wird eher etwas für den luxusorientierten Privatnutzer sein", meint der Analyst.

Seit gut einer Woche ist klar: Wer die Kombination aus Mobiltelefon, iPod und mobilem Internetzugang mit berührungsempfindlichen Bildschirm haben will, muss monatlich zwischen 49 und 89 Euro berappen. Dafür kann er unbegrenzt Daten verschicken und empfangen und die Internet-Einwahlpunkte (Hotspots) von T-Mobile nutzen. Insgesamt 1000 Minuten zum Telefonieren sowie zwischen 40 und 300 SMS sind inklusive. Kosten soll das iPhone 399 Euro - Subventionen wie bei vielen Ein-Euro-Handys plant T-Mobile nicht. Zusätzlich muss der Kunde einen Zweijahresvertrag abschließen.

T-Mobile blickt dem Start des iPhones selbstverständlich optimistisch entgegen, ohne sich aber mit dem Verkaufserfolg in den USA vergleichen zu wollen. Dort wurde das iPhone seit dem 29. Juni mehr als 1,4 Millionen Mal verkauft. "Wir gehen davon aus, dass das Gerät eine sehr gute Aufnahme am Markt finden wird", sagt T-Mobile-Sprecher René Bresgen. Zur Kritik an der Höhe der Tarife erklärt er, dies bewege sich auf dem marktüblichen Niveau für Telefon- und Datendienste. Überlegungen zu einer späteren Senkung der Nutzungsgebühren seien bislang spekulativ.

Konkrete Zahlen über Verkaufserwartungen oder das Kooperationsabkommen nennen T-Mobile und Apple aber nicht. In Branchenkreisen wird gemunkelt, dass sich Apple mit der geforderten Umsatzbeteiligung in Höhe von 30 Prozent durchgesetzt hat - ein Novum am deutschen Markt.

Benutzerfreundliche Bedienung

Auch die Konkurrenz schläft nicht. Vodafone und O2 wollen im Weihnachtsgeschäft mit Handys von Samsung und HTC punkten. Unternehmenskreisen zufolge soll der Samsung-Apparat deutlich weniger kosten als das iPhone und ebenso wie das HTC-Modell UMTS-fähig sein.

Das iPhone nutzt Edge, eine GSM-Weiterentwicklung, mit der T-Mobile bis Jahresende 95 Prozent der Bevölkerung erreichen will. Statt der mit UMTS beim Datenempfang möglichen Geschwindigkeit bis 384 Kilobit pro Sekunde (KBit/s) stehen maximal 220 (KBit/s) zur Verfügung. In den USA wird geklagt, dass die Edge-Verbindung im AT&T-Netz ziemlich langsam ist - bis eine Webseite oder eine E-Mail auf dem Bildschirm ist, dauert es manchmal ein paar Minuten. Der Apple-Slogan vom "Internet in der Tasche" wird also erst bei einem W-Lan-Anschluss daheim oder im Café Wirklichkeit.

Auch andere technische Ausstattungen sind eher in der Mitte als am oberen Ende der gegenwärtig verfügbaren Hightech-Ausstattung angesiedelt, etwa die Kamera mit einer Auflösung von zwei Megapixeln.

Weniger ist mehr

Dennoch ist das Gerät - zumindest in den USA - heiß begehrt. Die Ursachen dafür liegen vor allem in dem Design des Geräts und der Benutzerführung. Das iPhone hat auf seiner Vorderseite einen einzigen Knopf. Dieser bringt immer das Startmenü zum Vorschein, das die Funktionen der 17 bei Auslieferung integrierten Programme bereithält, darunter in der untersten Zeile die Hauptfunktionen Telefon, Mail, Browser und iPod. Ansonsten findet die Bedienung nur auf dem berührungsempfindlichen Display statt, abgesehen von dem seitlichen Schalter für die Lautstärke und der darüber liegenden Stummschalttaste sowie einer Standby-Taste am oberen Rand. Informationen und Anwendungen sind auch während eines Telefongesprächs zugänglich.

Die Symbole für die Schaltflächen auf dem Display befreien den Nutzer von den komplizierten Menüs der klassischen Handynavigation. So ist zwar das vom Hersteller als "Multimediacomputer" bezeichnete Nokia N95 in mancher Hinsicht leistungsfähiger als das iPhone - zu seinem Preis von rund 700 Euro ohne Vertrag. Aber auf der Vorderseite gibt es 13 Tasten. Davon bringen gleich zwei Tasten den Nutzer ins Hauptmenü. Das N95 ist wie ein Schweizer Taschenmesser: Um die Tastatur zum Vorschein zu bringen, wird das Display nach oben geschoben. Schiebt man es nach unten, werden die Kontrolltasten für das Abspielen von Musik und Filmen sichtbar.

Apple muss nachbessern

Das Team um Apple-Chefdesigner Jonathan Ive folgte hingegen der Linie, die Anzahl an unterschiedlichen Bedienungsmöglichkeiten so klein wie möglich zu halten. Außerdem wird eine möglichst visuelle und intuitive Bedienung angestrebt. Dazu passt das flotte Navigieren mit dem Finger in Adresslisten und Musikverzeichnissen ebenso wie der Bewegungssensor, der das iPhone von der senkrechten Displaystellung in eine waagerechte Position bringt.

Der Wunschzettel für die nächste iPhone-Generation ist schnell geschrieben. Außer einem schnelleren Netz und einer höher auflösenden Kamera würde sich das iPhone auch mit GPS-Empfänger gut machen - ohne diesen kann das Apple-Handy zwar die Google Maps aufrufen, aber nicht den aktuellen Standort anzeigen.

Nachbesserungsbedarf gibt es auch bei dem tiefliegenden Kopfhöreranschluss, der bislang nur die mitgelieferten Apple-Kopfhörer zulässt. Ebenso wenig möglich ist die Nutzung eines drahtlosen Kopfhörers. Die Standby-Dauer des integrierten Akkus wird mit bis zu 250 Stunden, also mehr als zehn Tagen angegeben. Aber auch bei geringer Nutzung berichten iPhone-Besitzer in den USA, dass sie ihr Gerät mindestens alle drei Tage aufladen müssen. Und schließlich könnte die nächste Generation auch etwas mehr Speicher vertragen als die jetzt ausgelieferten acht Gigabyte. Aber an solchen Kleinigkeiten werden sich die richtigen iPhone-Schwärmer kaum stören.

manager-magazin.de mit Material von AP und Reuters

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Forum - Apples Multi-Handy - Schmu oder "iPhorie?"
insgesamt 204 Beiträge
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1.
theunknown 04.07.2007
Ja - funktioniert bei mir problemlos. Auch ohne Telefonfunktion ein grandioses Spielzeug ;)
2.
M. Michaelis 04.07.2007
Zitat von sysopJon Lech Johansen behauptet, das iPhone gehackt zu haben. Halten Sie das für realistisch? Haben Sie bereits ein iPhone und erste Erfahrungen damit? Schildern Sie Ihre Eindrücke!
Alles kann gehackt werden. Die frage ist welchen Sinn das macht.
3.
SaesuBibbs, 04.07.2007
Naja, in Amerika kann man den AT&T-Vertrag innerhlab von 30 Tagen ohne Extrakosten kündigen. Wenn das in Deutschland auch ginge und das iPhone dann so gehackt wäre, dass man auch eine andere SIM einlegen kann, wäre das doch was. Ich hätte ja gerne ein iPhone mit Simyo. Eine Datenflatrate brauche ich nicht und bin auch nicht bereit für mobiles Internet mehr 5-10 Euro auszugeben.
4.
stonie, 04.07.2007
Zitat von sysopJon Lech Johansen behauptet, das iPhone gehackt zu haben. Halten Sie das für realistisch? Haben Sie bereits ein iPhone und erste Erfahrungen damit? Schildern Sie Ihre Eindrücke!
Nein, werde auch keines erwerben, 450,- für die Hardware sowie als Provider nur T-Mobile als quasi Monopolist für Deutschland.... ...wers brauch...
5. Warum..
Wappenträger 04.07.2007
wird um dieses Telefon eigentlich so ein Hype gemacht? Könnte mich vlt. ja mal jemand drüber aufklären? Kein UMTS, keine MMS, 2!?! Megapixel Kamera. Hört sich für mich nicht grade verlockend an. Auf WLAN und Touchscreen kann ich bei einem Handy gerne verzichten. Hier wird doch einfach der IPOD Hype benutzt und ein Wunderhandy angepriesen was keines ist. In Deutschland nur mit Telekom Vertrag zu bekommen. Never nicht mit mir, da kaufe ich mir lieber nen guten, günstigen MP3 Player und ne simkarte bei Tchibo.
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