Von Frank Patalong
Als Apple vor Jahresfrist die erste Version des iPhone auf den Markt brachte, traf es auf begeisterte Kunden. Begeisterung war auch nötig, denn: So chic und in mancherlei Hinsicht innovativ das Gerät auch war, es war vor allem ziemlich teuer.
Apple hatte sich ein höchst exklusives, völlig branchenuntypisches Geschäftsmodell ausgedacht: Es verkaufte das Handy in jedem Land, in dem es angeboten wurde, nur über einen einzigen Partner. Der bekam von Apple den Verkaufspreis vorgeschrieben und durfte für das Privileg der Partnerschaft einen branchenunüblich hohen Tribut an den Hersteller zahlen.
Das Konzept ging auf: Das iPhone etablierte sich als exklusives, durchaus prestigeträchtiges Produkt am Markt. Sechs Millionen Kunden waren bereit, dafür mächtig viel Geld auszugeben. In den USA kosteten die billigsten Versionen 399 Dollar und waren an hochpreisige Verträge geknüpft. Jetzt soll das iPhone für 199 Dollar verkauft werden.
Mit der Veröffentlichung des iPhone 3G verabschiedet sich Apple von etlichen Aspekten dieses ursprünglichen Verkaufskonzeptes. Die Klasse hat Apple mit dem iPhone 1 erreicht - jetzt soll die Masse folgen. Die Kernpunkte der neuen Strategie:
Es geht also um Masse, Masse und noch einmal Masse.
Das ursprünglich anvisierte Ziel, bis Ende 2008 zehn Millionen iPhones zu verkaufen, könnte nun doch noch überholt werden: Die Hauptkritikpunkte am iPhone 1 hat Apple entkräftet, das Smartphone ist nun fraglos auf der Höhe der Zeit. Jetzt wird es darauf ankommen, was die Mobilfunkanbieter aus Apples Vorgaben machen.
Und was macht T-Mobile?
In Deutschland wird T-Mobile das neue iPhone weiter exklusiv vertreiben, wie Unternehmenssprecher Alexander von Schmettow SPIEGEL ONLINE bestätigte. Das Gerät soll vom 11. Juli an verfügbar sein. Tarife und Gerätepreise wird T-Mobile "zu gegebener Zeit" veröffentlichen. T-Mobile wird das neue iPhone ebenfalls exklusiv in den Niederlanden und regulär in Österreich, Kroatien, Tschechien, Ungarn, Polen und der Slowakei vertreiben.
Einen Ausblick darauf, wie flexibel die neuen iPhone-Tarife werden könnten, gibt die Vodafone-Gruppe. Das Unternehmen kündigt an, das iPhone 3G in Portugal, Italien, Australien und Neuseeland sowohl mit Prepaid-Guthaben als auch mit den klassischen Postpaid-Verträgen zu vertreiben.
Wo auch immer das möglich und nicht durch gesetzliche Vorgaben verhindert ist, scheint Apple allerdings am Modell der Exklusivpartnerschaft mit einzelnen Mobilfunkbetreibern festhalten - das ist weder aus Kundensicht noch aus Perspektive der Konkurrenten vor Ort wirklich reizvoll.
E-plus-Sprecher Klaus Schulze sagt dazu SPIEGEL ONLINE: "Das neue iPhone ist in seiner erweiterten Funktionalität und auch preislich mit Sicherheit ein attraktives Endgerät. Aber so lange das ursprüngliche Geschäftsmodell von Apple Bestand hat, das eine Umsatzbeteiligung und den exklusiven Vertrieb über einen Mobilfunkanbieter vorsieht, sind wir nicht daran interessiert, das iPhone in unser Portfolio aufzunehmen."
Auch das könnte sich mittelfristig ändern. In den USA, berichtete die "New York Times", wird AT&T an den iPhones künftig mehr verdienen, weil es seine durch das iPhone generierten Umsätze nicht mehr im bisher üblichen Maße mit Apple wird teilen müssen. Dafür verliert der Telko-Riese den Exklusivzugriff auf das iPhone, das nun auch über andere Netzbetreiber zu erhalten sein soll. Das ist nur konsequent, wenn man wirklich die Masse - und nicht zuletzt auch den Business-Markt - erreichen will.
Mitarbeit: Konrad Lischka
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