Jedermann-Handy: Rabatt-iPhone zielt auf den Massenmarkt

Von

Mit dem Ur-iPhone hat Apple die Herzen der Fans erobert und ordentlich Kasse gemacht. Jetzt will Konzernchef Steve Jobs mehr, viel mehr: Das billigere, verbesserte iPhone 3G soll jeden Handy-Nutzer ansprechen.

Als Apple vor Jahresfrist die erste Version des iPhone auf den Markt brachte, traf es auf begeisterte Kunden. Begeisterung war auch nötig, denn: So chic und in mancherlei Hinsicht innovativ das Gerät auch war, es war vor allem ziemlich teuer.

Apple hatte sich ein höchst exklusives, völlig branchenuntypisches Geschäftsmodell ausgedacht: Es verkaufte das Handy in jedem Land, in dem es angeboten wurde, nur über einen einzigen Partner. Der bekam von Apple den Verkaufspreis vorgeschrieben und durfte für das Privileg der Partnerschaft einen branchenunüblich hohen Tribut an den Hersteller zahlen.

Das Konzept ging auf: Das iPhone etablierte sich als exklusives, durchaus prestigeträchtiges Produkt am Markt. Sechs Millionen Kunden waren bereit, dafür mächtig viel Geld auszugeben. In den USA kosteten die billigsten Versionen 399 Dollar und waren an hochpreisige Verträge geknüpft. Jetzt soll das iPhone für 199 Dollar verkauft werden.

Mit der Veröffentlichung des iPhone 3G verabschiedet sich Apple von etlichen Aspekten dieses ursprünglichen Verkaufskonzeptes. Die Klasse hat Apple mit dem iPhone 1 erreicht - jetzt soll die Masse folgen. Die Kernpunkte der neuen Strategie:

  • Der Vertrieb über Exklusivpartner wird beibehalten, aber Mindestpreisvorgaben gibt es nicht mehr. Im Gegenteil: Jetzt definiert Apple einen Höchstpreis für das Handy
  • Das eröffnet die Möglichkeit, das Handy an variierende Vertragsbedingungen gekoppelt subventioniert auf den Markt zu werfen und ist attraktiver für die Partner. Prompt kündigte Apple für den Sommer einen Verkauf des iPhone in 70 Ländern an (bisher waren es sechs).
  • Dienstleistungen wie MobileMe oder die Apple-Apps sollen andere Umsatzquellen erschließen. Apple nähert sich damit traditionelleren Geschäftsmodellen von Mobil-Netzbetreibern oder Handy-Herstellern an.
  • Dienste wie die Synchronisation von Kommunikation und Kalenderfunktionen über verschiedene Plattformen sind nicht nur eine Offerte an Technikbegeisterte, sondern vor allem an die Geschäftswelt.
  • Die sogenannten Apps erschließen Web-Diensten die Möglichkeit, ihre Services aktiv auf der Mobilplattform zu promoten. Bisher im Angebot: Schnittstellen zum mobilen Bloggen, Video-Sportnachrichten, Spiele, lokalisierte Nachrichten, lokalisierte Nachtleben-Guides, ein virtueller TV-Rekorder, mit dem man aufs eigene aufgezeichnete Programm zugreifen kann, Foto-Upload-Schnittstellen, Internet-Telefonie, Ebay-Auktionen und mehr.
  • Apps vereinfachen also die mobile Web-Nutzung, die schon durch das iPhone Version 1 gesteigert wurde. Apple zielt darauf, das iPhone 3G als mobiles Surfgerät zu verkaufen. Dieser Teil der Strategie könnte sich in den neuen Preismodellen der Mobilfunkteilnehmer niederschlagen: Zu erwarten sind hier neue Daten-Flatrates
  • Neue Partner: In den USA geht das iPhone 3G mit zusätzlichen Kooperationspartnern in den Verkauf. Dazu gehören nun auch Anbieter multimedialer Services wie Sportnachrichten- und Video-Anbieter oder Game-Entwickler wie Sega, die ihre Programme und Dienste über das iPhone direkt an den Kunden bringen können.
  • Niedrigere Preise: Das größte Verkaufshindernis für das iPhone, sagte Steve Jobs am Montag in einem Interview, sei sein hoher Preis gewesen.

Es geht also um Masse, Masse und noch einmal Masse.

Das ursprünglich anvisierte Ziel, bis Ende 2008 zehn Millionen iPhones zu verkaufen, könnte nun doch noch überholt werden: Die Hauptkritikpunkte am iPhone 1 hat Apple entkräftet, das Smartphone ist nun fraglos auf der Höhe der Zeit. Jetzt wird es darauf ankommen, was die Mobilfunkanbieter aus Apples Vorgaben machen.

Und was macht T-Mobile?

In Deutschland wird T-Mobile das neue iPhone weiter exklusiv vertreiben, wie Unternehmenssprecher Alexander von Schmettow SPIEGEL ONLINE bestätigte. Das Gerät soll vom 11. Juli an verfügbar sein. Tarife und Gerätepreise wird T-Mobile "zu gegebener Zeit" veröffentlichen. T-Mobile wird das neue iPhone ebenfalls exklusiv in den Niederlanden und regulär in Österreich, Kroatien, Tschechien, Ungarn, Polen und der Slowakei vertreiben.

Einen Ausblick darauf, wie flexibel die neuen iPhone-Tarife werden könnten, gibt die Vodafone-Gruppe. Das Unternehmen kündigt an, das iPhone 3G in Portugal, Italien, Australien und Neuseeland sowohl mit Prepaid-Guthaben als auch mit den klassischen Postpaid-Verträgen zu vertreiben.

Wo auch immer das möglich und nicht durch gesetzliche Vorgaben verhindert ist, scheint Apple allerdings am Modell der Exklusivpartnerschaft mit einzelnen Mobilfunkbetreibern festhalten - das ist weder aus Kundensicht noch aus Perspektive der Konkurrenten vor Ort wirklich reizvoll.

E-plus-Sprecher Klaus Schulze sagt dazu SPIEGEL ONLINE: "Das neue iPhone ist in seiner erweiterten Funktionalität und auch preislich mit Sicherheit ein attraktives Endgerät. Aber so lange das ursprüngliche Geschäftsmodell von Apple Bestand hat, das eine Umsatzbeteiligung und den exklusiven Vertrieb über einen Mobilfunkanbieter vorsieht, sind wir nicht daran interessiert, das iPhone in unser Portfolio aufzunehmen."

Auch das könnte sich mittelfristig ändern. In den USA, berichtete die "New York Times", wird AT&T an den iPhones künftig mehr verdienen, weil es seine durch das iPhone generierten Umsätze nicht mehr im bisher üblichen Maße mit Apple wird teilen müssen. Dafür verliert der Telko-Riese den Exklusivzugriff auf das iPhone, das nun auch über andere Netzbetreiber zu erhalten sein soll. Das ist nur konsequent, wenn man wirklich die Masse - und nicht zuletzt auch den Business-Markt - erreichen will.

Mitarbeit: Konrad Lischka

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Mobil
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
iPhone 3G: Die Doppelstrategie

Fotostrecke
Apples iPhone: Das Sonderangebot
Fotostrecke
Hightech-Handys: Konkurrenz für das iPhone 3G


E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.