Kehlkopftaster Lautlos telefonieren per Halsband

Das US-Start-up Ambient hat schon vorgeführt, wie sich ein Rollstuhl per Gedankensteuerung bewegen lässt - jetzt überrascht die Firma mit einem System, mit dem man nur noch ans Sprechen denken muss, um eine Computerstimme zu aktivieren.


Man könnte diese Geschichte aus dem Magazin "New Scientist" für einen verfrühten Aprilscherz halten: Ein Halsband, das die Nervensignale zur Stimmbandsteuerung registriert, ermöglicht Telefongespräche ohne Sprache. Nach der Darstellung des Start-ups Ambient braucht es nur etwas Training, um per Gedankensteuerung zu telefonieren. Demnach muss man lernen, ans Sprechen zu denken, ohne tatsächlich zu sprechen. Damit sollen die Nervensignale an die Stimmbänder aktiviert werden, ohne diese tatsächlich in Bewegung zu versetzen.

ALS-Patient Stephen Hawking: Sprechen ohne Bewegung?
DPA

ALS-Patient Stephen Hawking: Sprechen ohne Bewegung?

Über das Halsband können die Signale angeblich registriert werden, eine anschließende Analyse soll dann die Wörter ergeben, an deren Aussprache man gedacht hat. Die ermittelten Wörter werden von einer Computerstimme wiedergegeben. Aktuell soll das System 150 Wörter erkennen, an einer Ausweitung des Vokabulars wird bereits gearbeitet.

Ambient hat sein "Audeon" genanntes System auf einer Konferenz des Chip-Herstellers Texas Instruments erstmals öffentlich vorgestellt, eine Vorführung auf offener Bühne inklusive. Beim Betrachten des Videos dieser Präsentation denkt man unwillkürlich an einen schlechten Zaubertrick, denn wie die Computerstimme erzeugt wird, die nach langem Zögern "Ja, auf jeden Fall" sagt, ist natürlich nicht nachvollziehbar (siehe YouTube-Video unten).

Aber sowohl Texas Instruments als auch der "New Scientist" scheinen die Ambient-Gedankensteuerung ernst zu nehmen: Bereits im vergangenen Herbst berichtete das Magazin über ein anderes Experiment der Firma, bei der ein Rollstuhl per Gedanken gesteuert wurde.

Sollte sich die Ambient-Forschung tatsächlich als praxistauglich erweisen, würden zahllose neue Anwendungen möglich, die bisher im Wortsinn undenkbar waren. Zuallererst natürlich diskrete Telefonate in der Öffentlichkeit. Aber auch eine völlig neuartige Mensch-Maschine-Kommunikation, etwa wenn man nur an einen Ort denken muss, um die Navigations-Software auf dem Handy zu aktivieren. Profitieren könnten aber zuallererst Menschen, die wie der Physiker Stephen Hawking an Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) oder an anderen Lähmungserkrankungen leiden - ihnen könnte mit einer alltagstauglichen Variante der Technologie tatsächlich die Sprache zurückgegeben werden.

Und in der Kombination mit anderen Sci-Fi-Konzepten, nimmt sogar ein Szenario Gestalt an, in dem mobile Geräte nur noch in der Tasche getragen, aber zur Bedienung nicht mehr angefasst werden müssen.

So arbeiten Forscher der Universität in Osaka an einer "Zahnsteuerung" für MP3-Player, dabei soll ein Sensor am Ohrstöpsel Muster im Zähneknirschen erkennen. Komplementiert wird das Szenario von der Idee zweier britischer Nachwuchswissenschaftler aus dem Jahr 2002: Danach sollen in den Zahn implementierte Klangerzeuger über den Kieferknochen Tonschwingungen ans Innenohr weiterleiten.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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