Kein Schutz vor Plagiaten: Nokia-Akkus patzen bei Echtheitstest

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Billigbatterien für Handys können tödlich sein - das zeigte ein fataler Unfall in China. Nokia versucht deshalb, die Echtheit seiner Stromspender per Hologramm und Seriennummer sicherzustellen. Leider nicht immer mit Erfolg: Was echt ist, weiß Nokia selbst oft nicht.

Erst vor wenigen Tagen starb in China ein Arbeiter, nachdem der Akku seines Handys explodierte. Nun verdichten sich Hinweise, wonach ein plagiierter Akku, eine billige Kopie also, Schuld an dem Unfall gewesen sein soll. Ähnliche Unglücksfälle hatte es bereits 2003 und 2004 gegeben. Damals wurden in den USA und Europa mehr als 120 Fälle bekannt, in denen Handy-Akkus Feuer fingen oder gar explodierten.

Die Ursache war schnell gefunden: Billig-Akkus, die nicht den Sicherheitsanforderungen genügen, beispielsweise keinen Überhitzungsschutz enthalten. Ein gemeinsamer Standard wurde geplant und bis heute nicht umgesetzt. Weltmarktführer Nokia reagierte mit neuen Sicherheitsmerkmalen, die Akkus fälschungssicher machen sollten: Hologramme und Seriennummern.

Doch so richtig rund scheint das von Nokia eingeführte System nicht zu funktionieren, meldet der Blogger Christian Wolf in seinem Weblog "Ich Blog Dich!". Als der Stromspeicher seines Nokia-Handys schlappmachte, entschied er sich gegen einen Billig-Akku aus dem Online-Auktionshaus (ab 1 Euro). Stattdessen ging er, alarmiert von den Geschichten, die er über explodierende Stromspeicher gelesen hatte, zum Fachhändler. In einem E-Plus-Shop kaufte Wolf einen Original-Nokia-Akku vom Typ BL-5C. Der Preis: 35 Euro.

Original oder Fälschung?

Was Wolf stutzig machte: Ungefragt gewährte ihm der Verkäufer 20 Prozent Rabatt. Zuhause angekommen unterzog er den frisch gekauften Akku daher einem Echtheitstest. Nokia hat dazu eigens eine Webseite eingerichtet. Dort erfährt man detailliert, welche Merkmale das aufgeklebte Hologramm aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufweisen muss. Wolfs Neuerwerbung zeigte sie alle korrekt an. Als Wolf jedoch die einmalige 20-stellige Identifikationsnummer des Akkus freirubbelte und zur Prüfung in das entsprechende Feld auf der Webseite eintippte, war das Staunen groß: "Authentication Unsuccsessful: Invalid 20-Digit-Code". Der angebliche Original-Akku wurde von Nokia als Fälschung identifiziert.

Als Gegentest rubbelte Wolf die Prüfziffer seines alten Akkus frei und rief einige Freunde auf, es ihm nachzutun. Das gleiche Ergebnis überall: Das System identifizierte sämtliche Akkus als Originale - nur Wolfs Neukauf nicht.

Der von Nokia in solchen Fällen empfohlene Anruf beim nächsten Nokia Service Point erweist sich als fruchtlos. Wolf wurde erklärt, dass man dort zwar einige technische Rahmenwerte wie Spannung und Kapazität teste, daraus aber keine eindeutige Aussage über die Echtheit des Akkus ableiten könne. Einen Umtausch des Plagiats lehnte der Verkäufer ab. Schließlich, so sein Argument, habe er Wolf ein Original verkauft.

Nokia stellt sich tot

Genervt versuchte Wolf nun, die Angelegenheit direkt mit Nokia zu klären. Doch mehrere Versuche, mit der Firma per E-Mail und Telefon in Kontakt zu treten, endeten in endlosen Warteschleifen. Die Lage bessert sich erst, als er sich direkt an E-Plus wendet, schließlich hatte er den Akku in einem Ladengeschäft der Firma erworben. Dort half man ihm auch tatsächlich, bot an, den Stromspender gegen ein Exemplar auszutauschen, das die Echtheitsprüfung eindeutig besteht. Doch Wolf lehnte ab. Er wollte die Angelegenheit eindeutig klären, wollte wissen, was es mit seinem Akku auf sich hat.

Schließlich kam eine schriftliche Stellungnahme von E-Plus. Darin hieß es, man habe das von Wolf geschilderte Problem "in eigenen Tests mit Originalteilen reproduzieren" können. Handelt es sich also um einen Serienfehler? Verkaufen Nokias Vertriebspartner womöglich billige Plagiate als Originalware? Oder liegt der Fehler eher in Nokias Echtheitsüberprüfung begründet, die womöglich nicht richtig funktioniert?

Auch E-Plus wollte es nun genau wissen: "Wir haben den Hersteller direkt kontaktiert und um eine Untersuchung gebeten", hieß es in dem Schreiben an Wolf. Eine Reaktion seitens Nokias ließ aber weiter auf sich warten.

Testkauf bei eBay

Wolf hingegen machte sich jetzt erst richtig auf Spurensuche. Zum Vergleich erwarb er bei eBay einen angeblichen Original-Akku - für 3,39 Euro plus Versandkosten. Das Ergebnis der Nokia-Echtheitsprüfung: Die Nummer des Energiespeichers sei echt, aber bereits mehrfach eingegeben worden. Das dürfte eigentlich nicht passieren, denn Wolf hatte die Nummer gerade erst freigerubbelt. Im Web stieß er zudem auf die Schilderung eines Anwenders, dem es ähnlich wie ihm erging: Sein in Nokias Online-Shop bestellter Akku fiel bei der Echtheitsprüfung durch. Die Verwirrung war komplett.

Doch dann meldete sich endlich Nokia per Brief zu Wort. Wolfs Probleme mit der Echtheitsprüfung, so hieß es darin, würden "mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit mit der Software der Datenbank, nicht aber mit dem Akku zu tun" haben. Um aber alle Eventualitäten auszuschließen legte man einen neuen Akku gleich mit in den Umschlag, verbunden mit der Bitte, den als falsch identifizierten Akku einzuschicken. Wolf tat wie ihm geheißen, legte noch den bei eBay erworbenen Akku hinzu und bat Nokia um eine Stellungsnahme. Die, man ahnt es schon, blieb jedoch bis heute aus.

Finger weg von Billig-Ware

Zurück bleibt ein entnervter und verunsicherter Kunde, der an der Wirksamkeit des von Nokia eingeführten Echtheitssystems zweifelt. Nokia, so resümiert Wolf in seinem Blog, macht es seinen Kunden "nicht gerade leicht, an einen nachweislich echten Akku zu gelangen". Zudem seien die Hürden, eine kostenpflichtige Telefon-Hotline und eine scheintote E-Mail-Adresse, zu hoch.

Frustriert fragt Wolf: "Warum soll man für einen Akku dann noch über 46 Euro im Fachhandel ausgeben, wenn man entsprechende Produkte bei Online-Auktionshäusern für unter fünf Euro erwerben kann? Sicherheit über die Echtheit der Produkte hat man dank des Schweigens durch den Hersteller in beiden Fällen nicht."

Leidensgenossen rät Wolf aufgrund seiner Erfahrungen, lieber die Finger von verdächtig billigen Austausch-Akkus zu lassen. Stattdessen empfiehlt er den Gang zum Fachhändler. Dort aber solle man die Neuerwerbung sofort via Internet auf Echtheit prüfen lassen, um späteren Streitigkeiten vorzubauen. Das mag umständlich erscheinen, ist aber mit Sicherheit sicher.

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Forum - Probleme mit der Echtheitsprüfung?
insgesamt 24 Beiträge
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1.
Orthogräfin 11.07.2007
Zitat von sysopHaben Sie schon mal Probleme mit Billig-Akkus gehabt? Werden ihre Akkus von Nokia als Echt erkannt?
Was wollen Sie mit diesem Kauderwelsch eigentlich ausdrücken?
2.
DJ Doena 11.07.2007
Ich hab mein aktuelles Nokia-Handy jetzt seit mehr als 3 Jahren und der Akku hält immer noch seine Woche durch, also besteht kein Bedürfnis für einen neuen.
3.
Carsten31 11.07.2007
Zitat von sysopHaben Sie schon mal Probleme mit Billig-Akkus gehabt? Werden ihre Akkus von Nokia als Echt erkannt?
Nö, hab ein Motorola.
4.
Hagbard 11.07.2007
Zitat von DJ DoenaIch hab mein aktuelles Nokia-Handy jetzt seit mehr als 3 Jahren und der Akku hält immer noch seine Woche durch, also besteht kein Bedürfnis für einen neuen.
auch so. Aber der Akku des Fotoapparates meiner Frau hat dieser Tage den Geist aufgegeben (nach nur 7 Monaten) Garantie natürlich Fehlanzeige, weil von der gesetzl. Regelung nicht abgedeckt. Jetzt habe ich mir (allerdings bevor ich den Artikel gelesen hatte) über e... einen Ersatzakku bestellt. Für EUR 3,99. Bin gespannt.
5.
besim 11.07.2007
Zitat von sysopHaben Sie schon mal Probleme mit Billig-Akkus gehabt? Werden ihre Akkus von Nokia als Echt erkannt?
Hallo, Die Hersteller von Handys sind bei dem derartig ausufernden Markt von gefälschten Zubehörteilen nicht wenig mitschuldig. Wenn man sich überlegt, dass ein Originalakku oft ein Vielfaches von dem kostet, was das Handy selbst subventioniert einmal gekostet hat, ist es nur verständlich, dass viele Nutzer auf gefälschte und möglicherweise gefährliche Ware eingehen.
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