Medienberichte O2 wird britischer iPhone-Partner

Berichten zufolge soll Netzanbieter O2 den Zuschlag für den iPhone-Vertrieb in Großbritannien erhalten haben. Damit wachsen T-Mobiles Chancen, auf dem deutschen Markt das Rennen zu machen. Apples Handy soll vorerst nur in drei europäischen Ländern starten.


London - Medienberichten zufolge könnte die Entscheidung über den europäischen Vertrieb des Apple-Handys iPhone bereits gefallen sein. Wie die britische "Financial Times" meldet, soll der Mobilfunkbetreiber O2 den Zuschlag für den Vertrieb in Großbritannien bekommen haben. Demnach werde die Telefonica-Tochter das heiß umworbene Mobiltelefon exklusiv auf den britischen Inseln vermarkten dürfen. Ein entsprechender Vertrag stehe kurz vor dem Abschluss, schreibt die Zeitung. Als Ursprung für diese Angaben nennt das Blatt allerdings lediglich "gut informierte Quellen".

Journalistin mit iPhone: Berichten zufolge soll das Apple-Handy vorerst nur in drei EU-Staaten verkauft werden
DPA

Journalistin mit iPhone: Berichten zufolge soll das Apple-Handy vorerst nur in drei EU-Staaten verkauft werden

Darüber hinaus heißt es in dem Artikel, Apple werde das iPhone in Europa zunächst nur in drei Ländern anbieten: in Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Derzeit sei der Verkaufsstart für November geplant, heißt es in Medienberichten.

Als Argument für die Beschränkung auf nur drei europäische Länder führt die "Financial Times" an, dass es keinen europaweit agierenden Mobilfunkanbieter gebe, der das iPhone in allen Ländern der Gemeinschaft gleichermaßen exklusiv anbieten könnte. Weitere EU-Länder und der asiatische Raum sollen erst im kommenden Jahr mit iPhones versorgt werden.

Chancen für T-Mobile steigen

Einer Gartner-Analystin zufolge wäre eine nach Ländern geordnete Aufteilung der Vertriebsrechte sinnvoll. Auch für Apple, obwohl das Unternehmen nach eigenen Angaben eine Ein-Partner-Politik anstrebt. Löste sich Apple von dieser Strategie, könnte sich das Unternehmen in jedem EU-Land den jeweils größten Mobilfunkanbieter als Vertragspartner herauspicken. Neben O2 in Großbritannien wären das Orange in Frankreich und T-Mobile in Deutschland.

Auch technische Aspekte lassen eine solche Entscheidung sinnvoll erscheinen. Wie Wolfgang Boos, Spezialist für Mobilfunknetze bei der Fachzeitschrift "connect" gegenüber SPIEGEL ONLINE sagte, "wäre in Deutschland T-Mobile die erste Wahl für Apple". Schließlich, so Boos, habe T-Mobile das am besten ausgebaute Edge-Netz. Und genau dieser Mobilfunkstandard - einer Art Turbolader für das alte GSM-Netz, der überall dort für schnelle Datenübertragung sorgen soll, wo noch keine Funknetze der dritten Generation (UMTS, HSDPA) installiert worden sind - wird auch vom iPhone für die Datenübermittlung genutzt.

Mobile Breitbandformate
UMTS
Universal Mobile Telecommunications System - wird oft als Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G) bezeichnet, da er deutlich höhere Datenübertragungsraten als sein Vorgänger GSM ermöglicht. Deutsche UMTS-Netze schaffen üblicherweise eine Bandbreite von 384 Kbit/s für die Datenübertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Reguläre DSL-Anschlüsse bieten heute üblicherweise 1024 Kbit/s. (mehr ...)
HSDPA
High Speed Downlink Packet Access - setzt auf UMTS auf, erzielt aber deutlich höhere Übertragungsraten bei der Übertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Die praktisch erreichbare Datenrate liegt zurzeit bei 1,4 Mbit/s. Durch technologische Verbesserungen soll sie allmählich auf 5,1 Mbit/s steigen. (mehr ...)
GPRS
General Packet Radio Service - dieser Standard zerlegt Daten beim Sender in einzelne Pakete, überträgt sie gestückelt und setzt sie beim Empfänger wieder zusammen. Durch Bündelung mehrerer Übertragungskanäle ist theoretisch eine Übertragungsrate von bis zu 171,2 Kbit/s möglich. Im praktischen Betrieb sind es meist 55,6 Kbit/s - so langsam waren Modems in den Zeiten vor DSL. (mehr ...)
Edge
Enhanced Data Rates for GSM Evolution - Technik zur Erhöhung der Übertragungsrate von Daten in GSM-Mobilfunknetzen. Durch effizientere Modulationsverfahren sollen in der Summe bis zu 384 Kbit/s erreicht werden - das ist UMTS-Geschwindigkeit. Edge wurde bisher in 75 Ländern eingeführt. (mehr ...)
WiMax
Die WiMax-Technologie umfasst mehrere Standards zu Datenübertragung auf verschiedenen Funkfrequenzen. Manche WiMax-Standards brauchen eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger, bei anderen können die Signale auch Mauern durchdringen. Bei Tests soll WiMax schon Datentransferraten von mehr als hundert Mbit/s erreicht haben. Hermann Lipfert, Experte für Drahtlosnetze beim Münchner Institut für Rundfunktechnik (IRT), schätzt, dass in einer regulären WiMax-Funkzelle Tranferraten von 50 Mbit/s realistisch sind - unter idealen Bedingungen und bei Anwendung aller derzeit zur Verfügung stehenden technischen Tricks. Diese Bandbreite müssten sich dann wie bei UMTS alle Nutzer teilen, die in der jeweiligen Funkzelle online sind. (mehr ...)
DVB-T
Der DVB-T-Standard regelt die Verbreitung digitaler Fernsehsignale per Funk. Der DVB-Standard ist zwar auch dafür ausgelegt, Internetinhalte zu übertragen - in den Frequenzbereich eines einzigen analogen Fernsehkanals (etwa sieben MHz) passen aber gerade mal 13 Mbit pro Sekunde hinein. Wenn an einer einzigen Sendestation also 20 Nutzer hängen, die gleichzeitig etwa einen Dateidownload versuchen, wird es schon eng - die Datenrate für jeden Nutzer läge unter einem Mbit/s, also niedriger als die der günstigsten DSL-Verbindungen, die derzeit im Angebot sind. "Die größte Gefahr für diese Technik ist, von der Gegenwart überholt zu werden", sagt Sven Hansen von der Computerzeitschrift "c't". Überträgt man die Inhalte über DVB, geht das auch nur in eine Richtung - wie beim Fernsehen eben. Der Rückkanal muss dann auf anderem Wege hergestellt werden, etwa über eine herkömmliche Telefonleitung. Mausklicks im Browser gingen bei dieser Methode über die Telefonleitung zum Provider, die angeforderten Seiten würden dann von der DVB-Sendestation zurück zum Empfänger gefunkt. Das ist umständlich - und langsam. (mehr ...)
LTE
Long Term Evolution ist der Name, den eine Reihe von Mobilfunkunternehmen einem weiteren Standard der vierten Mobilfunkgeneration gegeben haben. LTE ist im Grunde eine Weiterentwicklung von UMTS - braucht aber gänzlich neue Hardware, einschließlich neuer Sendestationen. LTE konkurriert mit dem WiMax-Standard um die Marktführerschaft im mobilen Internet der Zukunft - zwischen den beiden Standards wird möglicherweise ein neuer Formatkrieg ausbrechen. LTE ist nach Einschätzung von Experten gegenüber WiMax allerdings etwa zwei Jahre im Rückstand, was die technologische Entwicklung angeht. (mehr ...)
mak



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