Mehrwert-SMS: Lebensversicherung statt Klingelton

Südafrikanische Handy-Kunden können jetzt per SMS eine Kurzzeit-Lebensversicherung für einen Euro abschließen. Der Service richtet sich speziell an Passagiere lebensgefährlicher Verkehrsmittel - und an Arme, die sich reguläre Versicherungen nicht leisten können.

Der Versicherungskonzern Metropolitan Life bietet jetzt in Südafrika eine in mehrfacher Hinsicht spezielle Versicherung an: Zunächst versichert das Unternehmen Passagiere der Taxi-Minibusse, die auf vielen, auch längeren Strecken das Standardverkehrsmittel der ärmeren Südafrikaner darstellen. Die Minibusse sind allerdings notorisch unsicher. Oft technisch in einem schlechten Zustand werden die Fahrzeuge bei Bedarf auch völlig überladen.

An klassischen Reisetagen wie dem Osterwochenende ist die Lebensgefahr für die Reisenden jedenfalls durchaus konkret, allein dieses Jahr kostete der Osterverkehr 276 Menschen das Leben. Metropolitan Life bietet den Minibus-Passagieren jetzt eine Lebensversicherung, die eine Woche lang gültig ist. Der "Cover2go" genannte Service kostet rund einen 1 Euro, im Todesfall werden rund 6.400 Euro an die Begünstigten ausgezahlt.

Mehrwert-SMS

Aber der Versicherungskonzern hat mit Cover2go nicht nur ein Produkt kreiert, das sich auch der typische Minibus-Passagier leisten kann. Die Zielgruppe der Lebensversicherung verfügt in der Regel auch über kein Bankkonto. Allerdings besitzt die Hälfte aller Südafrikaner ein Handy, und viele nutzen das Telefon auch schon, um ihre Geldgeschäfte ohne ein klassisches Girokonto abzuwickeln.

M-Banking, das hierzulande im Vergleich zum Online-Banking keine relevante Rolle spielt, ist in Südafrika daher schon vergleichsweise weit entwickelt und verbreitet. Dass man Geschäfte über das Handy abwickeln kann, ist also keine Neuigkeit für Südafrikaner, weshalb die Versicherung für Minibus-Passagiere schlicht per Mehrwert-SMS verkauft wird.

Pull statt Push

Derek Pead, Chef der von Metropolitan Life eigens gegründeten Cover2go-Tochter, erklärt den SMS-Verkauf vollmundig zur "Revolution in der Versicherungsbranche". Gegenüber der Site "Insurance.newsnet" sagte Pead: "Der Kunde erhält hier endlich die Kontrolle über den Verkaufsprozess, während bislang die traurige Maxime galt: 'Versicherungen können nur ver- aber nicht gekauft werden.'"

Sollte die Minibus-Police erfolgreich sein, könnte Pead durchaus Recht haben, wenn er von einer Revolution spricht - vor allem wenn man berücksichtigt, dass die gigantisch große Gruppe der Armen in Schwellen- und Entwicklungsländern via Handy auf einen Schlag als potentielle Versicherungskunden gewonnen werden könnte.

Um das Versicherungsgeschäft per Handy abzuwickeln, kooperiert Cover2go mit dem SMS-Dienstleister Clickatell, der beispielsweise für die europäische Kommission einen SMS-Nachrichtendienst betreibt. Um eine Cover2go-Police abzuschließen, muss der Käufer seinen Namen und seine Ausweisnummer per Textkurznachricht an die Versicherung senden. Die Antwort-SMS gilt dann als Police, und die Gebühr wird einfach mit der Handy-Rechnung bezahlt.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Mobil
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.