Mobil-TV per DVB-T Das Überall-Fernseh-Handy

Bisher ging es beim Handy-Fernsehen darum, welche Technologie Standard werden soll, DMB oder DVB-H. Nun passiert, was längst überfällig war: Zur Cebit werden Handys mit DVB-T-Empfänger vorgestellt - denn DVB-T gibt's schon fast überall.

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Eigentlich hatte man erwartet, TV-Handys würden groß und sperrig sein. Der südkoreanische Konzern LG Electronics belehrt uns eines Besseren: Schlank und schick werden die Mobilfunk-Glotzen - und funktionieren ganz anderes, als man es erwartet hätte.

Denn nicht etwa einer der beiden Handy-TV-Standards DMB (Digital Media Broadcast) oder DVB-H (Digital Video Broadcast-Handheld) steckt im neuen LG-Modell. Stattdessen haben die Ingenieure einen DVB-T-Empfänger (Digital Video Broadcast-Terrestrial) in das Gerät verpflanzt. Und der scheint nicht mal besonders aufzutragen, ist von außen nur an der ausziehbaren TV-Antenne zu erkennen.

Damit legt LG mit einem Trend vor, der sich über dieses Jahr noch verstärken dürfte. Bisher sind alle Versuche, das Fernsehen auf Mobiltelefone zu übertragen, in Deutschland gescheitert. Dieses Scheitern ist zu großen Teilen den Netzbetreibern anzulasten, die zunächst versuchten, Handy-Fernsehen als UMTS-Anwendung zu plazieren. Doch UMTS war zumindest in seiner Anfangszeit viel zu teuer, das Mobil-TV damit unattraktiv: Nach einer aktuellen Studie des Marktforschungsinstituts MMetrics liegt hierzulande bei Handy-TV-Angeboten die Zahl der Kündigungen höher als die Zahl der Neukunden.

Brüssel musste entscheiden

Schließlich verlegte sich die Branche darauf, TV über einen der beiden Mobil-Fernseh-Standards DMB oder DVB-H aufs Handy zu bringen. Auch dieser Versuch scheiterte. Während es beispielsweise in Südkorea längst vollkommen normal ist, TV-Soaps auf dem Weg zur Arbeit am DMB-Handy anzuschauen, konnten sich Gerätehersteller, Programmanbieter und Netzbetreiber hierzulande nicht auf einen einheitlichen Standard einigen.

Die Entscheidung fiel schließlich in Brüssel. Die Europäische Kommission verfügte, ihre Mitgliedsstaaten mögen doch bitte in ihren Hoheitsgebieten DVB-H einführen, um eine innereuropäische Kompatibilität zu schaffen. Folgsam entschieden sich die Landesmedienanstalten für DVB-H und vergaben die Lizenzen zum Aufbau eines entsprechenden TV-Netzes an das Medienkonsortium Mobile 3.0 GmbH. Bisher jedoch ist DVB-H nur in einigen Ballungsräumen empfangbar.

Ist "Überall" wirklich überall?

Anders sieht es mit DVB-T, dem sogenannten digitalen " Überallfernsehen", aus. Das ist zwar längst nicht überall, aber doch in großen Teilen Deutschlands empfangbar. Hinzu kommt, dass die Netzbetreiber verschnupft sind, weil sie die Lizenzen zum Aufbau des DVB-H-Netzes nicht bekommen haben. Schon Mitte Januar ließen etwa T-Mobile-Manager durchblicken, man werde zur Cebit in Sachen DVB-T am Handy aktiv werden.

LG schließlich prescht nur mit der Ankündigung seines noch namenlosen TV-Handys vor. Es soll neben dem Fernsehempfänger eine Kamera und einem MP3-Player enthalten. Surftouren sollen per HSDPA mit bis zu 3,6 Megabit pro Sekunde möglich sein - und damit bestens zu den Handynetzen von T-Mobile oder Vodafone passen.

Mehr Informationen gab der Konzern bisher nicht heraus. Nur so viel, dass man das Gerät im Rahmen einer Pressekonferenz am Vortag der Cebit präsentieren und im Mai einführen wolle. Ob es dann ein Erfolg wird, muss sich erst zeigen. Zwar sieht es schick aus und kommt als Klapphandy auch sehr kompakt daher. Aber zumindest bisher konnte sich Handy-TV keiner sonderlich großen Nachfrage erfreuen. Die dürfte erst kommen, glauben Experten, wenn der TV-Empfänger im Mobiltelefon ebenso selbstverständlich ist wie heute Bluetooth.

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