Mobiles Zuhause Vom Klingelton zur Türklingel

Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass das Mobiltelefon alle möglichen anderen Gadgets in sich vereinigt: MP3-Player, Uhren und Kalender sind selbstverständlich. Aber wer sagt, dass ein Telefon immer nur Bewegliches ersetzen muss? Künftig macht das Handy zu Hause die Tür auf.


Gerade in Zeiten, in denen die Wachstumsraten bei Mobiltelefonen in den industrialisierten Ländern kaum noch so rosig aussehen wie zu den Boomzeiten des letzten Jahrzehnts, sind die cleversten Erfindungen eigentlich die, die Mobilfunktechnologie dort einsetzen, wo sie kein Mensch erwarten würde: zu Hause.

Türklingel: Direkte Leitung zum Mobiltelefon?
DDP

Türklingel: Direkte Leitung zum Mobiltelefon?

Walelis GSM Doorbell zum Beispiel ist so eine Idee. Was früher einmal eine Türklingel, ein Haustürschloss, vielleicht noch eine Gegensprechanlage war, ist mit Waleli auf einmal ein Arrangement aus Mobilfunktechnologie. Das Ganze funktioniert in Kürze so: Wer vor der heimischen Haustür auf den Klingelknopf drückt, löst nicht einfach die Türglocke aus, sondern wird mit dem dazu passenden Telefon verbunden. Von da aus kann man dann mit dem Besucher sprechen und ihm die Tür öffnen. Klingt banal, hat aber gegenüber der klassischen Variante durchaus Vorteile.

Die Statements auf der Webseite geben einen ziemlich klaren Überblick darüber, warum das Sinn haben könnte. Man kann so - sollte man beispielsweise den Schlüssel vergessen haben - sich selber mit dem eigenen Telefon die Haustür aufmachen. Sollte man (besonders vertrauten) Besuch bekommen, aber selber noch nicht daheim sein, kann man den schon einmal herein lassen. Und wenn man den Eindruck erwecken möchte, dass man zu Hause ist, obwohl man sich gerade die Zehen in Honululu sonnt, ist die GSM-Doorbell durchaus nicht zu verachten.

Andere praktische Möglichkeiten wären, dem DHL-Mann sagen zu können, wo er die frisch bestellten Bücher abgeben kann, oder einfach nur zu erfahren, ob einen jemand in der Zwischenzeit besuchen wollte, oder man wirklich so vereinsamt ist, wie man sich manchmal vorkommt.

Klar, eine solche Technologie öffnet auch neuen Gefahren Tür und Tor. Dennoch erscheint es bislang erst einmal komplizierter, SIM-Karten zu klonen, als Schlüssel zu fälschen. Und im Falle eines Stromausfalls kann eine Nacht, in der man von zu Hause ausgesperrt ist, unter Umständen auch seinen abenteuerlichen Reiz haben.

Damit Walelis mobile Türklingel allerdings zum Erfolg wird, müssen die holländischen Designer wirklich noch einmal darüber nachdenken, ob ein Türschloss tatsächlich so aussehen sollte wie ein WC-Duftstein.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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