MobiSpray Graffiti aus der Handy-Sprühdose

An einen Beamer angeschlossen wird mit dem kleinen Programm MobiSpray das Handy zur virtuellen Spraydose. Und die Anwendung wurde ausnahmsweise einmal nicht für das iPhone, sondern für das weltweit führende Handy-Betriebssystem Symbian geschrieben.


Wenn es um innovative Handy-Anwendungen geht, stehen dieser Tage Apples iPhone und Googles mobiles Betriebssystem Android im Mittelpunkt des Interesses. Dabei gerät der traditionelle Platzhirsch unter den Smartphone-Systemen Symbian leicht aus dem Blickfeld. Das von Nokia dominierte System läuft in vielen Varianten heute auf mehr als 200 Millionen Handys unterschiedlichster Anbieter. Um gegen die neue, dynamische Konkurrenz zu bestehen, will Nokia Symbian jetzt zu einer offenen Plattform und so zum Standard-Betriebssystem für Mobiltelefone machen.

MobySpray: Virtuelle Sprühdose

MobySpray: Virtuelle Sprühdose

Auf der Symbian Smartphone Show, die unlängst in London stattfand, wurde der Führungsanspruch des Systems noch einmal unterstrichen. Dazu sind allerdings populäre oder wenigstens öffentlichkeitswirksame Anwendungen gefragt. Und hier hat Apple derzeit eindeutig die Nase vorn, dessen App-Store freie Entwickler besonders effizient zu kreativen Erfindungen für das iPhone anregt.

Ein leider etwas einsames Beispiel für Geistesblitze auf Symbian-Basis ist das Projekt MobiSpray, das in London großen Anklang fand. Die Software macht aus jedem Symbian-Smartphone mit Bewegungssensor eine virtuelle Spraydose. Über ein einfaches Menü wählt man zunächst eine Farbe und den passenden Spraykopf für die gewünschte Textur aus. Anschließend werden die Bewegungen des Handys per Bluetooth oder W-Lan an einen Beamer gefunkt, der das Graffiti auf eine beliebige Oberfläche projiziert.

MobiSpray wurde vom Medienkünstler Jürgen Scheible entwickelt, der unter anderem am Media Lab der Kunsthochschule Helsinki tätig ist. Die Software zu schreiben, sei eigentlich kinderleicht gewesen. "Schon mit drei Zeilen Code kann man eine Anwendung erstellen", erklärte Scheible gegenüber "SkyNews". Zudem unterstrich er, dass "die Zukunft des Handys vor allem in Eigenkreationen der Nutzer" liege, und nicht nur darin "Informationen aufs Mobiltelefon zu bringen."

Bei der Programmierung von MobiSpray konnte Scheible auf eine Reihe von Vorbildern zurückgreifen. Etwa auf die Arbeit des Hamburger Nachwuchsdesigners Benjamin Busse, der letztes Jahr für das Modelabel Ecko ein interaktives Plakat entwickelt hat. Dabei wird das Handy ebenfalls zur Spraydose, indem es via Bluetooth mit dem Plakat verbunden wird - wobei das "Plakat" in Wirklichkeit ein XXL-Monitor ist. Farb- und Spraykopf-Auswahl funktionieren dabei ähnlich wie bei MobiSpray. Allerdings werden die Bewegungen der Spraydose nicht über einen Bewegungssensor sondern über die Handy-Tastatur erzeugt.

WiiSpray

Den Bewegungssensor nutzt dagegen auch schon " WiiSpray", das an der Bauhaus-Universität Weimar entstand. Die Studenten Martin Lihs und Frank Matuse schrieben dazu eine Graffiti-Software für Nintendos Spielkonsole Wii. Und wenn statt eines TV-Geräts ein Beamer an die Spielkonsole angeschlossen wird, kann man mit WiiSpray ebenfalls ganze Häuser virtuell ansprühen. Zum echten Graffiti-Gefühl trägt dabei die eigens entworfene Spraydose bei, in der sich der Wii-Controller verbirgt.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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