Party-Hoax Handys machen Popcorn - aber nur auf YouTube

YouTube-Clips zeigen, wie Handystrahlung aus Puffmais Popcorn macht. Ein gut produzierter Tricks: Dass solche Filmchen Täuschungen sind, wurde allerdings schon anhand angeblich per Mobilfunk-Strahlung gekochter Eier ausgiebig diskutiert.


Kann man mit drei Handys Popcorn herstellen? Ja, wenn man den YouTube-Nutzer namens "bobtel08" fragt. Jedenfalls zeigt sein Video mit dem einnehmenden Titel "Wer kann das erklären?" scheinbar eindeutig, wie der Trick funktioniert. Einfach die Mobiltelefone mit wenigen Zentimetern Anstand um einige Puffmaiskörner plazieren, anschließend alle drei Handys anrufen - und schon springt das Popcorn munter durchs Zimmer.

Fest steht zunächst, dass "bobtel08" ein Händchen für Inszenierung hat. Die Kameraperspektive zeigt das Geschehen auf einem Couchtisch gut sichtbar im Vordergrund, und dahinter schön übersichtlich die drei Akteure mit sechs Handys (drei als Kochutensil, drei zum anrufen).

Dazu liefern sich zwei Stimmen auf der Tonspur einen aufgeregten, wenn auch etwas eintönigen Dialog. Die erste Stimme ist davon überzeugt, dass das Experiment funktionieren wird, die zweite gehört dem "Skeptiker", der erst durch die Maisgeschosse überzeugt werden kann.

Die Antwort auf die titelgebende Frage des Handy-Popcorn-Videos "Wer kann das erklären?" muss allerdings lauten: Niemand. Oder nur mit der Heizplatte unter dem Tisch und gutem Timing. Denn auch wenn Ängste vor per Mobilfunk weichgekochten Gehirnen entgegen aller wissenschaftlicher Erkenntnis populär bleiben, sind Handys zum Erhitzen von Lebensmitteln denkbar ungeeignet.

Trotzdem geistert die Geschichte von der aufwallenden Wirkung der Mobilfunkstrahlung seit Jahren immer wieder durchs Netz, bisher allerdings mit Eiern statt Popcorn als Beispiel. Dabei wechseln zwar Details in der Versuchsanordnung, manchmal ist das Ei angeblich in einer halben Stunde hart gekocht, manchmal dauert es etwas länger.

Gemein ist den periodisch aufkommenden Experimenten nur, dass sie auf Täuschung beruhen, und zwar in zweifacher Hinsicht. Zunächst haben zwei oder drei Handys schlicht nicht genug Sendeleistung, um ein Ei oder ein Maiskorn auch nur spürbar zu erwärmen. Dabei wären die genutzten Frequenzen prinzipiell sogar geeignet, um durch die sogenannte kapazitive Erwärmung einen Effekt zu erzielen.

Aber auch wenn Handys genügend Sendeleistung aufbrächten, um Eier oder Maiskörner zu erhitzen, wäre noch wenig gewonnen. Denn ohne Umgebungselement, das mit erhitzt wird, würden die Objekte die aufgenommene Wärmeenergie auch wieder an die umgebende Luft abgegeben.

Gekochte Eier oder Popcorn würde es also auch bei schwer aufgebohrten Handys so nicht geben.

Dass inzwischen Popcorn und nicht mehr Eier als Versuchobjekte herhalten müssen, hat dem bejahrten Trick aber trotz alledem ungeahnten Schwung verliehen. Denn das Video von "bobtel08" ist längst nicht das einzige seiner Art. Vielmehr häufen sich die Handy-Popcorn-Videos seit Jahresbeginn und die partytaugliche Idee scheint in den vergangenen Wochen gerade richtig in Fahrt gekommen zu sein.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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