Produktfälschung Plagiatoren bauen PSP-Handy

Chinesische Produktfälscher lassen mit hochwertigen Nachbauten das Original schon mal wie ein Plagiat aussehen. Manchmal wird aber auch weiterentwickelt statt nur kopiert, etwa die mobile Playstation PSP mit Handy-Funktion - ein "originäres" Piratenprodukt.


Produkt-Piraten aus China haben sich inzwischen den Respekt westlicher Konzerne erarbeitet, weil sie in einzelnen Fällen Geräte so schnell und gut kopieren, dass sie vor ihren Vorbildern auf den Markt kommen, wodurch das Original plötzlich als Fälschung seiner selbst gilt. Hin und wieder scheinen sich die Piraten allerdings nicht auf ihre Rolle als Kopierkünstler beschränken zu wollen, dann entstehen auf der Basis von Markenartikeln "neue" Geräte, für die es gar kein exaktes Vorbild mehr gibt.

Screenshot Phonedaily.com: PSP mit Telefonfunktion

Screenshot Phonedaily.com: PSP mit Telefonfunktion

Diese "freie Interpretation" von Produkten hat zuletzt durch einem "E-Smart" Furore gemacht: Die Autos der chinesischen Firma CMEC sehen dem Modell Fortwo der DaimlerChrysler-Tochter Smart zum Verwechseln ähnlich, sind aber im Unterschied zur Vorlage mit einen Elektro- statt mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet.

Und ähnlich wie der chinesische Autohersteller das Smart-Image im Grunde genommen perfekt trifft, hat eine Firma, die unter dem Kürzel TJR agiert, sich von Sonys mobiler Spielkonsole PSP inspirieren lassen: Bei dem Gadget drängt es sich nämlich geradezu auf, eine Handyfunktion zu integrieren.

Von Sony geklaut, von Nokia gelernt

Letztes Jahr kursierten prompt Gerüchte über die Entwicklung eines "PSP Phone" durch Sony. Der Konzern hat bisher noch nichts Entsprechendes verlauten lassen, aber die genauso dreisten wie erfindungsreichen TJR-Entwickler haben ihre Vorstellungen zum Thema jetzt umgesetzt. Dabei haben sie das Vorbild zunächst auf die halbe Größe geschrumpft, um bequemes Telefonieren zu ermöglichen - ein schlauer Zug angesichts der Häme, die Nokia für sein klobiges Game-Handy "N-Gage" ertragen musste.

Auf dem kompakten Klon namens "V191" steht im PSP-Schriftdesign "FUN", zur Funktionalität als GSM-Handy wurde noch eine 1,3-Megapixel-Kamera hinzugefügt, das Abspielen von Videos im MP4-Format ist ebenfalls möglich.

Stolze Piratenpreise

Spielen kann man mit dem Playstation-Imitat natürlich auch, laut der taiwanischen Site Phonedaily, die auch mit zahlreichen Fotos aufwartet, sogar Original-Games. Dieser Leistungsumfang ist natürlich nicht zum Ramschpreis zu haben, das "PSP Phone" wird für stolze 650 Dollar gehandelt.

Plagiate bekommen durch aufwendig entwickelte und hergestellte Geräte wie das V191 von TJR eine ganz neue Dimension, unter anderem weil es für die Markenhersteller schwierig wird, den Konsumenten zu erklären, warum sie die Piraten-Gadgets links liegen lassen sollen: Schließlich befriedigt TJR Kundenwünsche, die Sony bisher ignoriert. Mit einfallslosen, billigen Fakes wie der "Pop-Station", die der PSP nur auf den ersten Blick ähnelt, haben der "E-Smart" und das "Playstation-Handy" jedenfalls außer der Urheberrechtsverletzung nicht mehr viel gemein.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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