Rohstoff-Abbau Handys bedrohen Gorilla-Bestand

Ein kostenloses Handy-Spiel soll auf die Situation der Gorillas im Kongo aufmerksam machen. Deren Lebensraum schrumpft durch den Abbau des Roherzes Coltan immer weiter - und Coltan steckt in jedem Handy.


Die Organisation Kiwanja.net hat es sich zur Aufgabe gemacht, digitale Hilfe zur Selbsthilfe in die Staaten der Subsahara zu bringen. Mangels Festnetz-Infrastruktur drehen sich fast alle Projekte ums Handy, wobei Kiwanja.net in erster Linie als Dienstleister für andere Organisationen agiert. Dazu werden mobile Anwendungen und Services entwickelt, mit denen Hilfprojekte schneller und effizienter realisiert werden können.

Flachland-Gorilla, Kongo: Handy-Produktion führt unmittelbar zur Einschränkung seines Lebensraumes
AP

Flachland-Gorilla, Kongo: Handy-Produktion führt unmittelbar zur Einschränkung seines Lebensraumes

Die neueste Entwicklung von Kiwanja.net passt zunächst gut in dieses Muster, da es sich um ein Handy-Programm handelt. Allerdings keines, mit dem demokratische Strukturen aufgebaut oder medizinische Kampagnen geführt werden könnten. " Silverbackers" ist nämlich ein Videospiel fürs Handy-Display, und soll vor allem in den reichen Industriestaaten gespielt werden. Denn Silverbackers soll nicht nur Spielspaß bringen, sondern auch auf die Situation der Gorillas im Osten der Demokratischen Republik Kongo aufmerksam machen.

Tödlicher Handy-Boom

Das Videospiel läuft aber nicht nur auf dem Handy, es handelt auch davon, wie der Mobiltelefon-Boom die Gorillas gefährdet. Denn just im Lebensraum der akut vom Aussterben bedrohten östlichen Flachlandgorillas finden sich bedeutende Vorkommen eines Rohstoffs namens " Coltan". Das Roherz ist genauso rar wie begehrt, weil aus ihm das Metall Tantal gewonnen werden kann. Und Tantal hat spezielle Eigenschaften, die bei der Herstellung von zahlreichen Industrieprodukten wie chirurgischen Instrumenten oder Abgas-Katalysatoren gefragt sind.

Zu einer regelrechten Nachfrageexplosion hat aber erst die Miniaturisierung digitaler Geräte geführt, aktuelle Laptops und Handys ließen sich ohne Tantal nicht herstellen. Im Zuge der New Economy überhitzte daher auch der Coltan-Markt, von zuvor 60 Dollar pro Kilogramm stieg der Preis 2001 zeitweilig auf mehr als 600 Dollar. Nach dem Platzen der Spekulationsblase fiel der Coltan-Preis zwar wieder auf moderate 80 Dollar, aber die Nachfrage ist nach wie vor hoch. Im letzten Jahr zog auch der Coltan-Kurs wieder an, er liegt jetzt bei rund 100 Dollar pro Kilogramm.

Bergbau im Reservat

Den Gorillas in den kongolesischen Nationalparks Kahuzi Biega und Virunga wurde der Coltan-Boom während des Bürgerkriegs zum Verhängnis, der ab 1996 tobte und erst letztes Jahr offiziell beendet wurde. Die hohen Coltan-Preise und die fehlende staatliche Überwachung führten zu völlig planlosen Bergbauaktivitäten. Gravierende Umweltschäden waren die Folge. Unter anderem wurden größere Flächen des schon stark reduzierten Lebensraumes der Gorillas zerstört.

Laut einem Bericht des Diane Fossey Gorilla Fund von 2001 ging die Zahl der östlichen Flachlandgorillas im Kahuzi Biega-Nationalpark durch den Raubbau innerhalb von zehn Jahren von 8000 auf weniger als 1000 zurück. Und auch wenn diese Zahlen schwer überprüfbar sind, müssen die Gorillas im Kongo unter der hohen Coltan-Nachfrage unbestreitbar leiden.

Heute herrscht zwar offiziell wieder Frieden, aber angesichts der schwachen Zentralmacht geht der Coltan-Raubbau in den Gorilla-Lebensräumen unvermindert weiter. Das Handy-Spiel "Silverbackers" soll auf diese Zusammenhänge aufmerksam machen und in der Folge zum Spenden animieren. Das Spiel selbst gibt es als kostenlosen Download, es bietet acht Level, in denen man einen Gorilla durch seinen gefährlichen Lebensraum navigieren muss.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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