Schmutzige Handys Tödliche Telefone

Wo gesprochen wird, sind Körperflüssigkeiten nicht weit. Aber während wir beim Gespräch von Angesicht zu Angesicht eine gewisse Distanz wahren, kommen wir unserem Handy gefährlich nah - und das wurde jetzt als Bakterienherd identifiert.


In Douglas Adams' SciFi-Klassiker "Per Anhalter durch die Galaxis" stirbt eine ganze Zivilisation, weil sie die Berufsgruppe der Telefon-Desinfizierer für überflüssig hält und dem vermeintlich sicheren Tod im Weltraum anheim gibt.

Staphylokokken: Zivilisation vom Untergang bedroht?
CDC/ Janice Carr CDC/Janice Carr

Staphylokokken: Zivilisation vom Untergang bedroht?

Schenkt man der Zeitung "Express" aus Trinidad und Tobago Glauben, scheint das Romanszenario prophetische Züge zu besitzen: Demnach stehen Handys im dringenden Verdacht, Überträger der potentiell tödlichen MRSA-Bakterien zu sein, an denen im Juli drei Patienten in einem Krankenhaus der Antillen-Republik verstarben - MRSA sind Staphylokokken-Stämme, die multiple Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt haben.

Handys sind wie Zahnbürsten

Eine Studie, die an der University of Arizona durchgeführt wurde, kam unlängst zu dem Ergebnis, dass sich die MRSA-Bakterien auf einem Fünftel aller untersuchten Handys nachweisen ließen, weshalb empfohlen wird, das Mobiltelefon so behandeln wie die eigene Zahnbürste: Auf keinen Fall mit anderen Personen teilen.

Einer der Studienautoren, Charles Gerba, weist darauf hin, dass Handys durch den häufigen Kontakt mit den Fingern und die Tatsache, dass sie beim Telefonieren in Mundnähe gehalten werden, für die Bakterien-Übertragung geradezu prädestiniert seien.

Paranoia hält sich in Grenzen

So dramatisch wie SciFi-Autor Adams oder der Wissenschaftler Gerba die Ansteckungs-Situation am Mobiltelefon beschreiben, dürfte die Lage am Ende aber doch nicht sein:

Gerba weist sich durch seine Co-Autorenschaft des Buchs "The Germ Freak's Guide to Outwitting Cold and Flu" explizit als Hypochondrie-Experte aus. Und sowohl Samsung als auch Motorola haben bereits letztes Jahr Handys mit antibakterieller Beschichtung auf den Markt gebracht, ohne dadurch einen neuen Mobiltelefon-Standard zu setzen.

Wissenschaftler der ETH in Zürich haben sogar herausgefunden, dass bestimmte Bakterien durch den Einfluss des Niederfrequenzfeldes, das von einer Handy-Batterie erzeugt wird, eine leicht höhere Sterblichkeit aufweisen - was aber leider als Hinweis auf eine mögliche Gefährdung des Nutzers durch die gleichen Frequenzen zu verstehen ist.

Sascha Koesch / Robert Stadler, de-bug.de



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