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Sicherheitsrisiko: Funkchip-Reisepass zündet Bombe

Mit Funkchips ausgestattete Reisepässe sollen die Identifikation von Reisenden sicherer machen - die ohnehin umstrittenen Hightech-Reisedokumente können allerdings auch als Auslöser für versteckte Bomben verwendet werden.

In Deutschland werden bereits seit Ende letzten Jahres Reisepässe ausgegeben, in denen ein Funkchip (RFID) integriert ist: Auf diesem werden derzeit digitale Passfotos gespeichert, ab 2007 sollen zusätzlich die Abdrücke der beiden Zeigefinger hinzukommen. In den USA wird gerade mit der Ausgabe erster ähnlicher Pässe begonnnen, auch hier ist zunächst das digitalisierte Passbild gespeichert, biometrische Merkmale sollen folgen.

Reisepass: Bombenzündung per Funkchip?
DDP

Reisepass: Bombenzündung per Funkchip?

Die Pässe sollen vor allem Flugreisen sicherer machen. Es gab jedoch schon Hinweise auf gravierende Lücken im System: So ist es Lukas Grunwald, dem Geschäftsführer der Hildesheimer Firma DN-Systems, gelungen, die in den Pässen verwendeten RFID-Chips zu klonen - Terroristen könnten demnach mit dem Profil eines unbescholtenen Bürgers Kontrollen umgehen.

Pass als Bombenzünder

Doch damit nicht genug: US-Sicherheitsexperten der Firma Flexilis haben sogar schon gezeigt, wie man den US-RFID-Pass als Zünder für eine Bombe benutzen, und dass die Zündung sogar in Abhängigkeit von der Nationalität des Passinhabers erfolgen kann.

Die US-Reisepässe sind zwar gegen heimliches Auslesen durch eine spezielle Beschichtung geschützt, die verhindert, dass die auf dem RFID-Chip gespeicherten Informationen zugänglich sind, wenn der Pass geschlossen ist - allerdings reicht es schon aus, den Pass nur einen Zentimeter weit zu öffnen, um diese Maßnahme zu umgehen.

Laut einer Flexilis-Demonstration, die auch als Video auf Youtube vorliegt, reicht also ein US-Reisepass, der in einer Tasche mit etwas Spielraum transportiert wird, als Bombenauslöser: Ein RFID-Lesegerät aktiviert dabei den Zünder, sobald ein Pass mit Funkchip in unmittelbarer Nähe vorbeigetragen wird. "Gezielte Angriffe auf US-Bürger" würden so ermöglicht, heißt es in dem Video.

US-Bürger löst Explosion aus

Die Fachleute haben nämlich gezeigt, dass es möglich ist, die Nationalität eines RFID-Reisepasses festzustellen und die Zündung einer Bombe wiederum von diesem Kriterium abhängig zu machen: Damit könnten Sprengfallen speziell auf bestimmte Nationalitäten abgestimmt werden, beliebig viele andere Funkchip-Pässe könnten den Nahbereich des RFID-Lesers, der an eine Bombe gekoppelt ist, ohne Folge passieren - der erste US-Reisepass würde allerdings eine Detonation auslösen.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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