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Singapur wird WLAN-Land: Gratis ins Internet, aber ohne VoIP

In Singapur können Bewohner und Besucher die nächsten drei Jahre per WLAN umsonst ins Internet. Handy-Netze bekommen dadurch aber keine Konkurrenz, da Voice over IP technisch unterdrückt wird.

In Singapur braucht man seit letzter Woche nur noch ein funktionierendes Handy, um sich für die Gratis-Nutzung von bald 5.000 WLAN-Hotspots anzumelden: Der autoritäre Stadtstaat setzt mit dem Projekt "Wireless@SG" gewissermaßen zum großen Sprung über den digitalen Graben an.

Singapur: Internet mit Handy aber ohne VoIP
REUTERS

Singapur: Internet mit Handy aber ohne VoIP

Den speziellen Verhältnissen in Singapur entsprechend wird das Projekt vom Staat gesteuert und teilweise auch finanziert. An der Umsetzung werden aber auch private Unternehmen beteiligt. So bieten neben der börsennotierten, aber staatlich dominierten SingTel auch QMax und iCell den kostenlosen WLAN-Zugang an. Aktuell betreiben diese drei Provider 900 Hotspots, im September 2007 sollen es bereits 5.000 sein. "Wireless@SG" sollte zuerst auf zwei Jahre begrenzt werden, zum Start in der letzten Woche wurde das Projekt aber auf drei Jahre ausgeweitet.

Voice over IP ausgesperrt

Um bestehenden kommerziellen WLAN-Angeboten nicht die Geschäftsgrundlage zu entziehen, ist die Geschwindigkeit im Gratis-Internet derzeit auf 512 KBit/s begrenzt. Und um den Mobilfunknetzen keine subventionierte Konkurrenz zu bereiten, erlaubt "Wireless@SG" auch keine Internet-Telefonie - wobei sich die gleiche Frage wie bei einigen deutschen Handy-Flatrates für die Datenübertragung stellt: Wie kann Voice over IP in einem IP-Netz überhaupt "verboten" werden?

Entgegen dem ersten Eindruck von der offenen und "freien" Internet-Architektur, kann die VoIP-Nutzung vom Netzbetreiber in der Praxis recht einfach unterbunden werden, zunächst durch die Sperrung bestimmter Adressen und sogenannter Ports, die große VoIP-Services verwenden. Und sogar wenn ein technisch versierter Nutzer das Verbot umgeht, indem er seine Daten verschlüsselt und "getunnelt" verschickt, kann ihm der Netzbetreiber ohne Weiteres auf die Schliche kommen: VoIP hinterlässt nämlich eine Art "Fingerabdruck" im Datenfluss, weil es kontinuierlich und symmetrisch charakteristische Übertragungsraten erzeugt. Diese können automatisch erkannt und der Nutzer gesperrt werden.

Verordnete Innovation

"Wireless@SG" ist Teil eines Programms, das aus Singapur eine technologisch getriebene Wissens-Ökonomie machen soll. Der Stadtstaat hat dazu die Parole "Intelligent Nation 2015" ausgerufen, mit dem zeitgeistigen Kürzel "iN2015". Die künstliche Einschränkung des kostenlosen Internet-Zugangs erscheint vor diesem Hintergrund fast schon symbolisch.

Die "Intelligent Nation 2015" soll nach offizieller Lesart eine "neue Freiheit" für Kommunikation und Innovation bringen, während Singapurs Regierung die freie Meinungsäußerung im Internet alles andere als geheuer ist. Zuletzt wurde daher ein Gesetz erlassen, das die politische Berichterstattung im Internet rund um die Wahlen im Stadtstaat verbietet.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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