Software-Entwickler: Das große Ganze als Programm

Die ersten, die sich einen Eindruck von Googles Handybetriebssystem machen können, sind Programmierer. Ihnen will der Konzern ab kommender Woche ein Entwickler-Kit zur Verfügung stellen.

Entwickler von Handy-Software sind heutzutage meist hochspezialisierte Firmen. Bevor sie mit ihrer Arbeit loslegen können, müssen sie sich auf die Programmierrichtlinien und Spezifika des jeweiligen Herstellers einrichten. Haben sie das einmal getan, bleiben sie meist auch dabei, weil es zu aufwendig wäre, sich noch einmal in ein anderes System einzuarbeiten. Dementsprechend entscheiden sich die meisten Entwickler für ...

1. Kompatibilität

Entwickler beim Programmieren: Das Android-Betriebssystem soll es ihnen künftig leichter machen, Handy-Software zu entwickeln und zu vermarkten
AP

Entwickler beim Programmieren: Das Android-Betriebssystem soll es ihnen künftig leichter machen, Handy-Software zu entwickeln und zu vermarkten

Bislang pflegt jeder Handy-Hersteller sein eigenes Betriebssystem. Das hat zur Folge, dass oft Unterschiedliches und vor allem zueinander vollkommen Inkompatibles dabei herauskommt - sogar wenn die Zutaten identisch sind. Das beste Beispiel bietet das Symbian OS, bei dem sich etliche Firmen bedienen. Dennoch sind Symbian-Telefone alles andere als kompatibel. Wer also ein Programm für das Symbian-Handy Nokia N95 schreibt, kann diese Software noch lange nicht auf einem Sony Ericsson P1 laufen lassen.

Mit Android soll das anders werden. Die neue Plattform soll dafür sorgen, dass Applikationen auch über die Grenzen einzelner Hersteller oder gar Geräte hinaus kompatibel sind. Damit erschließen sich den Entwicklern völlig neue Märkte. Eine einmal geschriebene Software könnte auf allen Android-basierten Geräten funktionieren, egal aus welchem Hause sie kommen. Als einzige Einschränkung gelten spezielle Hardware-Anforderungen, etwa wenn eine Software einen GPS-Empfänger voraussetzt.

Diese Kompatibilität erhöht natürlich die Absatzchancen. Schließlich lässt sich eine Android-Software an die Kunden verschiedener Handy-Hersteller verkaufen - oder verschenken. Gleichzeitig wird auf diese Weise die Bindung der Anwender an eine bestimmte Software erhöht. Wer ein Programm liebgewonnen hat, wird beim nächsten Handy-Kauf einfach wieder ein Android-basiertes Modell wählen und die Software vom alten auf das neue Gerät übertragen.

2. Parallel-Verarbeitung

Linux, auf dem Android fußt, ist ein echtes Multitasking-Betriebssystem. Es kann mehrere Prozesse parallel zueinander ausführen, ohne dass diese sich gegenseitig stören. Stürzt ein Programm ab, läuft der Rest des Systems weiter. Unter anderem aus diesen Gründen hat sich Palm entschlossen, das in die Jahre gekommene Palm-OS-Betriebssystem auf Linux umzustellen.

Zudem soll Android auch Mehrkern-Prozessoren unterstützen. Damit steht Handy-Herstellern künftig der Weg offen, Geräte zu entwickeln, die wesentlich leistungsfähiger sind als bisher. Vor allem aber dürften künftige Mobiltelefone mit Mehrkern-CPU weit besser als aktuelle Modelle in der Lage sein, mehrere Programme nebeneinander ablaufen zu lassen, ohne dass es dabei zu Verlangsamungen kommt.

3. Der Linux-Bonus

Linux ist seit jeher das Lieblings-Betriebssystem vieler Programmierer. Seine Vorteile: Man kann es leicht an die persönlichen Bedürfnisse anpassen, bis in seine tiefsten Tiefen hinein steuern und bei Bedarf überflüssige Teile über Bord werfen oder neue hinzuschreiben. Zudem gibt es im Internet einen reichhaltigen Fundus an Programmen und Werkzeugen, um Linux um neue Funktionen zu erweitern.

Dazu gehören auch Sicherheitsfunktionen. Denn während die Linux-Plattform bislang kaum Ziel von Virenangriffen oder anderer Schadsoftware war, könnten Millionen Linux-basierter Mobiltelefone wie eine Einladung für Hacker wirken. Große Sorgen muss man sich dennoch nicht machen. Denn mit vergleichsweise geringem Aufwand lässt sich auch ein Mobil-Linux relativ gut gegen derartige Angriffe abdichten.

Wie das geht, macht der Software-Hersteller Montavista mit seinem Mobilinux 5.0 vor. In das wurde eine Mini-Version von SELinux (Security-Enhanced Linux) integriert. Diese Software sorgt dafür, dass beispielsweise das Betriebssystem und die Einstellungen des Handys nicht ohne Einverständnis des Anwenders verändert werden können. Eindringlinge haben so kaum eine Chance, sich auf einem solchen Gerät einzunisten.

4. Mehr Entwickler

Ab kommender Woche will Google das Android-Entwickler-Paket (SDK) kostenlos zum Herunterladen anbieten. Damit hat selbst jeder Hobbyprogrammierer die Möglichkeit, eigene Programme für die künftige Mobil-Plattform zu schreiben. Auf diese Weise dürfte das System vom Start weg eine riesige Auswahl kostenloser und teils wohl auch kostenpflichtiger Programme bieten..

Genau dieser Aspekt hat schon Microsoft zum Erfolg verholfen. Schließlich gibt es für kein anderes Betriebssystem eine vergleichbar große Auswahl unterschiedlicher Programme wie für Microsofts Windows.

Und mit etwas Glück werden die für Android angebotenen Programme sogar von besonders hoher Qualität sein. Genug Zeit, sie zu optimieren, haben die Entwickler. Die ersten Android-Handys sollen schließlich erst in der zweiten Jahreshälfte 2008 auf den Markt kommen - und selbst das ist kein Versprechen, sondern nur eine Absichtserklärung.

mak

Zurück zur Übersicht

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Google - der neue Handy-Gigant?
insgesamt 62 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
T. Wagner 05.11.2007
Naja, versuchen kann man's ja. Aber wie erfolgreich kann Google sein, wenn es die Energieversorger dieser Welt es auch nach - wievielen Jahrzehnten eigentlich? - nicht geschafft haben, sich auf eine Form von Steckdose zu einigen. Oder auf genormte Telefonstecker weltweit. Oder, oder, oder... Ich begrüße JEDEN Versuch, inkompatiblen Blödsinn zu normen, in eine Form zu pressen und dies weltweit verfügbar zu machen. Ich wünsche Google viel Glück und Erfolg. Der gemeine Netzwerkstecker und das MP3-Format haben es schon geschafft! Ich drücke die Daumen!
2. Werden sie wohl leider schaffen
Robert Hut 05.11.2007
Das wird noch schrecklicher als WindowsMobile sein, ein mit Google-Werbung verseuchtes Handy. Hoffentlich bleiben noch ein paar seriöse Anbieter übrig..bin auch gerne bereit, ein paar Euro mehr dafür zu bezahlen, damit meine Privatsphäre da anfängt, wo ich es will. Für mich ist Werbung die schlimmste Geissel der Menschheit. Schlimmer als Krieg, denn den kann man beenden...oder besser, erst gar nicht anfangen. Es wird ein Kommunikationsalptraum. Mist.
3. WerbeTelefon
Magggus 05.11.2007
Naja, also gPhone klingt ganz gut, aber wollen wir wirklich Werbung auf dem Handy? Ich bitte das zu bedenken wenn man sagt:"Ja Google ist der Heilsbringer im iPhone verseuchten (smart)Phone-Markt.
4.
drq 05.11.2007
naja was heißt werbung auf dem Handy. Die bauen ein OpenSource! Betriebssystem. Die Werbung wird ja nicht ins Handy gepflanzt, sondern sie wollen erreichen, dass Surfen auf dem handy sich genauso anfühlt wie am Rechner. Also wird man natürlich dort Werbung sehen, wo man sie kennt. Eben halt im Browser Aber es ist ja nicht so, als dass man das Handy startet und dann Werbung kommt, bevor man es benutzen könnte. Also erstmal abwarten.
5.
weiser Mönch 05.11.2007
Also von zupflaster kann man glaube ich nicht sprechen. Google Werbung ist schon sehr dezent! Und mal im ernst was wünscht man sich mehr als eine Open-Source Plattform fürs Handy? Gerade unter dem Standpunkt das Handys immer mehr zum Computer werden und ich von Microsofts Monopolstellung nicht gerade angetan bin, bin ich froh das sich das auf dem Handy hoffentlich nicht wiederholen wird.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Mobil
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite

E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.