Solidarität 2.0 Radarfallen-Warnung am Handy

Ein Projekt aus dem Umfeld der Genfer Universität schickt sich an, Überraschungen durch Radarfallen den Garaus zu machen. Per Handy sollen Autofahrer in bester Web2.0-Manier die aktuellen Standorte melden und dafür Warnungen erhalten.


Informatiker der Universität in Genf haben ein System entwickelt, das alle Zutaten zum ultimativen Radarfallen-Killer mitbringt: Einzige Voraussetzung für das Gelingen scheint die Teilnahmebereitschaft einer genügend großen Zahl Autofahrer zu sein, denn "FoxyTag" setzt vollständig auf die Mitarbeit seiner Nutzer, dafür soll das System aber auch nach der Beta-Phase gratis bleiben.

Zu spät: Die preiswerteste Technik, Knöllchen zu vermeiden, ist übrigens die Beachtung der Tempolimits
DDP

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Vereinfacht gesagt sollen die FoxyTag-Nutzer per Tastendruck am Handy eine Markierung setzen, sobald sie eine Blitzanlage erspähen, und je mehr Fahrer dies tun, umso akkurater, vollständiger und aktueller können die Warnungen erfolgen: Nähert sich ein Teilnehmer einer im System erfassten Radarfalle, gibt das Handy akustisch Alarm, dazu wird der Radarstandort auf der Karte am Handy-Display als roter Punkt markiert.

Handy, GPS-Gerät und Bluetooth

Um FoxyTag zu nutzen, braucht man zunächst ein Handy-Model, auf der die Java-Software aus Genf läuft, eine Liste mit mehreren Dutzend geeigneter Geräte findet sich dazu auf der Projekt-Site. Das Mobiltelefon selbst muss dabei nicht zwingend über eine GPS-Funktion verfügen, stattdessen kann man auch ein separates Satelliten-Navigationsgerät verwenden und dieses via Bluetooth mit dem Handy verbinden.

Derart gerüstet, muss man sich eigentlich nur noch merken, dass eine Radarfalle beim Vorbeifahren immer mittels der Nummerntaste "1" am Handy markiert (oder bestätigt) wird, während im System eingetragene, aber nicht mehr aktuelle Blitzanlagen mittels der "0" gemeldet werden. Die Verarbeitung der Nutzerinformationen läuft unterdessen vollautomatisch, wobei über jeden Teilnehmer - ähnlich wie bei den eBay-Bewertungen - ein "Verlässlichkeits-Profil" erstellt wird: Wer dauernd Unsinn meldet, der nicht mit den Meldungen der anderen FoxyTag-Fahrer übereinstimmt, wird von der Software schlicht als unzuverlässige Quelle eingestuft, die auch keine Warnungen mehr erhält.

Der Datenhaken

Das dezidiert nicht-kommerzielle Projekt scheint insgesamt gut konzipiert und durchdacht, dazu entspricht es auch noch den Wunschvorstellungen der UMTS-Netzbetreiber: Ein Service mit Massen-Appeal, der permanent für den eifrigen Konsum mobiler Datendienste sorgt.

Neben der psychologischen Hürde einer Software-Installation auf dem Handy könnte sich allerdings gerade die FoxyTag-Vernetzung mittels GPRS oder UMTS als problematisch erweisen, da die Dienste in der Dauernutzung ohne passende Flatrate schnell sehr teuer werden können. Im Ausland sollte man auf die Radarwarnungen jedenfalls prinzipiell verzichten.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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