Spionage und Spannerei Handy-Fernsteuerung gegen Mobil-Schnüffler

Spionage ist normalerweise ein Insiderjob. Die nötige Technologie, früher James Bond vorbehalten, gehört heute dank multifunktionaler Handys fast zum Alltag. Neue Software soll gegen die Spione mit Kameras helfen.


Während Telefone zunehmend "schlauer" werden, ermöglichen sie auch Dinge, die man eigentlich gar nicht will: So bieten laut einem Bericht der IT-Site "The Inquirer" führende Mobilfunkprovider in Europa und den USA bereits eine Software an, mit der sämtliche Handy-Funktionen nach Belieben ein- und ausgeschaltet werden können.

Spanner haben es leicht in Zeiten des Kamera-Handys - wie auch Industriespione

Spanner haben es leicht in Zeiten des Kamera-Handys - wie auch Industriespione

Die Versuchungen, moderne Mobiltelefone zum Sammeln von unerwünschten, peinlichen oder auch gefährlichen Daten zu nutzen, ist schon seit der Zeit, als Handy-Kameras noch eher einen unappetitlichen Happen Pixel erzeugten, groß. So groß, das die meisten Kamera-Handys schnell einen Ton verpasst bekamen, der das Auslösergeräusch einer normalen Kamera simuliert.

Damit unterband man etwa in Japan den aufstrebenden Volkssport, Schulmädchen mit dem Handy unter die Röcke zu knipsen.

Mittlerweile sind die Möglichkeiten und damit auch die Risiken enorm gewachsen: Handy-Kameras erreichen Megapixel-Auflösungen, durch ein einfaches USB-Kabel werden Mobiltelefone zu mobilen Festplatten, und auch Audioaufnahmen werden gerne als Spionagefeature eingesetzt. Die Direktverbindung zum Internet schmuggelt die gesammelten Daten schließlich ohne weiteres auch am aufmerksamsten Pförtner vorbei.

Handy-Bann in Büros

Angesichts dieser Möglichkeiten sorgen sich vor allem große Firmen darum, dass ihre Sicherheitsbemühungen an den Handys der Mitarbeiter scheitern, weshalb die Geräte manchmal schon vor dem Betreten der Büros abgegeben werden müssen - und auch in einigen Berliner Clubs ist dieses Vorgehen schon beobachtet worden.

Da Handys andererseits auch immer stärker in den Arbeitsprozess einbezogen und zur Organisation der Mitarbeiter genutzt werden, kann das Handy-Verbot nur eine Notlösung sein. Genau hier setzen Software-Pakete wie das der Firma Mformation ein: Über eine oft übersehene Funktion, die auch automatische Updates erlaubt, das sogenannte OTA (over-the-air programming), lassen sich beliebige Features von Telefonen an- und abschalten - und das sozusagen per Fernbedienung über das Mobilnetz. Über OTA lässt sich die Firmware eines Handys verändern, die sämtliche Handy-Funktionen steuert, womit sich auch für vorsichtige Arbeitgeber ganz neue Perspektiven ergeben.

Ferngesteuerte Telefone

Beim Eintritt in das Firmengebäude lässt sich die Firmware der Angestellten-Handys beispielsweise so modifizieren, dass kritische Funktionen wie Kameras einfach abgestellt, oder Netzwerkeinstellungen für WLan und Bluetooth entsprechend den Sicherheitsbestimmungen eingestellt werden. Beim Verlassen der Firma wird das geliebte Multifunktionshandy dann automatisch wieder voll einsatzfähig.

Damit ist aber nur eines von vielen Sicherheitslöchern gestopft: Besucher werden wohl kaum den Zugriff auf das eigene Handy erlauben, und selbst für Insiderjobs wird der Datenträger Mensch keineswegs als Risikofaktor ausgeschaltet, denn USB-Sticks oder MP3-Player eignen sich ebenfalls zum Ausspähen von Firmengeheimnissen.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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