Tag 1 mit dem iPhone Frust und Freude nach der Bescherung

Die Schlangen haben sich aufgelöst. Fast überall konnten die Apple-Fans ihr iPhone mit nach Hause nehmen. Sind sie jetzt glücklich? Eine Spurensuche am Tag nach der Handy-Revolution.

Von Sascha Klettke


Es ist ein wenig so wie Weihnachten am Tag nach der Bescherung. Die Geschenke sind ausgepackt, und die Menschheit zerfällt in zwei Gruppen: Die einen spielen mit ihren Geschenken, die anderen warten darauf, dass Geschäfte wieder aufmachen, um sie umtauschen zu können. Und dann gibt es noch die, die darauf hoffen, endlich einen kompetenten Call-Center-Mitarbeiter ans Ohr zu bekommen. So lassen sich die Kommentare auf den Webseiten der US-Computermedien zusammenfassen.

Besonders hart erwischt hat es die Redaktion der Computer-Fachzeitschrift "Macworld". Der Zwischenstand: Von vier erworbenen iPhones sind zwei in Betrieb, die andere Hälfte verweigert den Dienst. Das eine bleibt komplett schwarz und gibt weder Töne noch Bilder von sich, das andere lässt sich nicht aktivieren - zahlreichen Anrufen und einem Fillial-Besuch beim Netzbetreiber AT&T zum Trotz.

Die meisten der ersten Kunden, die sich jetzt schon in Internetforen beschweren, haben etwas an AT&T auszusetzen. Die Mitarbeiter an den Hotlines seien zwar freundlich, könnten aber nicht weiterhelfen. Probleme gibt es anscheinend bei der Tarifumstellung von bestehenden AT&T-Kunden, die früher mal einen Business-Tarif hatten.

Andere Beschwerden dürften sich in den nächsten Stunden erledigt haben: Wer daran verzweifelt, dass die neue SIM-Karte noch nicht freigeschaltet wurde, kann auf automatische Abhilfe hoffen. Auch hierzulande kann die Aktivierung neuer Handy-Karten bis zu 24 Stunden dauern. Da AT&T jetzt auf einmal einen großen Ansturm bewältigen muss, ist mit Wartezeiten wohl zu rechnen.

Den verärgerten Käufern, die noch darauf warten, dass ihr teures Spielzeug endlich funktioniert, stehen die ersten euphorischen Anwender-Berichte gegenüber: Ein Mann berichtet im Macworld-Forum, dass seine Frau nur fünf Minuten gebraucht habe, um das erste Telefongespräch zu führen. Sie habe die "beste Handy-Erfahrung" ihres Lebens gemacht. Steven Snell berichtet in seinem Blog, dass sein iPhone ihm schon in der ersten Nacht sehr geholfen habe: Der Wagen sprang nicht an. Mit dem neuen Handy habe er den Pannendienst anrufen können (was wohl auch mit jedem anderen Mobiltelefon funktioniert hätte) und mit Google Maps nach der nächsten Nebenstraße suchen können, um den Pannendienst zu rufen.

Eine fundierte Einschätzung, wie viele der ersten iPhone-Besitzer glücklich oder unglücklich sind, ist nur schwer möglich. Apple hat noch keine Verkaufszahlen vom ersten Abend veröffentlicht. Und viele Käufer dürften trotz des neuen Geräts erstmal schlafen gegangen sein, bevor sie das iPhone gründlich ausprobiert haben, anders als der New Yorker SPIEGEL ONLINE-Korrespondent Marc Pitzke

Apple macht ein Geheimnis daraus, wie viele Geräte in den Lagern auf Käufer warten. Experten in den USA rechneten aber damit, dass allein am ersten Verkaufswochenende 200.000 bis 300.000 Exemplare abgesetzt würden. Bis Ende 2008 will Apple zehn Millionen iPhones verkaufen und somit rund ein Prozent des weltweiten Handy-Marktes erobern.

Fest steht schon jetzt, dass es in diesen Tagen wohl kein trendigeres Accessoire als das iPhone gibt. So wollten auch Prominente schon am ersten Tag dabei sein: Apple-Mitgründer Steve Wozniak reihte sich im Westfield-Valley-Einkaufszentrum in die Schlange ein, berichten die San Jose Mercury News. Die vor ihm wartenden Apple-Fans ließen ihn aber vor. Und der Bürgermeister von Philadelphia, John F. Street, verbrachte nach einem Bericht der "New York Times" einen Großteil des Tages damit, vor einer iPhone-Ausgabestelle zu warten. Sein Sprecher erklärte, Street habe seine Amtsgeschäfte in dieser Zeit mit seinem alten Handy und einem Blackberry erledigen können.

mit AFP/Reuters



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