Telefon für abgelegene Gebiete Mobilfunk mit Solar- und Windenergie

In Namibia sollen Wind- und Sonnenenergie eine Mobilfunkbasisstation rund um die Uhr mit Energie versorgen. Die vollwertige Alternative zum aufwendigen Anschluss ans Stromnetz könnte ein Modell für viele abgelegene Gegenden werden.


Motorolas Netzwerksparte wird in Kürze die weltweit erste Mobilfunk-Basisstation in Betrieb nehmen, die mit Wind- und Solarenergie betrieben wird. Dabei geht es dem Konzern aber nicht um den Öko-Aspekt der Anlage, sondern schlicht darum, die Handy-Nutzung in Gegenden ohne konventionelle Stromversorgung zu ermöglichen.

Telefonie-Laden in Somalia: 20 Prozent der Welt fehlt die Infrastruktur für ein flächendeckendes Telefonnetz
AP

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Dementsprechend errichtet Motorola den ökologisch korrekten Handy-Mast auch nicht in Europa, sondern in Namibia, und damit in einem der hoffnungsvollsten Wachstumsmärkte für die Mobilfunkindustrie: Nachdem in Europa, Japan und den USA die Handy-Penetration bereits um die 100 Prozent liegt, erreicht die Branche ihre zweistelligen Wachstumsraten durch die rasante Entwicklung in den Entwicklungs- und Schwellenländern.

Marktpotentiale

Von den aktuell etwa 6,5 Milliarden Menschen auf der Erde leben laut einer Studie der GSM Association 80 Prozent im Einzugsgebiet bestehender Handy-Netze, der Rest in eher dünn besiedelten und ökonomisch schwachen Gebieten. Trotzdem sollen nach den Plänen der Netzbetreiber 2010 bereits 90 Prozent der Weltbevölkerung prinzipiell mobil Telefonieren können, was ohne neue Wege in der Stromversorgung der Basisstationen nicht zu erreichen sein wird.

Mit der Anlage in Afrika, die zusammen mit dem Netzbetreiber MTC Namibia errichtet wird, zielt Motorola also vor allem auf viel versprechende Marktpotentiale. Das besondere an der Basisstation ist laut Konzernangaben die Kombination aus Wind- und Solar-Energie: MTC Namibia betreibt versuchsweise bereits eine Reihe Sender ausschließlich mit Solarenergie, die allerdings zu vertretbaren Kosten keinen vollwertiger Ersatz für Anlagen mit konventioneller Stromversorgung darstellen - weil tagsüber gewonnene Energie mit großem Aufwand für den nächtlichen Betrieb gespeichert werden muss.

Überschaubare Bauzeit

Durch die Kombination von Wind- und Solarenergie hofft Motorola jetzt eine technologische Alternative für die aufwendige Erschließung abgelegener Gebiete bieten zu können: "Die Verlegung von Stromkabeln kostet pro Kilometer 8000 Dollar", erklärte der MTC-Manager Jochen Traut der BBC.

Noch stärker fällt allerdings ins Gewicht, dass die Installation von Stromleitungen ein bis zwei Jahre dauern kann: "Die Investitionen für die Wind- und Solaranlage bewegt sich im gleichen Rahmen, wie die für einen Anschluss ans Stromnetz", erläutert Linda Brown, von Motorolas britischer Netzwerksparte: "Aber die Bauzeit und die Betriebskosten sprechen für unsere Lösung." Die britische Motorola-Tochter hat mit einer Pilotanlage in Swindon positive Erfahrungen beim Betrieb einer Mobilfunkbasisstation mit Wind- und Sonnenenergie gesammelt.

Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler



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