Telefon-Klau Berliner fasst Diebe per Handyortung

Was tun, wenn das Handy geklaut wird? Ein Berliner hatte Glück und konnte seine Mobiltelefone via Handyortung wiederfinden. Dabei hatte er die Diebe geradezu zur Selbstbedienung eingeladen und sämtliche Vorsichtsmaßnahmen missachtet.

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Berlin - Gleich zwei Mobiltelefone ließ der 23-Jährige in seinem Wagen liegen. Und das ausgerechnet in Berlin, der Hauptstadt der Handy-Diebe.

Gesucht und gefunden. Per Handyortung lässt sich der Standort von Mobiltelefonen - leidlich genau - bestimmen.

Gesucht und gefunden. Per Handyortung lässt sich der Standort von Mobiltelefonen - leidlich genau - bestimmen.

Prompt wurden die Handys am Dienstagnachmittag aus seinem geparkten Auto entwendet. Statt den Diebstahl der Polizei zu melden oder die Handys beim Provider sperren zu lassen, machte sich der Besitzer selbst auf die Jagd. Via Internet, so berichtet der Pressesprecher der Hauptstadt-Polizei, habe er die Handys orten können. Erst dann alarmierte er die Polizei. Die wiederum erwischte die Diebe: beim Telefonieren mit den gestohlenen Handys.

Darüber, wie genau der junge Mann den Aufenthaltsort der Telefon-Diebe in Erfahrung brachte, machte die Polizei jedoch keine Angaben.

Chancen bei der Handy-Suche

Möglicherweise ist der Bestohlene Kunde beim Mobilfunkprovider O2. Der bietet seinen Kunden eine kostenlose Ortung des Handys mittels "Handyfinder" an. Um diesen Dienst nutzen zu können, muss man Auf der O2-Website registriert sein und sich mit seinem Passwort einloggen. Spätestens zwei Minuten nach Eingabe der gesuchten Handynummer wird der ungefähre Standort des Handys angezeigt.

Ist er hingegen Kunde bei Vodafone oder E-Plus, wird er sich an einen Handy-Ortungsdienst gewandt haben. Der nach eigenen Angaben größte Anbieter solcher Dienstleistungen in Deutschland ist die Berliner Intervista AG mit ihren piCOS-Dienst. Wer sich dort samt Handy kostenlos registriert, kann im Schadensfall per Online-Anfrage den Standard des verlorenen oder gestohlenen Mobiltelefons ausmachen. Natürlich kann man diesen Dienst auch nutzen, um beispielsweise herauszufinden, wo sich der Sohn oder die Tochter gerade aufhält. Alles jedoch nur nach vorheriger Registrierung und Aktivierung über das Handy.

Allerdings hat das System seine Grenzen. Die Genauigkeit der Positionsbestimmung hängt stark davon ab, wie dicht die Mobilfunk-Basistationen beieinander stehen. In den Innenstädten, wo viele solcher Stationen aufgebaut sind, kommt man auf eine Genauigkeit von 30 bis 50 Metern. Auf dem Land hingegen hat man kaum Chancen, auch nur eine halbwegs genaue Positionsbestimmung durchzuführen.

Pro Ortung werden 0,49 Euro fällig. Die Abrechnung erfolgt im Prepaid-Verfahren. Man muss also ein Guthaben erwerben. Das gibt es in Stückelungen von 5, 10, 25 und 50 Euro. Ein kleines, nicht nutzbares Restguthaben bleibt daher immer übrig.

Eine Alternative, speziell, um Kinder über ihr Handy orten zu können, ist der Dienst "track your kid", über den die Bewegungen von bis zu fünf Handys abgefragt werden können.

T-Mobile-Kunden bleiben von all diesen Ortungsdiensten freilich ausgeschlossen. Ausgerechnet Deutschlands größter Mobilfunk-Provider verschließt sich bisher den Möglichkeiten der Handyortung.

Was tun, wenn das Handy weg ist?

Der erste Schritt sollte sein, den Mobilfunkprovider zu informieren und das Handy sperren zu lassen. Das ist schon deshalb wichtig, weil der Handy-Dieb bis zu diesem Zeitpunkt auf Kosten des Besitzers telefonieren kann. Erst nach einer solchen Diebstahlsmeldung wird man von weiteren Kosten freigehalten. Wichtig: um sich dem Hotline-Mitarbeiter auszuweisen, sollte man entweder sein Passwort oder aber die PUK-Nummer (Personal Unblocking Key), die mit der SIM-Karte geliefert wurde, zur Hand haben.

Ist man Vodafone-Kunde, sollte man zudem die die sogenannte IMEI-Nummer (International Mobile Equipment Identity), eine 15-stellige, einmalige Seriennummer des Handys, zur Hand haben. Am einfachsten kommt man an diese Nummer, indem man am Handy die Tastenkombination *#06# eintippt. Über die IMEI kann das Handy komplett aus dem Mobilnetz ausgesperrt werden. Da nützt es dem Dieb auch nichts, eine neue SIM-Karte einzusetzen. Diese Sperre funktioniert allerdings nur, wenn der jeweilige Provider sie auch unterstützt. Da dies in Deutschland offenbar nur bei Vodafone der Fall ist, ist die IMEI-Sperre daher nur von bedingtem Nutzen. Schließlich kann sich der Dieb auch in ein anderes Handynetz einbuchen.

Beide Sperren darf man aber nicht aktivieren, will man das Handy per Handyortung wiederfinden. Nutzt man also einen Service wie den von piCOS, muss man das Risiko eingehen, dass der Dieb währenddessen munter Kosten verursacht, indem er teure Auslandsgespräche über das geklaute Telefon führt.

Als letzten Schritt gilt es natürlich auch, bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Hierfür benötigt man neben dem Namen des Herstellers, der Modellbezeichnung, Farbe und weiteren Details auch die IMEI-Nummer.

Vorsorge ist besser

Es gibt ein paar Grundregeln, die man beachten sollte, um Handy-Dieben das Leben schwer zu machen. Dazu gehört es natürlich, das Handy nicht offen im Auto liegen zu lassen. Vor allem aber sollte man das Gerät, wenn man es gerade nicht benötigt, abschalten und die PIN-Abfrage aktivieren. Dann wird beim Einschalten die PIN-Nummer abgefragt. Auf diese Weise kann zumindest verhindert werden, dass ein Dieb auf Kosten des Handybesitzers telefoniert.

Und, ganz wichtig: für den Fall der Fälle sollte man die Hotline-Nummer des Mobilfunk-Anbieters sowie die eigene Handynummer parat haben. Nicht wenige Mobiltelefonierer kennen nämlich ausgerechnet die eigene Nummer nicht auswendig.



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