Test in der Toskana SMS ruft Müllabfuhr-Roboter

In einem kleinen Ort in der Toskana startet im März ein Feldversuch, bei dem Roboter Müllabfuhr und Straßenreinigung übernehmen sollen. Statt zu festen Zeiten zu kommen, sollen sie die Hausmülltonnen leeren, sobald die Bewohner eine SMS an die Stadtreinigung schicken.


Die italienische Ortschaft Peccioli hat rund 5.000 Einwohner, verwinkelte Gassen und eine stattliche historische Bausubstanz. Angesichts des Örtchens, das rund 50 Kilometer südwestlich von Florenz in der Toskana liegt, denkt man unwillkürlich an die Attribute eines klassischen Italien-Urlaubs: gediegene Landschaft, alte Architektur und traditionelles Essen. Dabei wird in Peccioli in Kürze ein Experiment durchgeführt, das sich nach Science Fiction anhört: Roboter sollen Müllabfuhr und Straßenreinigung übernehmen.

Dustbot-Homepage: In der Toskana sollen künftig Roboter die Drecksarbeit übernehmen

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In dem Praxistest soll ein Roboter namens DustClean die Straßen Pecciolis selbständig von Abfällen säubern, während sein Kollege DustCart den Hausmüll abholt. Letzteres geschieht nicht zu festgelegten Zeiten, sondern ganz nach den Bedürfnissen der Einwohner. Wenn die Mülltonne voll ist, sollen sie eine SMS an die Zentrale der Müllabfuhr schicken, woraufhin sich der Blechmüllmann hoffentlich in Bewegung setzen wird.

DustCart und DustClean sind Varianten des Roboters DustBot, der in den vergangenen drei Jahren von Forschern der Universität von Florenz und der Scuola Superiore Sant'Anna entwickelt wurde. Die Wissenschaftler kooperierten mit sieben weiteren Institutionen aus fünf europäischen Ländern. Ein Großteil des rund 2,8 Millionen Euro umfassenden Projekt-Budgets kommt von der Europäischen Union. Der Name des Sauber-Bots wurde von einer Disney-Figur inspiriert, hat aber auch direkte Vorfahren: Unter dem Namen "DustBot" brachte die japanische Firma Tomy bereits 1985 eine Reihe staubsaugender und staubfegender Roboter auf den Markt, die allerdings eher als Spielzeug zu verstehen sind.

Das Ergebnis der bisherigen Entwicklung ist die Plattform DustBot, die ihre Aufträge je nach Einsatzgebiet auf unterschiedliche Weise erledigt. Als DustCart rollt das Gefährt aufrecht wie der Roller Segway. Es ähnelt einer Mülltonne auf Rädern, die erst durch Antenne und Monitor ihre High-Tech-Anmutung erhält. Die DustClean-Variante ist dagegen gekippt und auf vier Rädern unterwegs, um in Staubsauger-Manier die Straßen zu reinigen. Damit orientiert sie sich an Vorbildern, die ihre Alltagstauglichkeit bereits unter Beweis gestellt haben, wie der Roboter-Staubsauger "Roomba".

Aus dem Wohnzimmer auf die Straße

Beide Müllmann-Roboter finden ihren Weg prinzipiell mit dem Satellitennavigationssystem GPS. Aber die Sauber-Bots wären nicht alltagstauglich, würden sie stur auf errechneten Routen unterwegs sein. Straßenverkehrstauglichkeit sollen sie durch Ultraschall-Sensoren erhalten, mit denen sie anderen Verkehrsteilnehmern und Hindernissen aller Art, die nicht in ihren digitalen Karten verzeichnet sind, ausweichen.

Wenn die Tests in Peccioli erfolgreich verlaufen, wäre dies wohl ein entscheidender Schritt in Richtung der oft beschworenen allgegenwärtigen Alltagsrobotik. "Ob hinter der Bar, im Flughafen oder bei der Müllabfuhr: Roboter werden in 10 bis 15 Jahren zum Alltagsbild gehören, ähnlich wie die Waschmaschine, die vor 40 Jahren ihren Einzug gehalten hat," sagte beispielsweise Jens Hanke von der Berliner Hightech-Schmiede Robowatch Technologies letztes Jahr zu SPIEGEL ONLINE.

Und auch die Forscher des DustBot-Projekts suchen ständig nach weiteren Einsatzgebieten für ihre Plattform. So soll eine DustBot-Variante demnächst im japanischen Osaka älteren Menschen beim Tragen von Einkaufstüten behilflich sein, wie Projektleiter Paolo Dario gegenüber " pressetext" erklärte.

Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler

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