Touchscreen-Telefone Wenn das Handy zweimal ruckelt

Handys mit Touchscreens lassen viele Nutzer verwirrt zurück. Den meisten Telefonisten ist die Display-Steuerung zu gefühllos. Nokia kooperiert deshalb mit Immersion - einem Spezialisten für Ruckeltechnik bei Game-Controllern.


Der Trend geht weg von der Tastatur und hin zum Touchscreen - und das nicht erst, seit das iPhone in aller Munde ist. Mobile Geräte wie Handys und Organizer sind für die betatschbaren Displays geradezu prädestiniert - schließlich geht es auf der Oberfläche der Gadgets besonders beengt zu. Da sind glitzernde berührungsempfindliche Oberflächen natürlich ein Segen.

Touchscreen-Telefon: Verwirrend unhaptisch
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Touchscreen-Telefon: Verwirrend unhaptisch

Auch kommt die flexible Gestaltung der Eingabeelemente dem aktuellen Trend zur Integration immer neuer Funktionen entgegen. Mehrfach belegte Tasten waren schon immer nur Notnägel, waren schon immer gewöhnungsbedürftig.

Doch die Touchscreen-Lösung hat durchaus auch Nachteile: Vielen Nutzern fehlt die von Tasten und Knöpfen gewohnte Haptik, mit der man den Eingabevorgang intuitiv nachvollziehen kann. Durch grafische und akustische Effekte ist diese nicht zu ersetzen.

Bald mehr Funktionen als Finger

Dieses "Feedback-Problem" dürfte sich noch verschärfen: Die aktuellen Touchscreen-Handys stellen nur den Anfang einer Entwicklung dar. Deren Eingabetechnik ist noch ziemlich beschränkt, mehr als eine Berührung können sie gleichzeitig nicht erfassen. Eingabegeräte für Spezialanwendungen können da längst mehr: "Dexter", ein Controller für Audio-Studios des Herstellers Jazzmutant, erlaubt bereits die gleichzeitige Kontrolle von zehn Parametern. Finden solche Mehrpunkt-Touchscreens ihren Weg aus der Nische in den Massenmarkt, wächst das "Feedback"-Problem weiter.

Eine mögliche Lösung zeichnet sich aber schon ab: Das haptische Erlebnis könnte beim Drücken einer virtuellen Taste durch Rütteln oder Vibrieren ersetzt werden. Vorreiter dieser Entwicklung ist das von Spielkonsolen bekannte "Force-Feeedback", mit dem schon jetzt differenzierte Ruckel-Effekte erzeugt werden können.

Immersion kooperiert mit Nokia

Die aus Games entliehene Rappel-Technik wurde bereits in einige Samsung-Modellen integriert; den Durchbruch auf dem Massenmarkt dürfte aber eine Vereinbahrung zwischen Handy-Primus Nokia und der Firma Immerson markieren. Immerson erregte bislang vor allem durch langjährige Patentstreitigkeiten mit Sony und Micrsoft um die Feedback-Funktionen von Game-Controllern Aufmerksamkeit.

Die Kooperation mit Nokia dürfte das Einsatzspektrum der Immerson-Technik deutlich erweitern. Der Handy-Konzern erwarb die Nutzungsrechte für den weltweiten Einsatz von Immersons " VibeTonz" - und zwar auf einer "langfristigen" Basis. Neben Touchscreen-Anwendungen könnte das taktile Feedback auch Telefonfunktionen unterstützen, bei denen das Gerät ans Ohr gehalten wird - beispielsweise wenn während eines Gesprächs ein weiterer Teilnehmer "anklopft".

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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