UMTS für den Hausgebrauch Ein privates Handynetz für jedermann

Neben oder statt des heimischen WLAN sollen private UMTS-Funkzellen schon bald zum Massenprodukt werden. Die Mini-Sende- und Empfangsstationen sollen die schnelle, preiswerte DSL-Anbindung nutzen. Und in allen Räumen einwandfreien Handy-Empfang gewährleisten.


Mobilfunk-Basisstationen für den Hausgebrauch, sogenannte Femto-Zellen, sollen die Handy-Nutzung schon bald radikal verändern. Die Geräte sollen im Nahbereich der eigenen Wohnung das Netz des jeweiligen Mobilfunkanbieters ersetzen. Femto-Zellen erzeugen dafür ein Mini-UMTS-Netz, das über den eigenen DSL-Anschluss mit dem Rest der Kommunikationswelt verbunden wird.

Webseite von ip.access: Eine UMTS-Basisstation für den Privathaushalt

Webseite von ip.access: Eine UMTS-Basisstation für den Privathaushalt

Nach Angaben der Hersteller werden Femto-Zellen für Privatanwender keinerlei Installations- oder Wartungsaufwand verursachen, alles funktioniere per Plug-and-Play. Die Femto-Zelle wird durch ein Ethernet-Kabel mit dem DSL-Modem verbunden und ist sofort betriebsbereit. Genauso problemlos soll auch der Übergang vom Mobilnetz des Handy-Vertragspartners zur Privatzelle funktionieren.

Provider-Gerangel

Die Vorteile, die Femto-Zellen dem Anwender bieten, liegen auf der Hand: Ohne das Telefon wechseln zu müssen, kann man daheim zu preiswerten Internet-Konditionen telefonieren und Datendienste nutzen. Außerdem dürfte man damit in den eigenen vier Wänden nie mehr Probleme mit schlechtem Empfang haben. Lästige Funklöcher in bestimmten Gebäudeecken würden der Vergangenheit angehören.

Lokale Mobilfunknetze kamen bislang nur im Geschäftskundenbereich zur Anwendung. Hier ist in der Regel von Pico-Zellen oder -Netzen die Rede. "Pico" heißt ein Billionstel, "Femto" ein Billiardstel. Besonders logisch ist die Unterscheidung der professionellen und privaten Anwendung zwar nicht, aber wahrscheinlich sollen beide Begriffe nur verdeutlichen, dass es sich im Vergleich zum regulären Handy-Netz um sehr kleine Funkzellen handelt.

Marktreife Geräte

Heute drängen die Hersteller der Femto-Zellen allerdings auch mit großem Elan in den Heimanwender-Markt. Möglich wird dies durch den rapiden Verfall der Preise für die nötigen Bauteile. Gleichzeitig sind die Komponenten soweit miniaturisiert worden, dass die UMTS-Funkzellen für den Hausgebrauch nur noch Taschenbuchdimensionen haben.

Marktreife Geräte wird es noch in diesem Jahr von allen einschlägigen Herstellern geben: Ericsson hat eine Femto-Zelle für "Mitte des Jahres" angekündigt. Die Firma ip.access präsentierte gerade ihr Gerät namens "Oyster 3G", und das Pendant der Firma Ubiquisys, in die Google kürzlich 25 Millionen Dollar investierte, heißt "ZoneGate". Nach Angaben der Marktforscher von ABI-Research soll die neue Geräteklasse schnell zu einem Massenprodukt werden. Bis 2012 sollen nicht weniger als 70 Millionen Einheiten abgesetzt werden.

Einzelverkaufspreise werden unterdessen von keiner der Firmen genannt. Die Geräte sollen auch nicht über den regulären Handel, sondern in Kooperation mit Internet- beziehungsweise Mobilfunk-Anbietern vermarktet werden. Konflikte sind programmiert: Einerseits drohen der Handy-Branche Verluste durch die DSL-Nutzung in der "Home-Zone". Andererseits beherrschen immer mehr Handys ohnehin WLAN, weshalb die Mobilfunkbetreiber ihre Kunden mit Hilfe der Femto-Zellen weiter an sich binden könnten. Ihr fast unschlagbarer Vorteil besteht in der reibungslosen Übergabe zwischen dem öffentlichen und dem privaten UMTS-Netz, der ohne die Unterstützung der Mobilfunker kaum möglich ist.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.