US-Gerüchte: Apple könnte Mobilfunkanbieter werden

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Ein Handy, ein iPod mit W-Lan und ein mobiler Musikshop: Apple steigt mehr und mehr in den Mobilfunk ein. Schon wittern Experten weitreichende Absichten. Apple könnte in die Branche expandieren, ein eigenes Funknetz betreiben.

Eine Meldung der "Business Week" brachte den Stein ins Rollen. Aus zwei nicht näher bezeichneten Quellen will die Zeitung Details zu Apples möglichem Mobilfunk-Engagement erfahren haben. Demnach haben sich Konzernchef Steve Jobs und andere Mitglieder der Unternehmensführung schon mit einem möglichen Einstieg befasst.

Steve Jobs bei der Vorstellung des iTunes Wifi Store: Interesse an einem eigenen Mobilfunknetz?
AP

Steve Jobs bei der Vorstellung des iTunes Wifi Store: Interesse an einem eigenen Mobilfunknetz?

Der Schluss liegt nahe - schließlich steigt die ehemalige Computerfirma aus dem kalifornischen Cupertino gerade massiv in die mobile Kommunikation ein. Den Anfang machte das iPhone, dessen Popularität nach der jüngsten Preissenkung noch mal deutlich wachsen dürfte. Erst in der vergangenen Woche wurde der iPod touch vorgestellt. Dank integriertem Browser und W-Lan-Funktionalität kann man auch damit unterwegs online gehen. Und zu guter Letzt ist da noch der iTunes Wifi Store, die mobile Version von Apples Online-Plattenladen.

Außerdem konnte Jobs in der vergangenen Woche verkünden, dass kein anderes Apple-Produkt je so positiv von seinen Käufern aufgenommen wurde wie das iPhone. Die Zufriedenheitswerte der iPhone-Kunden würden alles übertreffen, was Apple je hergestellt habe. Dass es dennoch immer wieder Gejammer seitens der Kunden gibt, kann also nur am Service des Netzbetreibers AT&T liegen - mit dem jeder iPhone-Käufer in den USA einen Zweijahresvertrag abschließen muss.

Erst wurde über Probleme bei der Freischaltung dieser Verträge geklagt, dann über komplizierte Rechnungen, die mehrere hundert Seiten lang waren. Berichte über den quälend langsamen mobilen Internet-Zugang, den AT&T seinen iPhone-Kunden zumutet, sind ein Dauerbrenner.

Finanziell kann Apple sich ein eigenes Netz leisten

Solche Querelen ist man bei Apple nicht gewöhnt. So verwundert es kaum, dass Apples Spitzenmanager nach Möglichkeiten Ausschau halten, ein mobiles Funknetz unter eigener Regie zu betreiben.

Die Gelegenheit ist günstig. In den USA läuft gerade die Endphase der Umstellung vom analogen zum digitalen Fernsehprogramm, die bis 2009 landesweit abgeschlossen sein soll. Durch diese Umstellung werden die bisher vom Fernsehen belegten Fernsehfrequenzen im 700-Megahertz-Bereich frei - und genau diese sollen im Januar 2008 versteigert werden.

Besonders interessant wäre dieses Frequenzband laut "Business Week" für Anbieter datenlastiger Mobilfunkdienste. Der Grund: Das 700-Megahertz-Band soll höhere Datenübertragungsgeschwindigkeiten ermöglichen als die bestehenden Funknetze.

Insgesamt plant die US-Kommunikationsbehörde FCC, vier Lizenzen für die künftigen Mobilfunkfrequenzen zu vergeben. Als Mindestgebot wurden 4,6 Milliarden Dollar pro Lizenz festgelegt. Sollte ein Unternehmen alle vier erwerben wollen, läge das Mindestgebot bei zehn Milliarden Dollar. Weil Apple sich über die vergangenen Jahre ein fettes Finanzpolster angespart hat, wäre der Erwerb einer solchen Lizenz für das Unternehmen finanziell kein Problem. Insgesamt sollen 14 Milliarden Dollar in Apples Kasse bereit liegen. Für den Ausbau des Fernsehnetzes zu einem landesweiten Mobilfunknetz wären nur "einige Hundert Millionen" aufzubringen, vermutet die "Business Week" - fast schon Kleingeld für den Apple-Konzern.

Auch Google hat Interesse

Allerdings - und auch darauf weist die "Business Week" hin - müsste sich Apple als Mobilfunkanbieter auch mit vollkommen ungewohnten Problemen herumplagen. Man müsste sich um ein sicheres und zuverlässiges Funktionieren des Netzes kümmern und versuchen, die typischen Vorzüge von Apple-Produkten in die Mobilfunkwelt zu übertragen, also einfache Bedienbarkeit und Reduzierung auf das Wesentliche.

Ob sich Apple wirklich damit belasten will, ist fraglich. Schließlich liefe das Unternehmen Gefahr, nicht nur einen substanziellen Teil seiner Rücklagen in ein waghalsiges Projekt zu investieren. Außerdem würde der Aufbau eines Apple-eigenen Mobilfunknetzes Ressourcen binden, die besser für die Entwicklung neuer Apple-Produkte genutzt werden könnten.

Außerdem ist Apple bei weitem nicht die einzige Firma, die sich für die neuen Mobilfunkfrequenzen interessiert. Auch einige der etablierten US-Mobilfunkprovider sollen interessiert sein. Doch damit nicht genug. Auch Google-Chef Eric Schmidt hat schon angekündigt, sein Unternehmen werde wahrscheinlich um eine der Lizenzen mitbieten - nebenbei ist Schmidt Mitglied im Apple-Board.

Als K.o.-Kriterium für Apple könnte sich freilich ein ganz anderes Detail erweisen. Denn den Vorgaben der FCC zufolge muss der Erwerber einer solchen Lizenz dafür sorgen, dass sein neues Netz in vielerlei Hinsicht nach außen offen ist. So müssen alle Nutzer auf das Netz zugreifen, unabhängig von ihrer Hard- und Software. Genau diese Einschränkung dürfte Apple verschrecken. Schließlich gehört es zu den ehernen Apple-Prinzipien, geschlossene Systeme zu vermarkten: Das Apple-Betriebssystem Mac OS X soll bitte nur auf Macintosh-Rechnern laufen, Songs aus dem iTunes Store nur auf iPods abspielbar sein. Ob man sich bei Apple von diesem Prinzip trennen würde, um ein eigenes Funknetz zu betreiben, ist fraglich.

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