Via Handy und Callcenter: GPS-Navigation für Blinde

Integrierte Handy-Services sollen zukünftig Hör- oder Sehgeschädigten Menschen mehr selbständige Orientierung bringen. Die italienische Region Piemont installiert bereits ein flächendeckendes Hilfssystem für alle blinden Einwohner.

Mobile Dienste, die Handy-Funktionen mit Satellitennavigation und ortsabhängigen Informationen kombinieren, können Blinden, Schwerhörigen oder Tauben zukünftig deutlich mehr Unabhängigkeit im Alltag bescheren. Die meisten entsprechenden Ideen befinden sich allerdings noch in der Testphase.

Kein kleines Minderheitenproblem: In Deutschland gelten rund 165.000 Menschen als blind, über eine Million als sehbehindert
DPA

Kein kleines Minderheitenproblem: In Deutschland gelten rund 165.000 Menschen als blind, über eine Million als sehbehindert

Etwa das "LAMA"-Projekt aus den IBM-Entwicklungslabors im britischen Hursley, bei dem Fahrpläne und Ansagen an Flughäfen oder Bahnhöfen aufs Handy kommen. So können sich Blinde den Inhalt von Anzeigetafeln vorlesen lassen , während Menschen mit Hörschwäche Ansagen per SMS erhalten. Oder der "elektronische Blindenhund", der per Sensor und GPS sicheres Navigieren im Freien ermöglicht, und auf der letzten Cebit mit einem Designpreis ausgezeichnet wurde.

Navi-Info-System für 3000 Blinde

Mit dem Assistenzsystem "Easy Walk" für seine blinden Bürger hat die italienische Region Piemont das Experimentalstadium bereits hinter sich gelassen. Bis zum Sommer soll das System allen rund 3000 Blinden der Region rund um Turin zur Verfügung stehen - 24 Stunden täglich und in ganz Italien.

"Easy Walk" kombiniert die Daten aus einem GPS-Empfänger mit einer individuellen Callcenter-Betreuung: Nutzer erhalten auf Anfrage Informationen zu Restaurants, Apotheken in ihrer Nähe oder zu beliebigen anderen Zielen, anschließend können sie sich von Mitarbeitern des Callcenters lotsen lassen, die dazu die Position des Blinden in Echtzeit auf ihren Monitoren verfolgen können.

Gemeinde trägt Kosten

Seit kurzem nutzen rund 30 Blinde aus Turin den "Easy Walk"-Service, in den kommenden Monaten soll die Zahl langsam erhöht, und die üblichen Kinderkrankheiten behoben werden: "Zunächst ließ die Präzision der Ortsbestimmung noch zu Wünschen übrig, aber dieses Problem wurde inzwischen behoben", zitiert die britische Zeitung "Telegraph" den Testteilnehmer Federico Borgna: "Das Beste am Service ist allerdings das Callcenter, weil die Mitarbeiter Ortsbeschreibungen liefern und anschließend meinen Weg am Bildschirm verfolgen."

"Easy Walk" wird von der Firma il Village entwickelt und betrieben, die Kosten - in ungenannter Höhe - wollen die Provinzbehörden auch im regulären Betrieb mit 3000 Nutzern tragen.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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