Vodafone-Angebot Echte Telefonnummer für Handys in "Second Life"

Vodafone testet einen neuen Dienst: Der Mobilfunkkonzern vergibt echte Telefonnummern für virtuelle Mobiltelefone in "Second Life". Damit können zukünftig SMS und Anrufe zwischen beiden Welten ausgetauscht werden - der Dienst funktioniert ganz gut und kostet noch wenig.


Der neue Dienst "InsideOut" des Mobilfunkriesen Vodafone verbindet die echte mit der virtuellen Realität auf bislang einmalige Art und Weise: Vodafone ermöglicht den Austausch von SMS und Anrufen zwischen beiden Welten.

Avatar Sponto, SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Christian Stöcker: Virtuelle und reale Welt verschmelzen miteinander
SPIEGEL ONLINE

Avatar Sponto, SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Christian Stöcker: Virtuelle und reale Welt verschmelzen miteinander

Seit Anfang des Monats erlaubt Vodafone die Nutzung von " InsideOut" in einer Beta-Version. Diese funktioniert offensichtlich schon ziemlich gut, jedenfalls haben sich in einem kurzen Test keine Probleme gezeigt, und auch in "Second Life"-Foren finden sich keine entsprechenden Berichte.

In der Beta-Phase, die noch bis zum 30. November läuft, sind Anrufe aus "Second Life" in reguläre Telefonnetze durch ein großzügiges Startguthaben praktisch kostenlos. Es steht zu vermuten, dass Vodafone den Service daher auch noch nicht bewirbt, sondern regelrecht versteckt: Es gibt zwar eine deutsche InsideOut-Seite, aber die Begriffe "InsideOut" und "Second Life" ergeben bei einer Suche auf der Vodafone-Site derzeit keine Treffer.

Deutsche Vorwahl

Um den transrealen Telefonservice zu nutzen, muss man natürlich zunächst über einen Second-Life-Account verfügen. Auf der InsideOut-Insel, auf die man in der Pixelwelt praktischerweise per Teleporter gelangt, kann man sich dann an einem "Verkaufsautomaten" gratis ein virtuelles Handy besorgen. Dieses besteht aus dem Telefon, das der Avatar mit sich führt, sowie einem neuen Fenster in der "Second Life"-Ansicht, das von Vodafone "HUD" (Heads up Display) genannt wird - man hätte auch einfach Handy-Display sagen können.

Zur Aktivierung des Dienstes muss man nun nur noch seine reale Telefonnummer preisgeben - jedenfalls gegenüber Vodafone. Im Gegenzug erhält man eine "Second Life2-Telefonnummer, die aus einer ganz realen Vodafone-Nummer mit deutscher Landesvorwahl besteht.

Dadurch können Anrufe und SMS vom virtuellen aufs echte Handy umgeleitet werden, oder eben vom echten aufs virtuelle. Für andere Second Life-Akteure ist dabei immer nur die InsideOut-Nummer sichtbar, umgekehrt kriegen reale Telefonkontakte nie die Second Life-Nummer zu Gesicht. Vodafone agiert bei diesem Modell als Schnittstelle, die den Nutzer jederzeit mit seinen beiden Realitäten verbindet: Selbstverständlich werden Anrufe immer so angezeigt, dass sie klar einer Welt zuzuordnen sind.

Verwischte Welten

Nach dem Ende der Testphase können Anrufe bei InsideOut-Nummern übrigens ziemlich teuer werden, weil dafür schlicht die gleichen Gebühren fällig werden, die für die Verbindung mit einer Vodafone-Nummer mit deutscher Vorwahl anfallen. Das führt in englischsprachigen Blog-Einträgen schon zu Witzen, nach denen "Second Life" in Wirklichkeit in Deutschland liegt. Umgekehrt können Anrufe vom InsideOut-Handy in ein reales Netz im regulären Betrieb "bis zu 300 Linden Dollar" in der Minute kosten, also rund 75 Euro-Cent.

Damit verbindet Vodafone echte und virtuelle Welt tatsächlich auf eine bislang ungekannte Art und Weise. Dass einige Nutzer für virtuelle Güter wie Grundstücke oder Schwerter aus Pixel-Welten wie Second Life oder "World of Warcraft" reales Geld ausgeben, gilt inzwischen als ziemlich normaler Vorgang.

Schließlich muss man für viele Dinge in den Phantasie-Universen lange "arbeiten", bzw. "spielen", gleichzeitig gibt es einen regen Handel mit den virtuellen Währungen, für die sich nach Angebot und Nachfrage klassische Marktpreise entwickeln. Mit InsideOut dreht sich dieser Mechanismus allerdings glatt um: Jetzt kann man auch sein virtuelles Vermögen für reale Güter ausgeben.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.