Vodafone und TomTom Stauwarnung vom Handy-Schwarm

Jedes eingeschaltete Handy stellt auch eine Art Peilsender dar. In den Niederlanden sollen die gesammelten Ortsangaben von Vodafone-Mobiltelefonen jetzt als Basis für das Verkehrsleitsystem der Zukunft genutzt werden.


Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone und der Navigationsspezialist TomTom haben ein Projekt vorgestellt, mit dem erstmals die automobile Verkehrslage eines ganzen Landes in Echtzeit erfasst werden soll. Dazu werden die Positionsdaten aller niederländischen Vodafone-Nutzer ausgewertet, Engpässe oder Staus sollen so frühzeitig erkannt und TomTom-Nutzer rechtzeitig über alternative Routen gelotst werden.

Verkehrsstau: Ausgetrickst mit dem Handy?
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Verkehrsstau: Ausgetrickst mit dem Handy?

Grundlage des Systems sind Daten, die beim Betrieb eines Mobilfunknetzes ohnehin anfallen: Sobald ein Handy eingeschaltet wird, nimmt es Kontakt zu den nächsten Basisstationen auf, wodurch die Position des Geräts relativ genau bestimmt werden kann. Wie TomTom aus diesem permanenten Datenstrom die relevanten Informationen herausfischt - schließlich steht nicht jedes unbewegte Handy im Stau - erklärt das Unternehmen zwar nicht genau, allerdings soll sich das System bereits im lokalen Rahmen bewährt haben und daher 2007 landesweit eingeführt werden.

Voll im Lokaltrend

Ortsabhängige Services gelten generell als Hoffnungsträger für die Mobilfunkbranche, die immer noch händeringend nach Anwendungen für ihre Datennetze der dritten Generation (UMTS) sucht. Dabei zeichnet sich das Zusammenwachsen mit vorhandenen Verkehrssystemen immer deutlicher ab: Einerseits werden sich Navigationssysteme tendenziell von einer fix installierten Funktion im Auto zu Handy-Anwendungen entwickeln. Andererseits werden zunehmend die Möglichkeiten der dezentralen Datensammlung und -Verarbeitung durch Mobiltelefone entdeckt, wie das kürzlich vorgestellte Projekt "FoxyTags" anschaulich zeigt, bei dem sich Autofahrer gegenseitig vor Radarfallen warnen.

Nebenstraßen unter Stress

Dementsprechend ist TomTom-CEO Harold Goddijn auch zuversichtlich, das System in weiteren EU-Ländern und den USA einführen zu können, wobei das Unternehmen auch mit anderen Mobilfunkbetreibern zusammenarbeiten will.

In der Konsequenz könnte somit in naher Zukunft der Verkehr flächendeckend und in Echtzeit erfasst und "intelligent" geleitet werden - diese eigentlich positive Aussicht birgt allerdings auch neue Probleme: Eine optimale Verteilung des Verkehrs bedeutet nämlich auch eine optimale Auslastung aller Straßen, wodurch auch Nebenstraßen mehr Verkehr ausgesetzt wären - Vertreter des niederländischen Städte- und Gemeinden-Verbands VNG zeigen sich laut der Nachrichtenagentur Reuters jedenfalls schon jetzt besorgt über diese Aussichten.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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