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Vodafone-Urteil: Bye bye, FreiPhone

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Ab sofort gibt es das iPhone in Deutschland nur noch mit Vertragsbindung - so hat es das Landgericht Hamburg entschieden. Das T-Mobile-Vertriebsmodell könnte jetzt zum Vorbild für die ganze Branche werden.

Die Freiheit währte nur kurz. Seit dem 21. November musste T-Mobile das iPhone auch ohne Vertragsbindung und Netzsperre anbieten. Nun hat das Landgericht Hamburg entschieden: T-Mobile darf Apples Kulthandy wieder exklusiv vermarkten und muss keine entsperrte Version anbieten. Für die Handybranche in Deutschland könnte das Urteil weitreichende Veränderungen bedeuten.

"Wir sind froh über diesen Ausgang", sagte T-Mobile-Sprecher Rene Bresken der Nachrichtenagentur AP. Der Verkauf vertragsfreier iPhones werde so schnell wie möglich eingestellt. Schnellentschlossene könnten also mit etwas Glück noch ein entsperrtes Apple-Handy ergattern, bevor es sich auch bis zum letzten Mitarbeiter in den Telekom-Shops herumgesprochen hat, wie das Landgericht entschieden hat. Schließlich hatte es offenbar auch einige Tage gedauert, bis alle Mitarbeiter darüber informiert waren, dass man das iPhone auch ohne Vertrag verkaufen müsse.

Dass es das iPhone seit dem 21. November ohne Vertrag und Netzsperre (Sim-Lock) zu kaufen gab, hatten Fans des Apple-Handys dem Mobilfunkunternehmen Vodafone zu verdanken. Per Einstweiliger Verfügung hatte es T-Mobile zu diesem Schritt gezwungen. Die Telekom-Tochter musste schnell reagieren, nahm das entsperrte Modell für 999 Euro ins Angebot - ein Aufpreis von üppigen 600 Euro gegenüber dem iPhone mit T-Mobile-Vertrag.

Weitreichende Folgen

Das Gericht begründete das Urteil zunächst nicht weiter. T-Mobile hatte den Richtern aber in der mündlichen Verhandlung offenbar glaubhaft erklären können, dass es sich beim iPhone eben nicht nur um ein neues Handy, sondern um ein Komplettpaket aus Mobiltelefon, Funktionen, Diensten und Netzen handelt. Dieser Argumentation folgte jetzt offenbar die zuständige Kammer am Landgericht Hamburg, als sie entschied, dass man "einen Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb oder gegen das Kartellrecht nicht mehr anzunehmen" vermochte.

Für die Branche könnte das Urteil weitreichende Folgen haben. Schon lange suchen Netzbetreiber, Wiederverkäufer und Handyhersteller nach Möglichkeiten, sich von dem in Deutschland etablierten Modell subventionierter Handys abzuwenden. Das iPhone könnte so tatsächlich, so wie es Vodafone-Chef Joussen ausdrückt, zum Sündenfall für die Mobilfunkbranche werden.

Denn statt das iPhone zu einem offensichtlich subventionierten Preis anzubieten, wird es zum Standardpreis von 399 Euro verkauft - mit Vertrag. T-Mobile profitiert davon, weil das Handy neue Kunden anlockt und über Jahre feste Einnahmen sichert. Apple wird an diesen Einnahmen beteiligt, heißt es. Über die Höhe dieser Beteiligung gibt es nur vage Vermutungen. Von bis zu 30 Prozent ist die Rede.

Das iPhone als Wegbereiter

Nachdem dieses Vertriebsmodell nun quasi den richterlichen Segen bekommen hat, könnte es von anderen Unternehmen kopiert werden. Es wäre nicht das erste Mal, dass Apple einer ganzen Branche einen neuen Trend vorgibt. Statt Handys zu Niedrigstpreisen anzubieten, um Kunden zum Vertragsabschluss zu bewegen, könnte man künftig exklusive Handys mit exklusiven Funktionen zu weit höheren Preisen als bisher üblich anbieten. Die Netzbetreiber würden ihre Subventionen sparen und den Herstellern erschlösse sich angesichts sinkender Handypreise eine neue Einnahmequelle.

Allerdings, so schränkt der Wettbewerbsrechtsexperte Dr. Marco Hartmann-Rüppel ein, lasse sich das neue Vertriebsmodell nur auf einzelne Geräte anwenden. Eine Bindung eines Herstellers an einen Netzanbieter wäre kartellrechtlich angreifbar. So sei es nicht denkbar, dass beispielsweise Marktführer Nokia seine Handys künftig ausschließlich über T-Mobile anbietet. Ein solches Vorgehen würde bedeuten, dass die Unternehmen ihre marktbeherrschende Stellung zum Nachteil der Kunden ausnutzen könnten.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 42 Beiträge
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1. alle Apple-Handies
DJ Doena 04.12.2007
---Zitat--- Allerdings, so schränkt der Wettbewerbsrechtsexperte Dr. Marco Hartmann-Rüppel ein, lasse sich das neue Vertriebsmodell nur auf einzelne Geräte anwenden. Eine Bindung eines Herstellers an einen Netzanbieter wäre kartellrechtlich angreifbar. So sei es nicht denkbar, dass beispielsweise Marktführer Nokia seine Handys künftig ausschließlich über T-Mobile anbietet. Ein solches Vorgehen würde bedeuten, dass die Unternehmen ihre marktbeherrschende Stellung zum Nachteil der Kunden ausnutzen könnten. ---Zitatende--- Jetzt könnte man argumentieren, dass der Hersteller Apple alle seine Handys ausschließlich über T-Mobile anbietet. ;-)
2. iPhone
icet69 04.12.2007
Mr. Jobs bestimmt wer seine Produkte verkaufen darf. Unglaublich! Die Kosten für den Erwerb stehen ausserdem in keinem Verhältnis zum Gebrauchswert. Mindestens 1500 Euro in 24 Monaten, für ein Mobiltelefon mit Technik von gestern... So lange es Leute gibt die auf solche Angebote zugreifen, kann dem Konsumwilligen jeder Preis untergeschoben werden.
3. iWucher
Non-Hodgkin-Lymphom 04.12.2007
Wer jetzt noch so'n Ding kauf ist selber schuld. Von mir aus kann Mr. Jobs sich sein iPhone mit Verlaub in den Allerwertesten Stecken. Mit ihrem Preiswucher sollen sie ruhig drauf sitzen bleiben. In Kürze folgen weit aus bessere Handys auf dem Markt als dieses Hype-Produkt.
4.
Elch123 04.12.2007
Zumindest hat der Verbraucher einen kleinen Sieg davongetragen . Laut Pressemeldung T-Mobile vom heutigen Tage wird das iPhone nun doch nach 24 Monaten kostenlos freigeschaltet. Dies war bisher nicht so und wurde im Rahmen des Prozesses von den Anwälten von T-Mobile zugesagt. (Was vermutlich auch zu der Entscheidung des Gerichts beigetragen hat). Damit verhält sich das nun genau so wie bei einem "normalen" Handyvertrag mit subventioniertem Handy.
5.
DoubleU, 04.12.2007
Ich finde auch, daß alleine die mehr als unverschämte Marketingstrategie von Apple hinsichtlich des Eifons jeden davon abhalten müsste solch ein Produkt zu kaufen. Das es technisch und vom Funktionsumfang/etc. sowieso nicht wirklich der Brüller ist müssten hingegen auch die erkennen, die selbst ein dauerhaft verschmiertes Display äh..Tastatur (oder so) für das non-plus-ultra halten und sowieso jeden Scheiß von Apple wie in Trance kaufen, weil sie technisch eh keine Ahnung haben und nur auf Design stehen, sprich auf lifestylemäßige Showtime ohne jeglichen Sinn. :-) Wenn es finanzierbar ist, daß der Provider einen Großteil der Gesprächsgebühren an den Hersteller des Telefons abführt kann sich wirklich auch der nur durchschnittlich Begabte ausrechnen wie sehr er über den Tisch gezogen wird bzw. wie gut z.B. die Tarife oder der Kaufpreis ist... Hier noch einmal was seriöses zum Thema (hab ich zwar hier im forum schon mal gepostet, aber immer wieder gut für Leute, die es noch nciht kennen) :-): http://www.thebestpageintheuniverse.net/c.cgi?u=iphone
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