Web 2.5 Gratis-Telefonate in Blogs, MySpace und Co.

Das Start-up Jaxtr will als Schnittstelle die Web-2.0-Welt mit Mobil- und Festnetznummern verbinden. Mit einem Klick werden Gespräche mit Betreibern von Blogs oder Profilseiten möglich - gratis und anonym. Jajah bietet einen vergleichbaren Service schon länger an.


Ein in typischer Web-2.0-Manier Jaxtr getauftes Start-up hat es sich zum Ziel gesetzt, Telefonate über Blogs oder Seiten in sozialen Netzwerken zu verbinden: Über beliebige bestehende Nummern, kostenlos und zudem auch noch anonymisiert. Jaxtr ist allerdings nicht das erste Unternehmen mit dieser Idee: Das Telefonie-Startup Jajah bietet einen ähnlichen Dienst schon seit einiger Zeit. Jajah-Anrufe, die übers Netz hergestellt aber mit normalen Telefonen geführt werden, kann man schon mit einem Klick von Webseiten und E-Mail-Signaturen aus einleiten.

Sinnfällige Jaxtr-Illustration: Per Klick zum Telefonat

Sinnfällige Jaxtr-Illustration: Per Klick zum Telefonat

Der Jaxtr-Dienst ist noch in der Testphase, im kommenden Jahr soll das Angebot in 29 Ländern zur Verfügung stehen, darunter die meisten EU-Staaten, die USA, aber auch Brasilien, Mexiko, Japan und Singapur.

Um den Service zu nutzen, müssen sich Betreiber von MySpace- und Friendster-Profilen, Google-Blogs oder Nutzer von Diensten wie Tagged und Xanga bei Jaxtr zunächst mit einer Mobil- oder Festnetznummer anmelden. Anschließend können sie eine kleine Jaxtr-Box in ihre Seiten einbinden, über die Besucher telefonisch Kontakt aufnehmen können. Die Konkurrenten von Jajah haben bereits einige Kooperationen geschlossen - etwa mit dem Online-Adressbuch Plaxo.

Anonym und gratis

Das Prinzip ist jeweils das gleiche: Nach einem Klick auf den Jaxtr- oder Jajah-Button wird man zunächst aufgefordert, seine Mobil- oder Festnetznummer einzugeben. Danach erhält man einen Anruf, der die Verbindung herstellt. Beide Seiten verwenden dabei das Telefon ihrer Wahl. Bei Jaxtr bleiben, da ein eigener Server zwischengeschaltet ist, die jeweiligen Telefonnummern unsichtbar.

Die Server der Anbieter stellen die Verbindung zudem über lokale Einwahlnummern her, die Vermittlung der Verbindung läuft über Voice over IP. Durch diese Konstruktion muss jeweils nur die Terminierungs-Gebühr innerhalb lokaler Netze bezahlt werden, die anfallenden Kosten sollen bei Jaxtr mit Werbung und Premium-Diensten finanziert werden. Auch Jajah bietet kostenpflichtige Premium-Dienste wie automatische Anrufe zu einem bestimmten Zeitpunkt oder Konferenzschaltungen an.

Damit Blog-Betreiber und andere registrierte Nutzer nicht durch Telefon-Spam belästigt werden, können sie lästige Anrufer als unerwünscht markieren, oder gleich mit einer Positiv-Liste nur bekannte Anrufer zulassen.

"Jack your phone"

Neben den typischen Web-2.0-Seiten lässt sich auch die Jaxtr-Funktion in E-Mails einbinden, wodurch die einfache Aufforderung zum Gratis-Anruf auch in der elektronischen Post integriert werden kann.

Jaxtr mit Sitz in Palo Alto, im Herzen des Silicon Valley, wurde vor rund einem Jahr gegründet, der Name leitet sich von der englischen Phrase "Jack your phone" ab. Zielgruppe des Service sind vor allem jugendliche Web-Nutzer, die ihre Zeit "entweder online oder am Handy" verbringen, erklärte Jaxtr-Chef Konstantin Guericke - der auch zu den Gründern der Business-Community LinkedIn gehört - gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir wollen diese beiden Welten zusammenbringen." Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Gerüchten zufolge auch LinkedIn mit Jajah in Verhandlungen stand, die Jajah-Funktionalität in Profilseiten bei LinkedIn einzubauen.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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