Zu viel Apparate Eine Nummer, aber wie?

Wäre es nicht schön, wenn man wie anno dunnemals nur eine einzige Telefonnummer hätte? Ein Retro-Traum, den jetzt viele Anbieter endlich realisieren wollen, wobei allerdings verschiedene Wege eingeschlagen werden.


Es ist noch nicht mal eine Generation her, da hatten die meisten Menschen nur eine Telefonnummer. Und meistens haben sie sich diese in der Familie sogar noch geteilt. Dann kam Mobilfunk, ISDN, Homezones, zuletzt VoIP und der Trend zum Zweithandy, so dass man mittlerweile froh sein kann, wenn man sich zwei der eigenen Telefonnummern noch merken kann - oder annähernd weiß, wo und wann man welches Telefon am günstigsten benutzt.

Relaxed, weil leicht erreichbar: Doch wenn die "eine Nummer" besetzt ist, bleiben dann die anderen Bimmeln auch stumm?
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Relaxed, weil leicht erreichbar: Doch wenn die "eine Nummer" besetzt ist, bleiben dann die anderen Bimmeln auch stumm?

Letztendlich ist aber kaum etwas leichter, als all diese verschiedenen Nummern wieder zu einer zu machen, und so verwundert es fast schon, dass Angebote, die genau das verwirklichen, erst jetzt so richtig in Mode kommen.

SIM-Card-Klone

So bietet T-Mobile ab dem 1. November die sogenannte MultiSIM an. Was früher noch mit lästigem Austauschen von Sim-Karten und rein- und rausfusseln von Batterien bewältigt werden musste, wird durch zwei Klone der eigenen SIM-Karte plötzlich zur Vergangenheit. Menschen, die mehrere Handys gleichzeitig benutzen, können von nun an eine einzige Karte (nebst Klons) in drei gleichzeitig benutzbare Handys stecken. Und da es in Deutschland mittlerweile genau so viele Handys wie Einwohner gibt, dürften das eine Menge sein: Denn nicht jedes Kleinkind, auch wenn die Netzbetreiber das gerne sehen würden, hat ein eigenes Handy.

Als mögliche Szenarios, warum jemand eigentlich mehr als ein Handy braucht, gibt T-Mobile Blackberrys an, oder fest an die Freisprechanlagen im Auto gebundene Telefone, sowie Laptop-UMTS-Karten. Wird man auf seiner Mobilnummer angerufen, klingeln in Zukunft unter Umständen dann drei Telefone gleichzeitig. Ein wahres Klingeltonkonzert, für das man sich jetzt schon mal zueinander passende Klingeltöne aussuchen sollte, denn kaum etwas dürfte einen so aus der Fassung bringen, wie drei völlig gegeneinander laufende gleichzeitige Surround-Klingeltöne beim Einparken.

Klingeltonorchester

Ein ganz anderes Szenario - mit genau dem gleichen Klingeltonorchester - entwirft eine US-Webservice namens GrandCentral: Hier kann man in der Umsonst-Version bis zu sechs verschiedene Telefonnummern zu einer Neuen bündeln. Die gilt dann für alles. Ruft jemand die neue Telefonnummer an, klingeln alle Telefone gleichzeitig (zum Beispiel auch das im Büro, das Festnetztelefon, etc.) und man kann sich aussuchen, mit welchem man nun am liebsten telefonieren möchte. Die Mitnahme der Telefonnummer übernimmt man von nun ab auf der Webseite selbst durch eine neue Einstellung.

Der Vorteil einer solchen Software-basierten Lösung liegt auf der Hand, denn nicht nur das Zusammenfassen der eigenen Telefonnummern wird so extrem flexibel, sondern die Zeit verschiedener Anrufbeantworter ist endlich vorbei: Die Webseite stellt einen einzigen zur Verfügung, der immer rangeht, und nebenher noch die Anrufe als E-Mail verschickt oder im Web sammelt. Weitere Vorteile: Lästige Nummern lassen sich zentral sperren, und spezielle Anrufer können auf bestimmte Telefone geleitet werden, so dass beispielsweise der Büroflirt nicht unerwartet zu Hause anruft.

Zwei Strategien für eine Nummer, die Zeit wird zeigen, ob beide nicht am besten zusammen funktionieren könnten.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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