Zukunftsbeleuchtung: Straßenlampen bekommen Handy-Anschluss

Weltweit wird in zahlreichen Pilotprojekten der Einsatz von LEDs in der Straßenbeleuchtung erprobt. In San Francisco und Kärnten bekommen einzelne Laternen sogar einen Handy-Anschluss - damit sie neben Licht auch Verkehrsinformationen aussenden.

"Für Straßenlaternen sind aufregende Zeiten angebrochen," zitierte die "New York Times" unlängst den Sprecher eines großen US-Energieversorgers. Im Zusammenhang mit Straßenbeleuchtung wirkt das Attribut "aufregend" natürlich erst einmal befremdlich.

Straßenlaterne: Ist es intelligent, wenn diese Leuchte kommuniziert?
REUTERS

Straßenlaterne: Ist es intelligent, wenn diese Leuchte kommuniziert?

Aber die Aussage des Pacific-Gas-and-Electric-Mitarbeiters ist keineswegs ironisch gemeint. Visionen zukünftiger, "intelligenter" Straßenbeleuchtungen haben wirklich Konjunktur, und dabei entstehen tatsächlich spannende Ideen.

Die Straßenbeleuchtung soll sich beispielsweise ständig der aktuellen Verkehrslage anpassen und dadurch hochgradig effizient werden: Durch Bewegungssensoren gesteuert, könnte jedem Fußgänger und jedem Auto ein passender Lichtkegel folgen, gleichzeitig würden leere Straßenabschnitte nur sehr spärlich erhellt. Besondere Ereignisse wie ein Unfall könnten durch farbige Beleuchtung angekündigt werden, während die Unfallstelle selbst besonders hell erleuchtet wird. Aus einer Reihe Laternen könnte also so etwas wie ein Display des Straßenverkehrs werden. Neben ihrer Grundfunktion als Lichtquelle würden die Leuchten vielfältige Informationen vermitteln, etwa durch Farben, Lichtintensität oder auch Blinksignale.

Alles auf LED

Hintergrund der neuen Lichtphantasien ist zunächst die allgemein erwartete Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LEDs. Denn nachdem die "Light Emitting Diodes" lange Zeit auf ein enges Farbspektrum beschränkt waren und auch keine große Lichtintensität boten, sind sie heute auf dem besten Weg zur Universallichtquelle. Und unter anderem wird weltweit in zahlreichen Pilotprojekten der Einsatz von LEDs als Straßenbeleuchtung erprobt.

Für die Technik spricht zunächst die vergleichsweise lange Lebensdauer der LEDs von bis 50.000 Stunden sowie der besonders hohe Wirkungsgrad, mit dem LEDs Strom in Licht verwandeln. Die größte Hürde für LEDs als Lichtquelle sind unterdessen die vergleichsweise hohen Herstellungskosten. Aber diesbezüglich herrscht unter Lichttechnikern allgemein Optimismus: "Wir sind überzeugt, dass die LED die Lichttechnik der Zukunft auch in der öffentlichen Straßenbeleuchtung ist: Gegenüber derzeitiger Lichttechnik haben LEDs große wirtschaftliche und ökologische Vorteile", erklärte im Dezember etwa Professor Tran Quoc Khanh von der TU Darmstadt anlässlich eines lokalen Pilotprojektes.

Laterne mit Telefonanschluss

Aus der allgemeinen LED-Euphorie stechen zwei Projekte hervor, die sich nicht auf die beschriebenen wirtschaftlichen und ökologischen Möglichkeiten beschränken. So fiel der Spruch von den "aufregenden Zeiten" für Laternen im Rahmen einer Konferenz in San Francisco, bei der auch die Steuerung der Straßenbeleuchtung per Mobilfunk demonstriert wurde. Dahinter steht die Idee, dass sich die LED-Potentiale erst durch eine vollwertige Vernetzung jeder einzelnen Straßenlaterne realisieren lassen.

Neben San Francisco sollen bald auch Laternen in Österreich eine Handy-Steuerung erhalten. Hier will T-Mobile Austria zusammen mit dem niederländischen Lampenhersteller Lioris in Klagenfurt LED-Straßenleuchten mit SIM-Karten ausrüsten. Die Unternehmen wollen in den nächsten Monaten die "punktgenaue Steuerung" der Beleuchtung per Mobilfunk erproben, aber auch Konzepte wie die Stauwarnung durch "farbiges Blinken". Ob die Autofahrer sich dadurch informiert fühlen oder einfach nur verwirrt, bleibt abzuwarten.

Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler

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