London - Großbritannien ist Weltmarktführer in Sachen Videoüberwachung. Im Schnitt kommt auf jeweils 14 Briten eine Überwachungskamera, 4,2 Millionen davon gibt es insgesamt im Land. Nun will ein Unternehmen namens Internet Eyes möglichst viele davon vernetzen - und die Bilder von Internetnutzern auswerten lassen.
Wer dort ein Verbrechen erspäht, soll es melden können, etwa an den zuständigen Kaufhausdetektiv. Wer oft genug erfolgreich zusieht, soll Geld gewinnen können - 1000 britische Pfund, jeden Monat. Besitzer von Ladengeschäften oder anderen Privateinrichtungen mit Überwachungskameras, sollen im Gegenzug 20 Pfund im Monat bezahlen, damit ihre Bilder bei Internet Eyes zu sehen sind.
Internet-Eyes-Chef Tony Morgan setzt auf die "voyeuristischen Tendenzen" der Menschen: "Wie viele Leute sehen sich Big Brother sogar dann noch an, wenn die Lichter aus sind und nichts mehr passiert?", fragt Morgan rhetorisch und fügt hinzu: "Internet Eyes wird stattdessen ein Programm bieten, das interessant ist." Worüber sich streiten ließe - so viele spannende Dinge dürften vor den vielen Überwachungskameras kaum passieren. Ab November soll Internet Eyes zunächst in einer einzigen britischen Stadt getestet werden - in Shakespeares Heimat Stratford-upon-Avon.
Am Monatsende bekommt der Tabellenführer 1000 Pfund
Konkret soll jeder angemeldete Hobby-Denunziant stets die Bilder von vier Überwachungskameras gleichzeitig sehen. Alle 20 Minuten sollen sich die Kamerabilder ändern. Woher das jeweilige Bild stammt, soll der Zuschauer nicht erfahren. Drückt ein Nutzer den Alarmknopf, soll der Verantwortliche für die jeweilige Kamera, etwa der Ladenbesitzer, eine SMS samt Screenshot vom Kamerabild bekommen.
Für jeden Alarm, den ein Nutzer zu Recht auslöst, soll er drei Punkte bekommen. Für im guten Glauben abgegebene, aber letztlich falsche Alarme gibt es einen Punkt, für in böser Absicht abgegebene Fehlalarme einen Minuspunkt. Wie die letzteren beiden voneinander unterschieden werden sollen, teilt Internet Eyes nicht mit. Am Ende jedes Monats wird es Morgan zufolge eine Punktetabelle mit den erfolgreichsten Netz-Überwachern geben.
Jeder angemeldete Nutzer kann allerdings standardmäßig nur dreimal pro Monat auf den Alarmknopf drücken. Wer mehr Klicks abgeben möchte, muss diese bezahlen - mit einem Pfund pro Stück. Das soll einerseits flächendeckenden Missbrauch verhindern, andererseits könnte es durchaus auch Teil des Geschäftsmodells sein. Denn wer am Ende des Monats 1000 Pfund gewinnen möchte, muss mehr Punkte gesammelt haben als alle anderen Hobby-Überwacher.
Ein aufgeklärtes Verbrechen pro 1000 Kameras
Morgan glaubt, dass Überwachungskameras mit diesem System erst richtig effektiv werden könnten: "Im Moment sehen die Leute eine Überwachungskamera und denken, vielleicht sieht jemand zu, vielleicht aber auch nicht, und begehen dann trotzdem Verbrechen." Internet Eyes werde die Effektivität verbessern, weil "die Leute dann wissen, dass sie vermutlich jemand beobachtet", sagte Morgan "Sky News".
Die Argumentation könnte sogar verfangen - denn die 4,2 Millionen Überwachungskameras in Großbritannien haben sich bislang als außerordentlich ineffektiv bei der Verbrechensbekämpfung erwiesen - obwohl dem "Guardian" zufolge jeder Brite im Schnitt 300-mal pro Tag irgendwo aufgenommen wird.
Im August kam ein interner Bericht der Londoner Polizei zu dem Ergebnis, dass pro 1000 Überwachungskameras nur etwa ein zusätzliches Verbrechen aufgeklärt wird. Damals wurde auch darauf verwiesen, dass die Polizei mit dem Auswerten der vielen Videobilder einfach nicht nachkommt. Die Pläne von Internet Eyes wollte die britische Polizei nicht kommentieren.
"Die niederen Instinkte der Menschen ausgenutzt"
Die Ankündigung, künftig Privatleute für diesen Zweck einzuspannen, sorgte erwartungsgemäß für deutliche Kritik. Michael Laurie, Chef der privaten Non-Profit-Organisation Crimestoppers, die sich ebenfalls dem Kampf gegen das Verbrechen widmet, kritisierte das finanzielle Interesse Morgans und seiner Mitstreiter. "Verbrechensbekämpfung sollte kein Spiel sein, und das hier ist unter dem Strich nicht mehr als ein kommerzielles Unternehmen, das die niederen Instinkte der Menschen ausnutzt", sagte Laurie "Sky News". Er diagnostizierte eine "breite Palette von Möglichkeiten für Missbrauch und Fehler".
Charles Farrier von der Anti-Überwachungs-Organisation No CCTV sagte der BBC, man habe es hier mit einer "geschmacklosen und beunruhigenden Entwicklung" zu tun. "Hier benutzt ein Privatunternehmen private Kameras und fordert Privatpersonen auf, einander zu bespitzeln. Das stellt eine Privatisierung des Überwachungsstaates dar." Aus Überwachung Kapital zu schlagen, sei "krank".
Das Büro des britischen Information Commissioners, in etwa mit dem deutschen Datenschutzbeauftragen des Bundes vergleichbar, hat bereits angekündigt, man werde Kontakt zu Internet Eyes aufnehmen. Dem "Guardian" sagte Datenschützer Jonathan Bamford, er halte es "nicht für angemessen, Bilder von identifizierbaren Personen zu Unterhaltungszwecken offenzulegen oder ins Internet zu stellen".
Mit Material von Reuters
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Ich teile da ihr Vertrauen nicht - ich halte es mit "Wehret den Anfängen! * Indect – der Traum der EU vom Polizeistaat Ein Forschungsprojekt soll Wege finden, Informationen aus dem Netz, aus Datenbanken und von [...] mehr...
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Ja sie kann jeder sehen aber es läuft ihnen nicht die meiste Zeit einer nach und macht andauernd Fotos oder filmt sie sogar. mehr...
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