Das US-Unternehmen Attributor lebt von Zahlungen aus den Kassen von Zeitungsverlagen und Nachrichtenagenturen. Attributor durchsucht das Netz automatisch nach Texten und Textfragmenten, die aus den Beständen seiner Kundschaft stammen - und ermöglicht Inhalteerstellern so, im Bedarfsfall zum Beispiel juristisch gegen Plagiate vorzugehen. Unternehmen wie Attributor sind damit auch eine argumentative Waffe im Arsenal von Medienunternehmern wie Rupert Murdoch, die gerne Verknüpfungen zwischen den "Dieben" im Internet und den eigenen Umsatzrückgängen herstellen möchten.
Nun hat Attributor, unter einem anderen Namen, nämlich "Fair Syndication Consortium", eine Studie veröffentlicht. Das "Fair Syndication Network" ist eine Plattform, mit der Attributor Geld verdienen will, indem es Autoren Erlösanteile aus den mit ihren Inhalten erzielten Einnahmen verschafft - wer sich dort anmeldet, beauftragt das Unternehmen gewissermaßen, im eigenen Namen nach Plagiaten der eigenen Inhalte zu suchen. Die Studie soll drei Dinge belegen:
Um das zu belegen, hat Attributor vom 15. Oktober bis 15. November 2009 eigenen Angaben zufolge 75.000 Websites aufgespürt, die Texte von Attributor-Kunden ganz oder teilweise wiedergeben und damit, zumindest teilweise, zweifellos Urheberrechte verletzen.
Dabei stellte sich allerdings auch heraus, dass
Zu einem Argument in der aktuellen Debatte um Bezahlinhalte, Plagiate und die Geldprobleme der Verlagshäuser wird die Studie durch eine weitere Zahl: 53 Prozent der Seiten, die der "unlizenzierten Monetarisierung der Inhalte von US-Zeitungen" schuldig seien, täten das mit Hilfe von Google, sprich: Die Seiten enthalten über das AdSense-Programm verteilte Anzeigen. Weitere 19 Prozent entfielen auf Yahoo.
Das klingt bitter: Web-Seiten klauen massenweise Inhalte, und Google verdient daran in großem Stil mit. Die Veröffentlichung der Studie ist ein Frontalangriff auf die Suchmaschinisten. Der eine oder andere Verleger, der schon immer der Meinung war, das Netz sei voller Diebe, soll und wird sich durch diese Zahlen bestätigt fühlen - und wird, so zweifellos das Kalkül, womöglich darüber nachdenken, auch Kunde des "Fair Syndication Consortium" zu werden. Attributor-Chef Jim Pitkow sagte der "New York Times" im Juli, man werde den Verlegern zunächst "beweisen, dass Piraterie tatsächlich eine Rolle spielt und welches Ausmaß sie hat". Anschließend werde man mit seinen Zahlen zu den Anzeigennetzwerken, also Google, Yahoo und anderen gehen. Geld soll laut Attributor (siehe Nachtrag) nicht von den Anzeigen-Netzwerken, sondern von den Betreibern der entsprechenden Websites eingefordert werden.
Zentrale Frage: Wieviel Geld wird denn hier eigentlich verdient?
Die Studie unterschlägt allerdings einige Informationen, die man dann doch gerne hätte: Zum Beispiel, wieviel Traffic all die echten oder vermeintlichen Plagiateure eigentlich generieren. Sieht all diese geklauten Texte, all diese Google-Ads überhaupt irgendwer?
Darauf, und das macht misstrauisch, gibt Attributor keine Antwort - obwohl das "Fair Syndication Consortium" angeblich in der Lage ist, genau diese Information zu ermitteln. Einzig eine nachgerade bizarre Statistik wird genannt: Von den "Top 1000" der Seiten, die die meisten Artikel von US-Zeitungssites nutzten, seien "38 Prozent unter den Top 100.000", was den Web-Traffic angehe.
Mit anderen Worten: Ein Bruchteil eines Bruchteils der Gesamtstichprobe von 75.000 Websites hat überhaupt irgendwelche nennenswerten Besucherzahlen - und "nennenswert" ist hier schon sehr liberal ausgelegt: Die Kurve der Klick- und Besucherzahlen von Websites folgt einer Verteilung, die links sehr steil ansteigt, rechts aber sehr schnell sehr flach wird. Wieviel Geld mit einer Google-Anzeige auf einer Web-Seite auf Platz 98.000 der internationalen Netz-Charts zu verdienen ist, lässt sich leider nicht einfach herausfinden - allzu viel kann es aber nicht sein. Sonst hätten die Verleger, deren Angebote in der Regel sehr viel weiter vorn auf dieser Liste rangieren, nicht solche Probleme, ihre Angebote online zu refinanzieren.
Folgerichtig nennt Attributor in der Studie denn auch diese - offenkundig in möglichst suggestiver Form präsentierten - Zahlen, bleibt aber die wichtigste Information schuldig: Wieviel Geld die 75.000 vermeintlichen Plagiatoren die Verlagshäuser denn tatsächlich kosten, und wieviel sie Google, Yahoo und Co. im Gegenzug einbringen. Eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE wurde am Freitagmorgen beantwortet - siehe Update am Textende.
Mit alledem soll nicht etwa ein Recht aufs Plagiat verteidigt werden - Verlage sollten selbstverständlich versuchen, die illegale Weiterverbreitung ihrer Inhalte zu unterbinden und auch juristisch gegen notorische Content-Diebe vorgehen. Am Grundproblem der Verlage aber ändert all das nichts: Nicht die Content-Diebe haben für die schwere Medienkrise gesorgt, sondern die stetig schwindenden Anzeigenerlöse aus den Printprodukten der Verleger. Der Kampf gegen Plagiate ist ein Scheingefecht, das vom eigentlichen Problem nur ablenkt: Dass endlich ein tragfähiges Geschäftsmodell für die Finanzierung von Journalismus im 21. Jahrhundert her muss.
Update: Am Freitagmorgen teilte eine Sprecherin von Attributor mit, Daten über das Traffic-Aufkommen der identifizierten Seiten und die dort erzielten Erlöse lägen nicht vor und könnten deshalb nicht mitgeteilt werden. Attributor legt Wert auf die Feststellung, man wolle auch künftig kein Geld von Anzeigen-Netzwerken wie Google Adsense einfordern - das "Fair Syndication Consortium" werde sich stattdessen darum bemühen, mit Hilfe der Ad-Networks die Betreiber der Seiten direkt um Geld anzugehen, auf denen Artikelkopien zu finden seien.
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So sieht es aus! Auf der Strecke bleiben würde das Hauptmerkmal der vierten Säule in einer Demokratie: Die Möglichkeit für jeden sich umfassend aus verschiedenen Perspektiven Inhalte zuzuführen (da kostenlos), um sich eine [...] mehr...
Da wir ja hier den Autor des Artikels haben, frage ich einmal unschuldig welche Vergütung er sich pro Person für genau diesen Artikel wünschen würde. Auf der anderen Seite würde mich von den anderen Mitlesern was sie bereit [...] mehr...
Da liegen Sie aber grob falsch. Aus dem gedruckten SPIEGEL erscheint bei SPIEGEL ONLINE von absoluten Ausnahmen abgesehen ein einziger Artikel pro Wochentag. Der gesamte Rest, also auch täglich viele Autorentexte und natürlich [...] mehr...
Ich frag mich nur, was wäre, wenn viel mehr Leute per se Adblock und dergleichen nutzen würden... : weniger freie Inhalte vielleicht im Netz, aber auf das meiste kann man eh verzichten, da es zusammengestümperte Infos sind... [...] mehr...
Ist bekannt. Ein sog. Autoblog mit Wordpress und einem Plugin wie Autoblog samt Adsense lässt sich in 5 Minuten einrichten. Das einzige was man braucht ist der RSS-Feed der Newsseite (dehalb auch zuteilen nur die Überschrift und [...] mehr...
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